Inhalt

Diese Story ist nur eine genehmigte Übersetzung.

Jemand hat der Familie Cullen eine geheimnisvolle Box hinterlassen, in der sich vier Bücher befinden. Twilight, New Moon, Eclipse und Breaking Dawn. Sie beginnen diese Bücher zu lesen und erkennen schnell, dass es sich dabei um ihre eigene Zukunft handelt.

Tuesday, January 5, 2010

Drittes Kapitel - Wie ein offenes Buch

Wie ein offenes Buch.“, las Edward.

Der nächste Tag war besser ... und schlimmer.

„Wer will wetten, dass Edward etwas damit zu tun hat?“, kicherte Emmett.

„Nein, das ist zu einfach.“, sagte Jasper, der ebenfalls über Edward lachte. „Wir müssen wetten, ob er daran schuld ist, dass der Tag gut oder schlecht ist.“

„Du hast recht.“, sagte Emmett nachdenklich. „Ich wette..“

„Halt den Mund.“, grollte Edward und seine Brüder nahmen diesmal seine Warnung ernst.

Er war besser, weil es nicht regnete, zumindest nicht gleich morgens, obwohl die Wolken dicht und trüb am Himmel hingen. Und einfacher, weil ich wusste, was mich erwartete. Mike setzte sich in Englisch zu mir und begleitete mich unter den feindseligen Blicken von Schachklub-Eric zu meinem nächsten Kurs; das war doch immerhin schmeichelhaft.

„Sie scheint Aufmerksamkeit von Jungen nicht zu mögen.“, stellte Alice fest.

„Seltsam.“, murmelte Rosalie ungläubig.

Ich wurde nicht mehr ständig angestarrt wie am Vortag. Ich saß mit einer großen Gruppe von Leuten beim Mittagessen, darunter Mike, Eric, Jessica und einige andere, deren Gesichter und Namen ich mir mittlerweile merken konnte. Ich bekam das Gefühl, langsam schwimmen zu lernen, anstatt nur hilflos mit den Armen zu rudern.

Er war schlimmer, weil ich müde war; ich konnte noch immer nicht schlafen, weil der Wind um das Haus heulte. Er war schlimmer, weil mich Mr. Varner in Mathe aufrief, obwohl ich mich nicht gemeldet hatte, und meine Antwort falsch war. Er wurde richtig schlimm, als ich Volleyball spielen musste und den Ball beim einzigen Mal, als ich ihm nicht auswich, einer Mannschaftskameradin an den Kopf schoss.

Emmett lachte laut. „Ich wünschte ich hätte mit ihr Sport!“

Vor allem aber war der zweite Tag deshalb schlimmer als der erste, weil Edward Cullen nicht in der Schule war.

„Siehst du Eddy, du bist drin!“, lachte Emmett wieder über Edward.

„Du bist gegangen..“, seufzte Esme traurig.

„Vielleicht bin ich einfach nur nicht zur Schule gegangen.“, versuchte Edward es den anderen auszureden.

'Du weißt, dass du uns verlassen hast.', dachte Alice und warf Edward einen langen Blick zu.

Den ganzen Vormittag über graute mir bei dem Gedanken an die Mittagspause und seine unerklärlichen, hasserfüllten Blicke. Ein Teil von mir wollte zu ihm gehen und eine Erklärung verlangen. Nachts, als ich im Bett lag und nicht schlafen konnte, hatte ich mir sogar überlegt, was ich sagen würde. Doch ich kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich nicht den nötigen Mumm dafür hatte. Verglichen mit mir war der feige Löwe aus Der Zauberer von Oz ein Superheld.

„Ein Löwe ist aber kein Superheld.“, murmelte Edward.

„Und ich glaube nicht, dass das Mädchen feige ist.“, sagte Carlisle.

Als ich dann mit Jessica die Cafeteria betrat und vergeblich versuchte, nicht den ganzen Saal mit den Augen nach ihm abzusuchen, sah ich seine vier QuasiGeschwister gemeinsam am gleichen Tisch sitzen wie tags zuvor - er jedoch war nirgends zu sehen.

„Quasigeschwister ist eine gute Beschreibung für uns.“

Mike fing uns ab und brachte uns zu seinem Tisch. Jessica schien seine Aufmerksamkeit in Hochstimmung zu versetzen,

„Ja, das tut es.“, sagte Edward. „Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er ihre Leidenschaft von mir auf sich gelenkt hat.“

und ihre Freundinnen und Freunde gesellten sich schnell zu uns. Ich versuchte ihrem ungezwungenen Geplauder zu folgen, doch mir war überhaupt nicht wohl dabei - nervös wartete ich auf seine Ankunft und hoffte nur, dass er mich ignorieren und damit meine Befürchtungen widerlegen würde.

Er kam nicht, und ich wurde immer angespannter.

„Sie denkt definitiv viel über dich nach.“, stichelte Emmett weiter.

„Ich habe sie mit einem Mörderblick angesehen. Natürlich denkt sie darüber nach.“, gab Edward zurück.

„Ich bin mir nicht so sicher, WARUM sie an dich denkt.“, grinste Emmett.

Als er bis zum Ende der Pause nicht aufgetaucht war, ging ich etwas mutiger zu Biologie. Mike entwickelte immer mehr die Verhaltensweisen eines Golden Retriver und wich den ganzen Weg nicht von meiner Seite.

„Eine sehr treffende Beschreibung.“, gröhlte Emmett.

Als wir den Raum betraten, hielt ich die Luft an, doch auch hier war nichts von Edward Cullen zu sehen. Erleichtert atmete ich aus und ging zu meinem Platz.

Mike folgte mir und erzählte von einem geplanten Ausflug zum Strand. Er blieb bei meinem Tisch, bis es klingelte, dann lächelte er wehmütig und setzte sich neben ein Mädchen mit Zahnspange und missratener Dauerwelle. Ich musste mir etwas einfallen lassen, was Mike anging, doch es würde nicht einfach werden. In einer Stadt wie dieser, in der alle aufeinanderhockten, war Diplomatie gefragt. Ich hatte keinerlei Erfahrung im Umgang mit allzu freundlichen Jungs.

„Sie mag Mike nicht.“

„Genau, Eddy. Du brauchst dir wegen ihm keine Sorgen zu machen.“, fügte Emmett hinzuu.

Edward schwieg eisern, doch seine Augen leuchteten kurz auf.

Ich war froh, dass Edward nicht da war und ich den Tisch für mich allein hatte. Das redete ich mir zumindest ein, immer wieder, ohne jedoch den schleichenden Verdacht loszuwerden, dass ich der Grund für seine Abwesenheit war. Es war natürlich völlig albern und egozentrisch, mir einzubilden, dass ich jemanden so stark beeinflussen könnte. Es war unmöglich. Und doch konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, dass es stimmte.

„Oh, es ist war!“, rief Alice mit ihrer singenden Stimme...

Als der Schultag endlich geschafft und das Blut nach dem Zwischenfall beim Volleyball wieder aus meinen Wangen gewichen war, zog ich mir schnell meine Jeans und meinen marineblauen Pullover an. Ich hatte es eilig, den Umkleideraum zu verlassen, und war froh, als ich sah, dass ich meinem Freund, dem Golden Retriver, für den Moment entkommen war. Rasch lief ich zum Parkplatz, der von flüchtenden Schülern bevölkert war, stieg in meinen Transporter und kramte in meiner Tasche, um sicherzugehen, dass ich alles Nötige eingepackt hatte.

Am Abend zuvor hatte ich nämlich entdeckt, dass Charlies Kochkünste nicht über Spiegeleier mit Speck hinausgingen, und für die Dauer meines Aufenthaltes das Küchenkommando beansprucht.

„Ich denke wir werden in diesem Buch viel über Essen lesen.“ Jasper verzog das Gesicht.

„Zumindest müssen wir es nicht riechen.“, seufzte Edward.

Charlie war einverstanden gewesen. Außerdem hatte ich herausgefunden, dass nichts Essbares im Haus war, weshalb ich mich jetzt mit meiner Liste und ein paar Scheinen aus einer Dose mit der Aufschrift »Einkaufsgeld« auf den Weg zu Thriftway machte.

Ich ließ meinen lärmenden Motor aufheulen, ignorierte die Leute, die sich nach mir umdrehten, legte den Rückwärtsgang ein und reihte mich vorsichtig in die Schlange der Fahrzeuge ein, die den Parkplatz verlassen wollten. Während ich wartete und so tat, als käme das ohrenbetäubende Dröhnen von einem anderen Auto, sah ich die beiden Cullens und die Haie-Zwillinge in ihren Wagen steigen. Es war der blitzende neue Volvo natürlich. Bisher hatten mich ihre Gesichter zu sehr gefesselt, als dass ich auf ihre Kleidung geachtet hätte,

„Hm..“, machte Alice und sah unglücklich aus.

doch jetzt sah ich, dass sie allesamt außerordentlich gut gekleidet waren: Sie trugen schlichte Sachen, die subtil auf ihre Designer-Herkunft schließen ließen. Dabei hätten sie bei ihrem Aussehen und der Art und Weise ihres Auftretens genauso gut in Lumpen gehen können.

„Auf keinen Fall.“, sagten Rosalie und Alice gleichzeitig entsetzt.

War es nicht zu viel des Guten, nicht nur blendend auszusehen, sondern auch noch Geld zu haben?

„Das haben wir unserer kleinen Nervensäge zu verdanken.“ Emmett griff Alice in die stacheligen Haare, doch sie wich aus.

„Nur deshalb wollten wir sie bei uns haben.“, kicherte Edward und grinste seine Lieblingsschwester an.

Doch soweit ich das beurteilen konnte, war es meistens so im Leben. Auch wenn es ihnen hier in Forks anscheinend keine Anerkennung verschaffte.

Obwohl, so richtig glaubte ich das nicht. Ihre Isolation musste von ihnen gewollt sein - ich konnte mir nicht vorstellen, dass solcher Schönheit irgendwelche Türen verschlossen blieben.

„Das ist richtig und falsch.“, sagte Carlisle. „Menschliche Instinkte warnen Menschen vor uns, doch unser Aussehen ist ein Bonus.“

Als ich an ihnen vorbeifuhr, betrachteten sie meinen lärmenden Transporter, genau wie alle anderen.

„Ich denke nicht, dass wir den lärmenden Transporter ansehen.“, sagte Jasper. „Viel mehr das Mädchen, das in ihm sitzt.“

„Und wundern uns, weshalb Edward wegen ihr nicht da ist.“, ergänzte Alice.

Ich schaute stur geradeaus und war froh, als ich endlich vom Schulgelände runter war.

Thriftway befand sich ganz in der Nähe der Schule, nur ein paar Straßen weiter südlich. Es war angenehm, in einem Supermarkt zu sein, es gab mir ein Gefühl der Normalität. Zu Hause hatte ich auch die Einkäufe erledigt und war froh über die vertraute Aufgabe. Das Gebäude war groß genug, dass man in seinen Gängen das Tröpfeln des Regens auf dem Dach nicht hörte - ich konnte für eine Weile vergessen, wo ich mich befand.

Als ich zum Haus kam, packte ich die Einkäufe aus und verstaute sie überall, wo Platz war. Charlie hatte hoffentlich nichts dagegen. Dann wickelte ich Kartoffeln in Folie ein und legte sie zum Backen in den Ofen, marinierte ein Steak und platzierte es vorsichtig auf einer Packung Eier im Kühlschrank.

Als ich damit fertig war, nahm ich meine Tasche und ging nach oben. Bevor ich mit den Hausaufgaben anfing, zog ich mir eine trockene Jogginghose an, band meine feuchten Haare zu einem Zopf zusammen und schaute zum ersten Mal nach meinen E-Mails. Ich hatte drei Nachrichten.

„Die sind sicher alle von ihrer Mutter.“, sagte Edward.

„Bella“, schrieb meine Mom.

Schreib mir, sobald du ankommst. Wie war dein Flug? Regnet es? Ich vermisse dich jetzt schon. Ich hab fast alles gepackt für Florida, aber ich finde meine rosafarbene Bluse nicht. Weißt du, wo ich die hingetan hab? Grüße von Phil. Mom

Ich seufzte und öffnete die nächste Nachricht. Sie war acht Stunden nach der ersten abgeschickt worden.

„Bella“, schrieb sie.

Warum antwortest du mir nicht?

„Sie ist doch gerade erst angekommen.“ Alice verdrehte die Augen.

„Sie hätte antworten sollen.“, sagte Esme mütterlich. „Es ist nicht einfach, wenn eins deiner Kinder weit weg von dir ist.“

Worauf wartest du? Mom

Die letzte war an diesem Vormittag gekommen.

Isabella,

„Wetten, sie ist in schwierigkeiten?“, lachte Emmett.

wenn ich bis heute Abend halb sechs nichts von dir höre, ruf ich Charlie an.

Ich schaute auf die Uhr. Ich hatte noch eine Stunde, aber Mom war für ihre vorschnellen Aktionen bekannt.

Mom,

beruhige dich. Ich bin gerade dabei, dir zu schreiben.

„Sie schreibt gerade. Darauf wär jetzt keiner gekommen.“, sagte Emmett.

„Naja, genau gesagt schreibt sie nicht, sie tippt.“, sagte Edward.

„Das ist dasselbe.“, grummelte Emmett.

Kein Grund zur Panik.

Ich schickte die Nachricht ab und fing von vorne an.

Mom,

alles ist super. Natürlich regnet es. Ich wollte warten, bis was spannendes passiert.


„Schreib über den bösen Jungen, der dir Mörderblicke zugeworfen hat.“, sagte Emmett.

„Das ist nicht witzig.“, knurrte Edward.

Schule ist okay, nur ein bisschen langweilig. Ich hab ein paar nette Leute kennengelernt, mit denen ich jeden Tag zusammen Mittag esse. Deine Bluse ist in der Reinigung – Du solltest sie letzten Freitag abholen. Charlie hat mir einen Transporter gekauft, was sagst du dazu? Er ist toll -alt, aber echt robust, also genau das Richtige für mich.

„Hm..“, machte Carlisle.

„Was ist?“, wollte Esme wissen.

„Das ist das, was Charlie ihr über den Transporter erzählt hat. Es wird ein gutes Auto für sie sein.“, erklärte er.

„Er kennt sie gut.“ Esme lächelte.

Ich vermisse dich auch. Ich melde mich bald wieder, aber ich werde nicht alle fünf Minuten meine Mails checken. Entspann dich, atme tief durch. Ich liebe dich

Bella.

Als Charlie heimkam, war ich gerade in Sturmhöhe versunken. Den Roman nahmen sie hier gerade in Englisch durch; ich kannte ihn zwar schon, hatte aber Lust, ihn noch mal zu lesen.

„Juhu, etwas worauf wir uns freuen können!“, sagte Edward.

„Sieht nicht so aus, als würde sie dir zustimmen.“, sagte Emmett.

„Aber sie liest gerne solch altes Zeug. Viele Menschen finden es langweilig.“, stellte Alice fest.

Mir war nicht aufgefallen, dass es schon so spät war, also rannte ich jetzt die Treppe runter, um die Kartoffeln aus dem Ofen zu nehmen und das Steak zu braten.

»Bella?«, rief mein Vater, als er mich die Treppe herunterpoltern hörte.

Wer sonst?, dachte ich.

»Hey, Dad, willkommen zu Hause.«

»Danke.« Er hängte seinen Pistolengurt an den Haken und zog sich die Stiefel aus; ich wuselte in der Küche herum. Soviel ich wusste, hatte er im Dienst noch nie einen Schuss abgegeben. Aber seine Waffe war geladen.

Wenn ich ihn als Kind besucht hatte, nahm er immer als Erstes die Patronen heraus, wenn er nach Hause kam. Wahrscheinlich hielt er mich mittlerweile für alt genug, mich nicht versehentlich zu erschießen, und nicht für depressiv genug, um es absichtlich zu tun.

»Was gibt's zu essen?«, fragte er vorsichtig.

Meine Mutter war eine fantasievolle Köchin, aber ihre Experimente waren nicht immer essbar. Es überraschte mich, dass er sich an etwas erinnerte, das so weit zurücklag. Und es machte mich traurig. »Steak mit Kartoffeln«, antwortete ich. Er sah erleichtert aus.

Er schien sich nicht wohl dabei zu fühlen, untätig in der Küche herumzustehen, und stapfte schwerfällig ins Wohnzimmer, um fernzusehen, solange ich zu tun hatte. Das ersparte uns beiden die Verlegenheit, uns unterhalten zu müssen.

Ich machte einen Salat, während das Steak in der Pfanne briet, und deckte den Tisch.

Als ich fertig war, rief ich ihn, und er schnupperte anerkennend, als er hereinkam.

»Riecht gut, Bell.«

»Danke.«

Ein paar Minuten lang aßen wir schweigend, doch es war nicht unangenehm. Keinen von uns störte die Stille. Was das anging, waren wir fürs Zusammenleben wie geschaffen.

„Das ist schön.“, sagte Esme. Ihr Lächeln verschwand, als sie darüber nachdachte, ob das wirklich gut war, dann lächelte sie aber wieder. „Sie passen zusammen.“

»Und, wie findest du's in der Schule? Schon Freunde gefunden?«, fragte er, während er sich mehr auftat.

»Ich hab ein paar Fächer zusammen mit einer Jessica, mit ihr und ihren Freunden esse ich auch immer zusammen. Und dann gibt's noch einen Jungen, Mike, der ist sehr sympathisch. Alle scheinen ziemlich nett zu sein.« Mit einer Ausnahme.

„Eddy.“, lachte Emmett.

„Sie hat NIEMANDEN ihren Freund genannt.“, stellte dieser klar.

»Das muss Mike Newton sein. Netter Junge - nette Familie. Seinem Dad gehört das Sportgeschäft außerhalb der Stadt. Er verdient ganz gut an den Rucksacktouristen, die hier vorbeikommen.«

„Und dank uns.“, lachte Jasper. „Obwohl wir das nicht nötig haben.“

»Kennst du die Cullens?«, fragte ich zögerlich.

»Die Familie von Dr. Cullen? Klar. Dr. Cullen ist großartig.«

„Das ist er.“, sagte Esme stolz und legte einen Arm um ihren Mann.

»Sie ... also seine Kinder ... sie wirken irgendwie anders. Sie scheinen nicht so richtig rein zupassen in die Schule.«

Charlie überraschte mich mit einem verärgerten Blick.

»Diese Leute hier«, murmelte er. »Dr. Cullen ist ein brillanter Chirurg, der wahrscheinlich in jedem Krankenhaus der Welt arbeiten und zehnmal so viel verdienen könnte wie hier«, fuhr er fort und wurde immer lauter.

»Wir können froh sein, dass wir ihn haben - dass seine Frau in einer Stadt wie dieser wohnen wollte. Er ist ein Gewinn für die Gemeinde, und die Kinder sind wohlerzogen und höflich. Als sie herzogen, hatte ich so meine Bedenken.

Lauter adoptierte Teenager - ich dachte, das könnte problematisch werden. Aber sie sind alle sehr reif. Keiner von ihnen hat mir je irgendwelche Probleme bereitet, was ich von den Kindern der alteingesessenen Familien nicht so ohne weiteres behaupten kann.

Und sie halten zusammen, wie sich das gehört für eine Familie, unternehmen Sachen, alle paar Wochen einen Campingausflug ..; Nur weil sie neu hier sind, reden die Leute.«

„Wow, ich wusste gar nicht, dass Charlie uns so sehr mag.“, sagte Edward und alle sahen sich erstaunt an.

„Er ist ein netter Mann.“, sagte Esme.

„Obwohl er unrecht hat, denn wir bereiten sehr wohl Probleme.“ Emmett kicherte.

„Ich hätte einfach nicht gedacht, dass Charlie so von uns denkt.“, sagte Edward. „Ich habe nicht geahnt, dass er auf ihre Worte zu reagiert.“

Es war die längste Rede, die ich je aus Charlies Mund gehört hatte. Offensichtlich ärgerte er sich sehr über das Gerede der Leute.

„Das stimmt. Seine Reaktion war abnormal.“, sagte Jasper nachdenklich.

„Er ist mit den Quileute befreundet. Ich dachte, dass er von ihnen nur Schlechtes über uns hört.“, murmelte Carlisle.

„Stimmt.“ Jasper nickte zustimmend.

Ich ruderte zurück. »Ich hatte ja auch das Gefühl, dass sie ganz nett sind. Mir ist nur aufgefallen, dass sie unter sich bleiben. Und dass sie alle ziemlich gut aussehen«, fügte ich hinzu, um noch was Positives zu sagen.

»Da solltest du mal den Doktor sehen«, sagte Charlie und lachte. »Nur gut, dass er glücklich verheiratet ist. Etliche der Schwestern im Krankenhaus haben Schwierigkeiten, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, wenn er in der Nähe ist.«

„Ich sollte das im Auge behalten.“, sagte Carlisle und wirkte amüsiert.

Wir beendeten das Essen so schweigend, wie wir es begonnen hatten. Hinterher räumte er den Tisch ab und ich machte mich an den Abwasch - von Hand, Charlie hatte keinen Geschirrspüler. Dann zog er sich wieder vor den Fernseher zurück, während ich lustlos nach oben ging, um meine Mathehausaufgaben zu erledigen. Der Ablauf hatte das Zeug zum abendlichen Ritual.

In dieser Nacht war es endlich still. Ich schlief schnell ein, vollkommen erschöpft.
Der Rest der Woche verlief ereignislos. Mein Stundenplan wurde zur Routine, und spätestens am Freitag kannte ich fast alle Schüler vom Sehen, wenn auch noch nicht beim Namen. Meine Mannschaftskameraden beim Volleyball gewöhnten sich daran, mir nicht den Ball zuzuspielen und sich vor mich zu stellen, sobald jemand vom gegnerischen Team meine Schwäche ausnutzen wollte. Und ich hatte nicht das Geringste dagegen, aus der Schusslinie zu treten.

Edward Cullen kam die ganze Woche nicht wieder zur Schule.

Esme seufzte unglücklich, sagte jedoch nichts.

Jeden Tag wartete ich voller Anspannung, bis ich die vier Cullens ohne ihn die Cafeteria betreten sah. Dann erst konnte ich mich entspannen und mit den anderen unterhalten. Meistens drehte es sich um einen Ausflug zum La Push Ocean Park in zwei Wochen, den Mike organisierte. Ich war eingeladen und hatte zugesagt, wenn auch vor allem aus Höflichkeit.

Die Strände, nach denen ich mich sehnte, waren heiß und trocken.


„Ich frage mich ob es hier etwas gibt, das sie mag.“, sagte Jasper.

„Bis jetzt nicht.“, kicherte Alice.

„Vielleicht kommt Edward ja wieder.“, stichelte Emmett.

„Das wäre nicht gut für sie.“, knurrte Edward. „Das wird nicht passieren.“

„Sei dir da mal nicht so sicher.“, sagte Emmett munter. „Wir haben die Bücher nicht grundlos bekommen und ich denke, dass wir oft in ihnen vorkommen werden.“

Edward versuchte eine andere logische Erklärung zu finden, wusste jedoch, dass sein Bruder recht hatte.

Am Ende der Woche fiel es mir leicht, den Biologieraum zu betreten - ich machte mir keine Sorgen mehr, dass Edward auf tauchen könnte. Für mich sah es so aus, als hätte er die Schule verlassen. Ich versuchte nicht an ihn zu denken, konnte aber das quälende Gefühl, dass ich der Grund für seine anhaltende Abwesenheit war, nicht völlig unterdrücken, so lächerlich es mir auch erschien.

„Warum sorgt sie sich so deswegen?“, fragte Rosalie gelangweilt und wandte sich ab.

„Sie möchte nicht an irgendjemandes Schmerz schuld sein.“, erklärte Esme.

„Jap, sie denkt eher an andere, als an sich selbst.“, sagte Edward und funkelte seine Schwester an. „Nicht, wie andere von uns.“

Rosalie knurrte, sagte aber nichts dazu.

Mein erstes Wochenende in Forks verlief ohne Zwischenfall. Charlie, daran gewöhnt, wenig Zeit in einem Haus zu verbringen, das normalerweise leer war, arbeitete auch an den freien Tagen. Ich machte sauber, erledigte meine Hausaufgaben und schrieb noch ein paar betont fröhliche Mails an Mom. Am Samstag fuhr ich zur Bibliothek,

„Viel Glück, da findet sie nie etwas.“

„Vielleicht sollten wir ein Paar Bücher spenden.“, schlug Carlisle vor, der Mal wieder den Menschen helfen wollte.

aber sie war so schlecht bestückt, dass ich mir nicht einmal eine Mitgliedskarte geben ließ; ich nahm mir vor, für die nächste Zeit einen Besuch in Olympia oder Seattle einzuplanen und mir dort einen guten Buchladen zu suchen. Wie viel Sprit der Transporter wohl verbrauchte? Lieber nicht darüber nachdenken, dachte ich mit Schrecken.

Der Regen blieb das Wochenende über schwach und leise genug, dass ich gut schlafen konnte.

Als ich am Montagmorgen auf dem Schulparkplatz ankam, wurde ich von allen Seiten begrüßt; ich kannte noch nicht alle Namen, winkte aber zurück und lächelte. Es war kälter als an den Tagen davor, aber zum Glück regnete es nicht. In Englisch setzte sich Mike auf seinen gewohnten Platz neben mir. Wir schrieben einen unangekündigten Test über Sturmhöhe, aber der war zum Glück sehr einfach.

„Hm.. dieser Tag wird detaillierter beschrieben. Ich denke, Edward kommt zurück.“, sagte Emmett.

„Ich hoffe es.“, flüsterte Esme.

Alles in allem fühlte ich mich sehr viel wohler, als ich erwartet hatte. Wohler, als ich erwartet hatte, mich je hier zu fühlen.

„Ah, vielleicht mag sie es doch hier.“, sagte Jasper.

„Das würde ich nicht sagen.“, sagte Alice. „Es ist nur nicht so schrecklich, wie sie es sich vorgestellt hatte.“

Als wir nach Englisch vor die Tür traten, wirbelten lauter weiße Fusseln durch die Luft.

„Ah.. Schnee, ich liebe Schnee.“, sagte Emmett und dachte an seine letzte Schneeballschlacht gegen Jasper und Edward zurück.

Schüler schrien aufgeregt durcheinander. Der Wind schnitt mir in Nase und Wangen.

»Wow«, sagte Mike. »Es schneit.«

Ich betrachtete die kleinen wolligen Bausche, die sich am Boden aufschichteten und mir wild ums Gesicht wehten.

»Uh.« Schnee. Das war's dann wohl mit meinem guten Tag.

„Sie mag keinen Schnee?“, fragte Emmett entsetzt. „Sie ist seltsam.“

Er sah überrascht aus. »Magst du keinen Schnee?«

»Nein. Schnee bedeutet, es ist zu kalt für Regen.« Logisch. »Außerdem dachte ich, es schneit in Flocken - jede einzigartig und so. Die hier sehen aus wie die Enden von Wattestäbchen.«

»Sag bloß, du hast noch nie Schnee fallen sehen«, sagte er ungläubig.

»Doch, na klar« -

„Klingt nicht überzeugend.“, sagte Emmett stirnrunzelnd.

ich machte eine Pause. »Im Fernsehen.«

Emmett lachte los.

Mike lachte. Im nächsten Augenblick traf ihn ein großer, matschiger, tropfender Schneeball am Hinterkopf. Wir drehten uns beide herum, um zu sehen, woher der gekommen war. Mein Verdacht fiel auf Eric, der gerade in die andere Richtung davonging, obwohl er denselben Weg hatte wie wir. Mike hatte offensichtlich den gleichen Gedanken; er hockte sich hin und begann weißen Matsch zusammenzukratzen.

»Wir sehen uns beim Essen, okay?«, sagte ich, ohne stehen zu bleiben. »Wenn Leute anfangen, nasses Zeug durch die Gegend zu werfen, weiß ich, es ist Zeit zu verschwinden.«

Er nickte nur; seine ganze Aufmerksamkeit galt Eric, der sich unauffällig aus dem Staub zu machen versuchte.

Den ganzen Vormittag war der Schnee das einzige Thema; offensichtlich war es der erste in diesem Jahr. Ich sagte dazu nichts. Schnee war vielleicht trockener als Regen, aber nur, bis er einem in den Socken schmolz.

In erhöhter Alarmbereitschaft lief ich nach Spanisch mit Jessica zur Cafeteria. Von überall kamen die Bälle geflogen. Ich hielt einen Ordner in den Händen, um ihn im Fall der Fälle als Schutzschild zu benutzen.

„Ich glaube nicht, dass ihre Reflexe so gut sind, dass das funktionieren würde.“, kicherte Emmett.

Jessica fand das irre komisch, aber irgendwas in meinem Gesichtsausdruck hielt sie davon ab, selbst einen Schneeball nach mir zu werfen. An der Tür holte uns Mike ein, dessen stachlige Frisur vom Schnee ganz aufgeweicht war. Als wir uns an der Essensausgabe anstellten, unterhielten sich die beiden aufgekratzt über die Schneeballschlacht. Ich warf aus reiner Gewohnheit einen Blick zum Tisch in der Ecke. Und blieb wie vom Schlag getroffen stehen. Dort saßen fünf Personen.

„Da da da damm...“, machte Emmett.

Jessica zog mich am Arm.

»Hallo? Bella? Was nimmst du?«

Ich schaute zu Boden, meine Ohren glühten. Ich habe ihm nichts getan, sagte ich mir. Es gibt keinen Grund, sich schlecht zu fühlen.

»Was ist denn mit Bella?«, fragte Mike Jessica.

„Rede doch selbst mit ihr, Idiot..“, murmelte Edward.

»Gar nichts«, erwiderte ich. »Ich nehme nur was zu trinken.« Ich schloss die Lücke zum Ende der Schlange.

»Hast du keinen Hunger?«, fragte Jessica.

»Ehrlich gesagt, mir ist ein bisschen schlecht«, sagte ich, ohne aufzuschauen.


„Das nenne ich attraktiv. Du machst sie krank.“, lachte Emmett.

Ich wartete, bis sie ihr Essen geholt hatten, dann folgte ich ihnen mit gesenktem Blick zum Tisch.

Langsam nippte ich an meinem Wasser, in meinem Magen rumorte es. Mike war übermäßig besorgt und erkundigte sich mehrmals nach meinem Befinden.

Ich sagte zwar, dass alles okay sei, überlegte aber ernsthaft, ob ich die Vorlage annehmen und für eine Stunde im Zimmer der Krankenschwester verschwinden sollte.


„Sie denkt sogar darüber nach vor dir wegzulaufen.“, kicherte Emmett.

Lächerlich. Es gab keinen Grund davonzulaufen!

„Hm..“, machte Edward und sah amüsiert aus.

„Was ist so lustig?“, fragte Esme verwundert.

„Es ist nur.. ich bin wegen ihr abgehauen.“, erklärte er. „Und nun macht sie dasselbe auch wegen mir.“

„Du denkst darüber nach, weil du nicht als das Weichei dastehen willst, oder?“ Jasper wirkte ebenfalls amüsiert.

„Vielleicht ein bisschen.“, sagte Edward und tat gelangweilt.

Ich beschloss, einen Blick zum Familientisch der Cullens zu werfen. Sollte er mich mit demselben wütenden Blick wie letzte Woche ansehen, dann würde ich - feige, wie ich war - die Biostunde schwänzen.

Vorsichtig, mit gesenktem Kopf, blinzelte ich in ihre Richtung. Keiner der fünf schaute zu uns rüber. Ich hob meinen Kopf ein wenig.

Sie lachten. Die Haare von Edward, Jasper und Emmett waren ganz von schmelzendem Schnee durchnässt. Alice und Rosalie lehnten sich weit weg, als Emmett seine triefenden Locken in ihre Richtung schüttelte. Genau wie alle anderen genossen sie den Wintertag - nur dass sie im Gegensatz zu uns anderen dabei wie Figuren aus einem Film aussahen.

„Daran ist bestimmt unsere kleine Pixie schuld.“, stichelte Edward.

„Wir sehen wohl niemals annähernd normal aus.“, seufzte Alice.

Und noch etwas war anders als in der vorigen Woche, nicht nur ihr Lachen und ihre Ausgelassenheit; ich konnte aber nicht sagen, was es war. Edward musterte ich mit der größten Aufmerksamkeit,

und es kam mir vor, als wäre seine Haut weniger blass vielleicht nur wegen der Schneeballschlacht -

„Nein, wegen der Jagd.“, murmelte Edward.

und die Ringe unter seinen Augen nicht mehr so auffallig. Aber das war noch nicht alles. Doch sosehr ich ihn anstarrte - ich kam nicht drauf.

»Bella, was ist denn?« Jessica riss mich aus meinen Gedanken und folgte meinem Blick.

Im gleichen Augenblick schaute er herüber, und unsere Blicke trafen sich.

„Jessica hat meinen Namen wieder gedacht.“, seufzte Edward.

Ich senkte meinen Kopf und ließ meine Haare nach vorne fallen, um mein Gesicht zu verbergen. Ich war mir aber sicher, dass er nicht so wütend oder unfreundlich ausgesehen hatte wie bei unserem letzten Aufeinandertreffen. Sein Blick war einfach nur neugierig und irgendwie unbefriedigt gewesen.

»Edward Cullen starrt dich an«, flüsterte Jessica mir kichernd ins Ohr.

»Er sieht aber nicht sauer aus, oder?« Ich musste es einfach fragen.

»Nein.« Meine Frage verwirrte sie. »Wieso sollte er?«

„Ich bin ja nicht direkt sauer auf sie.“, seufzte Edward.

»Ich glaub, er kann mich nicht leiden«, verriet ich ihr. Mir war immer noch etwas übel. Ich ließ meinen Kopf auf meinen Arm sinken.

»Die Cullens können niemanden leiden. Na ja, eigentlich beachten sie niemanden genug, um ihn leiden zu können. Obwohl - er schaut dich immer noch an.«

»Hör auf, ihn anzugucken«, zischte ich.

Sie kicherte, schaute aber tatsächlich weg. Ich hob meinen Kopf, um mich davon zu überzeugen und notfalls eigenhändig dafür zu sorgen.

„Ich bin mir sicher, dass das.. Also Bella würde nie Gewalt anwenden.“, sagte Emmett. „Selbst wenn sie es wollte.“

„Du hast sie beim Namen genannt.“, platzte Emmett rein.

„Irgendwann muss das passieren. Sie ist die Hauptperson in diesem Buch.“, grummelte Edward.

Mike unterbrach uns; er plante eine Schneeballschlacht von epischen Ausmaßen nach der letzten Stunde auf dem Parkplatz, und er wollte, dass wir mitmachten. Jessica war Feuer und Flamme - so, wie sie Mike anschaute, würde sie sich für alles begeistern, was er vorschlug. Ich blieb stumm und stellte mich darauf ein, in der Turnhalle abzuwarten, bis auf dem Parkplatz die Luft wieder rein war.

Für den Rest der Mittagspause beschränkte ich mein Blickfeld geflissentlich auf meinen eigenen Tisch. Ich war entschlossen, die Abmachung einzuhalten, die ich mit mir getroffen hatte: Er schaute mich nicht wütend an, also würde ich zu Bio gehen. Obwohl mein Magen schon bei dem Gedanken, wieder neben ihm zu sitzen, rumorte.

Ich hatte wenig Lust, wie üblich mit Mike zur nächsten Stunde zu laufen - er schien ein beliebtes Ziel der Schneeballscharfschützen zu sein. Doch dann kamen wir zur Tür, und alle stöhnten einstimmig auf - alle außer mir:

„Och man. Kein Schnee mehr.“, schniefte Emmett.

„Bella wird sich freuen.“, sagte Alic lächelnd.

Es regnete, und die Schneereste liefen in klaren, eisigen Rinnsalen die Bordsteinkanten entlang. Mit klammheimlicher Freude zog ich mir die Kapuze über den Kopf: Mein Nachhauseweg war frei.

Mike hörte während des ganzen Weges zu Haus vier gar nicht auf, sich zu beklagen.

Ich war erleichtert, als wir im Bioraum ankamen und mein Tisch noch leer war. Mr. Banner lief durch die Reihen und platzierte auf jedem Tisch ein Mikroskop und eine Schachtel mit Präparaten. Es waren noch ein paar Minuten Zeit bis zum Beginn der Stunde, und der Raum war erfüllt von Stimmengewirr. Ich vermied es, zur Tür zu sehen, und kritzelte gedankenverloren auf dem Umschlag meines Heftes herum.

Als sich der Stuhl neben mir bewegte, bekam ich das natürlich mit,

„Du musst gewollt habe, dass sie weiß, dass du da bist.“, sagte Carlisle.

„Es wird sie beruhigen, dass ich mich nicht lautlos verhalte.“, murmelte Edward.

verharrte aber mit den Augen auf meiner Kritzelei.

»Hallo«, hörte ich eine ruhige, musikalische Stimme sagen.

Erstaunt, dass er mit mir redete, blickte ich auf.

„Ah, du versuchst sie denken zu lassen, dass sie überreagiert hat.“, sagte Jasper. „Ich bin mir nicht sicher, ob das bei ihr funktionieren wird.“

Er saß so weit entfernt von mir, wie es der Tisch erlaubte, doch er hatte seinen Stuhl in meine Richtung gedreht. Seine Haare waren pitschnass und zerzaust, aber er sah aus, als hätte er gerade in einer Werbung für Haargel mitgespielt. Sein makelloses Gesicht hatte einen offenen, freundlichen Ausdruck, und um seine perfekten Lippen spielte die Andeutung eines Lächelns. Sein Blick jedoch war wachsam.

»Ich heiße Edward Cullen«, sagte er. »Ich bin letzte Woche nicht dazu gekommen, mich vorzustellen. Du musst Bella Swan sein.«

„Na das ist schon besser.“ Esme lächelte. „Nach dem letzten Mal muss sie gedacht haben, dass du von Wölfen gebissen worden warst.“

„Nur, dass ich von Vampiren gebissen wurde.“, lachte Edward.

„Ich werde lieber von Vampiren gebissen, als von Wölfen.“ Emmett rümpfte die Nase.

Ich war völlig verdattert. Hatte ich mir alles nur eingebildet? Mit einem Mal war er ganz höflich. Irgendwas musste ich sagen, er wartete. Doch keine der üblichen Floskeln wollte mir einfallen.

»W-woher weißt du, dass ich Bella heiße?«, stammelte ich.

„Wir kennen ihren Namen bereits. Ähm.. also, auch ohne dieses Buch zu lesen.“, murmelte Emmett.

„Aber.. nennt sie nicht jeder Isabella?“, fragte Jasper.

„Jep.“, sagte Emmett. „Aber wir haben ihren Namen bisher bestimmt so oft gehört, dass wir sie nur Bella nennen.“

Er lachte - leise und hinreißend.

»Oh, ich würde sagen, alle hier wissen, wie du heißt. Die ganze Stadt hat auf deine Ankunft gewartet.«

Alice lachte. „Das wird sie nicht freuen.“

Ich verzog mein Gesicht. So was in der Art hatte ich mir schon gedacht.

»Nein«, beharrte ich - »ich meine, warum hast du mich Bella genannt, nicht Isabella?«

Er schien verwirrt. »Ist dir Isabella lieber?«

»Nein, ich mag Bella«, sagte ich. »Nur dass Charlie, also mein Dad, mich anscheinend hinter meinem Rücken Isabella nennt, jedenfalls scheint mich jeder hier unter diesem Namen zu kennen«, versuchte ich zu erklären und fühlte mich wie ein Volltrottel.

»Ah.« Er ließ das Thema fallen. Ich schaute verlegen weg.

„Das ist befremdend.“, stellte Carlisle fest. „Normalerweise gibst du nicht so schnell auf.“

„Ich weiß, aber Emmett hat wahrscheinlich recht. Ich habe ihren Namen wahrscheinlich wirklich irgendwo sagen hören.“, sagte Edward.

„Ja, aber warum hast du das Thema dann fallen lassen?“, fragte Carlisle.

„Ich weiß es nicht.“, murmelte Edward.

Zum Glück ging der Unterricht los. Ich versuchte mich auf das zu konzentrieren, was Mr. Banner zur anstehenden Übung erklärte. Die Präparate in der Schachtel vor uns stammten von der Wurzel einer Zwiebel und waren unsortiert. Wir sollten sie zu zweit den verschiedenen Phasen der Mitose zuordnen und entsprechend beschriften, ohne in unsere Bücher zu gucken. In zwanzig Minuten würde er herumkommen und nachsehen, wer alles richtig hatte.

„Das seltsamerweise schwierig.“, seufzte Edward. Er würde es dennoch sofort wissen, was Mr. Banner immer ärgerte, denn er gab sich mit der Schwierigkeit große Mühe. Dennoch schafften die Cullens alles mit Leichtigkeit.

»Die Zeit läuft«, gab er den Startschuss.

»Ladies first?«, fragte Edward. Ich hob den Blick und schaute in ein verschmitztes, schiefes Lächeln, das derartig schön war, dass ich ihn nur idiotisch anstarren konnte.

»Ich kann auch anfangen, wenn du willst.« Das Lächeln verschwand; er zweifelte offenbar an meiner Zurechnungsfähigkeit.

»Nein«, sagte ich und wurde rot. »Ich mach schon.«

Das dürfte ein Kinderspiel werden - ich hatte das Experiment an meiner alten Schule schon gemacht und wusste, worauf ich achten musste.

„Ich denke, dass sie sehr clever ist.“, sagte Carlisle.

„Das werden wir herausfinden.“, sagte Edward.

„Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass scharfsinnige Menschen Intelligent sind.“, erklärte Carlisle.

Eine gute Gelegenheit, um ein bisschen anzugeben. Ich schob den ersten Objektträger unter die Linse und stellte rasch das Objektiv scharf. Dann betrachtete ich kurz das Präparat.

Ich war mir sicher. »Prophase.«

»Lässt du mich auch einen Blick drauf werfen?«, fragte er, als ich das Präparat entfernen wollte, und hielt meine Hand in der Bewegung fest. Seine Finger waren so eisig kalt, als hätte er sie vor der Stunde in eine Schneewehe gehalten.

„Das war nicht schlau von mir.“, seufzte Edward.

„Es war ein verschneiter Tag, also wirst du dich damit retten können.“, sagte Jasper.

Doch der Grund, warum ich meine Hand so ruckartig zurückzog, war ein anderer: Bei seiner Berührung durchfuhr mich ein Schmerz, als hätte er mir einen Stromschlag versetzt.

„Das ist interessant.“, sagte Carlisle und hob eine Augenbraue. „Ich habe noch nie von etwas derartigem gehört. Ich frage mich, ob du es ebenfalls gespürt hast.“

„Ich weiß es nicht. Ich frage mich, was das bedeutet.“, murmelte Edward.

»Entschuldigung«, murmelte er und zog seine Hand sofort zurück. Trotzdem griff er nach dem Mikroskop. Immer noch benommen, sah ich ihm dabei zu, wie er das Präparat noch kürzer betrachtete als ich.

»Prophase«, bestätigte er und trug das Ergebnis sauber in unser Protokoll ein. Rasch wechselte er den ersten gegen den zweiten Objektträger und warf einen kurzen Blick darauf.

»Anaphase«, murmelte er und schrieb es sogleich auf.

Ich bemühte mich, unbeeindruckt zu klingen. »Darf ich?«

„Sie versucht immer noch sich gut darzustellen.“ Jasper hob eine Augenbraue. „Das ist seltsam. Menschen geben normalerweise schnell auf, da sie gegen unser Wissen nicht ankommen können. Es wird nicht lange dauern und sie wird genauso lernen müssen wie die anderen Menschen hier.“

„Vergiss das.“, sagte Emmett. „Sie hofft, dass Edward unrecht hat. Eddy hat NIEMALS unrecht.“

„Vielleicht möchte sie das Präparat einfach sehen?“, schlug Esme vor.

Er grinste und schob mir das Mikroskop rüber.

Ich schaute gespannt durch das Okular und wurde enttäuscht: Er hatte Recht.


„Nope, sie wollte nur, dass er unrecht hat.“ Emmett lachte.

»Nummer drei?« Ich hielt ihm meine Hand hin, ohne ihn anzuschauen.

Er reichte es mir und achtete dabei, so kam es mir jedenfalls vor, sorgsam darauf, nicht noch einmal meine Haut zu berühren.

„Ich habe es vielleicht auch gespürt.“, murmelte Edward.

„Oder du hast ihre Reaktion darauf bemerkt.“, sagte Carlisle.

Ich schaute so kurz, wie es ging.

»Interphase.« Dann schob ich ihm das Mikroskop rüber, bevor er danach fragen konnte. Er guckte flüchtig hinein und schrieb das Ergebnis auf. Das hätte ich machen wollen, während er schaute, doch seine klare, elegante Schrift schüchterte mich ein. Ich wollte das Blatt nicht mit meinem stümperhaften Gekrakel versauen.

Wir waren vor allen anderen fertig. Mike und das Mädchen neben ihm verglichen immer wieder zwei Präparate miteinander; eine andere Gruppe sah unter dem Tisch im Buch nach.

Mir blieb also nichts zu tun, als zu versuchen, ihn nicht anzuschauen ... erfolglos. Ich blickte auf und sah, dass er mich musterte, und zwar wieder mit diesem unerklärlichen Ausdruck der Frustration.

„Du starrst sie doch nicht wieder so an, oder?“, fragte Esme streng.

„Da stand Frustration.“, sagte Edward. „Da ist etwas an ihr, das ich nicht verstehe.. Ich verstehe nicht, weshalb ich mich damit beschäftige. Auf Grund ihrer Wirkung auf mich, hätte ich gedacht, dass ich extra viel Abstand nehmen würde.“

Plötzlich fiel mir auf, was anders war an seinem Gesicht.

»Hast du Kontaktlinsen bekommen?«, platzte es aus mir heraus.

„Oh, sie hat gemerkt, dass sich deine Augenfarbe verändert hat.“, flüsterte Esme.

„Warum sieht sie das überhaupt? Menschen sehen normalerweise nicht in unsere Augen.“ Jasper runzelte die Stirn.

„Bella ist kein typischer Mensch.“, sagte Alice. „Er hat ihr tödliche Blicke zugeworfen. An seine Augenfarbe erinnert sie sich also bestimmt.“

„Möglich..“, murmelte Jasper.

Er schien verdutzt über meine unerwartete Frage.

„Und wieder einmal verwirrt sie dich.“, murmelte Carlisle.

„Bestimmt wurde Bella geschickt um Edward zu schocken. Man, wie gerne würde ich das sehen.“ , kicherte Emmett.

»Nein«, sagte er, zuckte mit den Schultern und schaute weg.

„Das ist nicht die richtige Antwort.“, sagte Jasper.

„Sie hat nicht daran gedacht, was ich antworten würde.“, sagte Edward frustriert.

»Oh«, nuschelte ich. »Ich hatte das Gefühl, dass deine Augen irgendwie anders sind.«

Genauer gesagt, ich war mir sicher. Ich erinnerte mich lebhaft an das matte Schwarz seiner Augen, als er mich letzte Woche so angefunkelt hatte - an ihren auffälligen Kontrast zu seiner blassen Haut und den rotbraunen Haaren. Heute hatten sie eine völlig andere Farbe, ein eigenartiges Ocker, dunkler als Karamel, aber mit derselben goldenen Tönung. Ich konnte mir die Veränderung nicht erklären, es sei denn, er sagte aus irgendeinem Grund nicht die Wahrheit, was die Kontaktlinsen anging. Oder Forks brachte mich jetzt buchstäblich um den Verstand.

„Sie gibt zu schnell auf, auch wenn es gut für sie ist, die Lüge zu glauben.“, seufzte Carlisle.

„Ich glaube nicht, dass sie aufgibt. Sie lässt es nur für jetzt auf sich ruhen.“, sagte Edward.

Ich senkte den Blick. Seine Hände waren wieder zu Fäusten geballt.

Dann kam Mr. Banner zu unserem Tisch, um zu sehen, warum wir nicht arbeiteten. Er beugte sich über unsere Schultern, um einen Blick auf das Protokoll zu werfen.

»Edward, meinst du nicht, Isabella hätte auch ein wenig am Mikroskop üben sollen?«, fragte Mr. Banner.

„Er sollte nicht davon ausgehen, dass Isabelle das nicht können würde.“, seufzte Edward.

„Jetzt nimmst du sie aber sehr in Schutz.“, Emmett lachte.

„Aber sie IST clever.“, sagte Edward schnell.

»Bella«, verbesserte Edward automatisch. »Um ehrlich zu sein, drei der fünf hat sie identifiziert.«

Mr. Banner beäugte mich skeptisch.

»Hast du die Übung schon mal gemacht?«, fragte er.

Ich lächelte verlegen. »Nicht mit Zwiebelwurzeln.«

»Mit Fisch-Blastula?«

»Hm-mhh.«

»Warst du in Phoenix in einem College-Vorbereitungskurs?«

»Ja.«

»Na ja«, sagte er nach kurzem Zögern. »Vielleicht ist es ganz gut, dass ihr zusammensitzt.« Im Weggehen nuschelte er noch etwas anderes. Ich machte mich wieder daran, auf meinem Heft herum zukritzeln.

»Schade mit dem Schnee, nicht wahr?«, fragte Edward.

„Wetter.“, sagte Alice ungläubig. „Du redest mit ihr über das Wetter.“

Ich hatte den Eindruck, er fühlte sich verpflichtet, mit mir zu reden. Wieder überkam mich dieses Gefühl der Paranoia: Es war, als hätte er meine Unterhaltung mit Jessica beim Essen mitgehört und würde mir jetzt das Gegenteil beweisen wollen.

„Es ist unheimlich, wie recht sie hat.“, sagte Jasper.

»Ehrlich gesagt, nein«, antwortete ich, anstatt so zu tun, als wäre ich ein normaler Mensch wie alle anderen hier.

Ich war immer noch damit beschäftigt, diesen blöden Argwohn abzuschütteln, und konnte mich kaum konzentrieren.

»Du magst die Kälte nicht.« Er fragte nicht, er stellte fest.

»Genauso wenig wie die Nässe.«

»Dann ist Forks wohl nicht gerade ein angenehmer Ort für dich«, folgerte er.

»Wenn du wüsstest«, murmelte ich finster.

Es war mir zwar ein Rätsel, warum, aber es sah aus, als faszinierte ihn das, was ich sagte.


„Ähm.. das ist seltsam..“, murmelte Emmett.

„Ich muss wohl wissen wollen, weshalb sie dann hergekommen ist.“, sagte Edward.

Sobald ich ihn anschaute, war es mit meiner Konzentration vorbei, also versuchte ich, es gerade oft genug zu tun, um nicht unhöflich zu wirken.

»Warum bist du dann hierhergezogen?« ...

Edward schmunzelte. „Seht ihr?“

„Das ist nicht nett, Edward. Du solltest sie nicht bespitzeln.“, sagte Esme streng.

„Tut mir leid.“ Edward versuchte das Schmunzeln zu unterdrücken.

Das hatte mich noch keiner gefragt, nicht so direkt wie er - so fordernd.

»Komplizierte Geschichte.«

»Ich bin mir sicher, dass ich folgen kann«, bohrte er weiter.

Ich machte eine lange Pause, dann beging ich den Fehler, sei nen Blick zu erwidern. Die tiefgoldenen Augen verwirrten mich, und ich antwortete, ohne nachzudenken.

»Meine Mutter hat wieder geheiratet«, sagte ich.

»Das klingt doch gar nicht so kompliziert«, erwiderte er überraschend sanft. »Wie lange ist das her?«

»Letzten September.« Meine Stimme klang traurig, selbst mir fiel das auf.

»Und du kannst ihn nicht ausstehen«, mutmaßte er einfühlsam.

»Nein, Phil ist schon okay. Zu jung vielleicht, aber eigentlich nett.«

»Warum bist du nicht bei ihnen geblieben?«

Ich konnte mir sein Interesse zwar nicht erklären, aber er schaute mich immer noch so durchdringend an, als wäre meine langweilige Lebensgeschichte aus irgendeinem Grund irre wichtig.

»Phil ist viel unterwegs. Er ist Baseballprofi.« Ich musste ein wenig lächeln.

„Ich frage mich, ob wir ihn kennen.“ Emmett war genauso Baseball-besessen wie Jasper und Edward.

»Kenne ich ihn?«, fragte er und erwiderte mein Lächeln.

»Würde mich wundern. Er ist kein guter Baseballprofi. Nur Minor League. Er spielt, wo er kann.«

»Und deine Mutter hat dich hierhergeschickt, damit sie mit ihm mitreisen kann.« Wieder fragte er nicht, sondern stellte fest.

„Falsch. Ihre Mutter wollte, dass sie bleibt.“, sagte Emmett.

„Aber nur ein großer Teil von ihr.“, stellte Edward klar. „Der andere Teil ist lieber mit ihrem neuen Mann allein.“

Ich reckte mein Kinn ein wenig vor. »Sie hat mich nicht hierhergeschickt. Ich hab mich selbst geschickt.«

„Sie mag es nicht, wenn du einfach Sachen annimmst.“ Emmett kicherte. „Hör auf so ein Besserwisser zu sein.“

Seine Augenbrauen schoben sich zusammen. »Das verstehe ich nicht«, gab er zu - eine Tatsache, die ihn über alle Maßen zu frustrieren schien.

„Und wieder verblüfft.“ Emmett jubelte. „Drei mal an einem Tag.“

Ich seufzte. Wozu erklärte ich ihm das alles?

Er schaute mich unvermindert neugierig an. »Zuerst blieb sie bei mir in Phoenix, aber sie vermisste ihn. Sie war unglücklich . Also dachte ich mir, es wäre eine gute Idee, meine Beziehung zu Charlie ein wenig aufzufrischen.« Mittlerweile klang ich wirklich niedergeschlagen.

»Aber jetzt bist du unglücklich«, stellte er fest.

»Und?«

„Selbstlos.“, murmelte Edward, lächelte als er den Kopf schüttelte. „Anderer Leute Glück ist für sie wichtiger, als ihr eigenes.“

»Ist das gerecht?«, fragte er leichthin, doch die Intensität seines Blickes war ungebrochen.

Ich lachte kurz auf. »Seit wann ist das Leben denn gerecht?«

Edward lächelte leicht. „Wie recht sie doch hat.“

»Jetzt, wo du's sagst - stimmt, seit wann?«, antwortete er trocken.

„Hör auf dich zu wiederholen.“, seufzte Emmett.

»Das ist die ganze Geschichte«, beharrte ich und kapierte nicht, warum er mich immer noch so anstarrte.

»Du verstellst dich ausgezeichnet«, sagte er langsam. »Aber ich wette, dass es dir viel mehr ausmacht, als du irgendjemandem zeigst.«


„Edward, hör auf damit. Sie mag es nicht, dass du sie damit aufziehst, dass sie leidet.“ Esme funkelte ihren Sohn streng an.

„Tut mir Leid. Ich glaube nicht, dass ich das in dem Buch bereits weiß.“, seufzte Edward.

Ich verzog mein Gesicht, widerstand dem Impuls, ihm wie eine Fünfjährige die Zunge rauszustrecken, und schaute weg.

»Hab ich Unrecht?«

Ich versuchte ihn zu ignorieren.

»Dachte ich's mir doch«, murmelte er selbstgefällig.

»Was interessiert dich das denn?«, fragte ich verärgert.

„Edward kann ziemlich seltsam sein.“, lachte Emmett.

„Ihre Frage ist mehrdeutig, also was kümmert dich das?“, fragte Jasper.

Edward seufzte. „Ich weiß es nicht. In Small Talk war ich noch nie gut.“

Ich schaute ihn nicht an, sondern beobachtete Mr. Banner bei seiner Runde durch die Klasse.

»Das ist eine sehr gute Frage«, sagte er so leise, dass ich mich fragte, ob er mit sich selbst geredet hatte. Doch nach ein paar Sekunden des Schweigens wurde mir klar, dass ich keine andere Antwort bekommen würde.

Ich seufzte und starrte erbost zur Tafel.

»Nerve ich dich?«, fragte er. Es klang amüsiert.

Wieder schaute ich ihn an, ohne nachzudenken ... und wieder antwortete ich ganz wahrheitsgemäß. »Nicht du, ich selbst nerve mich. Ich bin so leicht zu durchschauen - man kann mir alles vom Gesicht ablesen. Meine Mutter nennt mich immer ihr offenes Buch.« Ich runzelte die Stirn.

»Im Gegenteil, ich finde es außerordentlich schwer, dich zu durchschauen.« Trotz allem, was ich gesagt und er vermutet hatte, schien er es ernst zu meinen.

„Was bedeutet das?“, fragte Carlisle zerstreut.

„Ich weiß es nicht.“, antwortete Edward alarmiert.

»Dann bist du wohl besonders gut darin«, erwiderte ich.

»Normalerweise schon.« Er grinste breit und offenbarte eine Reihe perfekter, blendend weißer Zähne.

„Du verwirrst mich, Edward.“, sagte Carlisle. „Mit dem was du sagst, und mit dem, was du tust.“

„Mir geht es genauso, Carlisle.“, murmelte Edward. „Aber ich würde sagen, dass ich lächle, damit ihre Instinkte sie endlich vor mir warnen.“

„Ja, aber das andere.. Es scheint so, als würde deine Gabe nicht funktionieren..“

In dem Augenblick rief Mr. Banner die Klasse zur Ruhe, und ich drehte mich erleichtert in seine Richtung, um zuzuhören. Ich konnte nicht glauben, dass ich diesem seltsamen, schönen Jungen, von dem ich nicht wusste, ob er mich verachtete oder nicht, gerade meine ganze öde Lebensgeschichte erzählt hatte. Unser Gespräch hatte ihn anscheinend gefesselt, doch jetzt sah ich aus den Augenwinkeln, dass er sich erneut von mir weglehnte und mit unverkennbarer Anspannung die Tischkante umklammerte.

Mr. Banner demonstrierte mit Hilfe von Folien auf dem Overheadprojektor, was ich ohne Schwierigkeiten unter dem Mikroskop gesehen hatte. Ich versuchte Konzentration vorzutäuschen, doch meine Gedanken ließen sich nicht im Zaum halten.

Als es endlich klingelte, schoss Edward ebenso blitzartig und anmutig aus dem Raum wie am vergangenen Montag. Und wieder starrte ich ihm voller Verwunderung hinterher.

„Du machst alles wieder kaputt, es lief doch gerade so gut.“ Rosalie fuhr sich gelangweilt durch ihr Haar.

Da kam auch schon Mike angesprungen und griff nach meinen Büchern. Ich stellte ihn mir mit wedelndem Schwanz vor.

Emmett brach in Lachen aus.

»War das schrecklich«, stöhnte er. »Die sahen alle genau gleich aus. Ein Glück für dich, dass du mit Cullen zusammensitzt.«

»Ich hatte keine Probleme«, sagte ich, pikiert von seiner selbstverständlichen Annahme, es sei mir ebenso schwergefallen wie ihm.

„Sie hasst falsche Annahmen ernsthaft.“, kicherte Emmett.

Doch sofort bereute ich es, ihn so abgefertigt zu haben. »Ich hab die Übung aber schon mal gemacht«, fügte ich hinzu, um ihn nicht zu verletzen.

„Und will andere sofort besänftigen.“, ergänzte Esme.

»Cullen schien ja heute ganz freundlich zu sein«, kommentierte er, während wir unsere Regenjacken anzogen. Er war offensichtlich nicht sehr erfreut darüber.

Ich gab mich gleichgültig. »Wer weiß, was er letzte Woche hatte.«

Auf dem Weg zur Turnhalle konnte ich mich kaum auf Mikes Geschwätz konzentrieren, und beim Sport gab es auch nicht viel, was meine Aufmerksamkeit fesselte. Mike war heute in meiner Mannschaft und deckte ritterlich meine Position zusätzlich zu seiner ab, weshalb meine Träumereien nur dann kurz unterbrochen wurden, wenn ich mit der Angabe an der Reihe war und alle in meiner Mannschaft vorsorglich in Deckung gingen.

Als ich zum Parkplatz lief, war von dem Regen nur noch feuchter Nebel übrig geblieben, doch mir war trotzdem wohler, als ich im trockenen Fahrerhaus saß. Ich stellte die Heizung an selbst das ohrenbetäubende Dröhnen des Motors war mir jetzt egal. Ich öffnete den Reißverschluss meiner Jacke, zog mir die Kapuze vom Kopf und schüttelte meine Haare, damit die warme Luft sie auf dem Weg nach Hause trocknen konnte.

Als ich mich umschaute, um zu sehen, ob hinter mir frei war, fiel mein Blick auf eine unbewegte Figur: Edward Cullen lehnte an der Vordertür des Volvos, drei Autos von mir entfernt, und starrte mich an.

„Du wartest immer IM Auto auf uns.“, sagte Jasper und schaute seinen Bruder verwirrt an.

„Und er würde Bella niemals so ansehen.“ Auch Emmett schien verwirrt.

Ich schaute blitzschnell weg, legte hastig den Rückwärtsgang ein und hätte beinahe einen halbverrosteten Toyota Corolla gerammt. Zum Glück für ihn konnte ich gerade noch rechtzeitig bremsen - das war genau die Sorte Auto, aus der mein Transporter ein zerknülltes Stück Metall gemacht hätte. Ich atmete tief durch, schaute zur anderen Seite hinaus und fuhr behutsam aus meiner Parklücke, dieses Mal mit mehr Erfolg. Als ich am Volvo vorbeikam, blickte ich stur geradeaus, doch ich hätte schwören können, dass ich ihn aus den Augenwinkeln lachen sah.

„Das habe ich wahrscheinlich auch.“, gab Edward zu.

„Ich würde es jedenfalls tun.“, gluckste Emmett.

„Das war das Ende des Kapitels.“, sagte Edward.

„Ich bin dran.“, sagte Emmett und nahm sich das Buch.

1 comment:

  1. Hallo
    wieder ein tolles Kapitel lese bald weiter.
    Lg. Alice

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