„Ein gefragtes Mädchen“, las Esme
In meinem Traum war es sehr dunkel,
„Juhu, wir werden ihrem Traum hören!“, jubelte Emmett.
und das wenige, trübe Licht schien von Edwards Haut abzustrahlen. Sein Gesicht konnte ich nicht sehen, nur seinen Rücken; er ging weg von mir und ließ mich in der Dunkelheit zurück. So schnell ich auch rannte, ich konnte ihn nicht erreichen; so laut ich auch rief, er drehte sich nicht um.
„Och.. sie will nicht, dass du sie ignorierst.“, lachte Alice.
„Ich werde es aber tun müssen. Oder ich gehe wieder.“, sagte Edward.
Mitten in der Nacht wachte ich auf, erfüllt von Verzweiflung, und konnte lange - es fühlte sich an wie Stunden - nicht mehr einschlafen. Von da an tauchte er fast jede Nacht in meinen Träumen auf, aber immer in der Distanz, nie in greifbarer Nähe.
Der Monat nach dem Unfall war geprägt von Unbehagen und Anspannung, doch zunächst vor allem von Peinlichkeit.
Zu meiner Bestürzung fand ich mich für den Rest der Woche im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit wieder. Tyler Crowley war unmöglich: Er folgte mir auf Schritt und Tritt und wollte unbedingt irgendwie Buße tun. Ich versuchte ihn davon zu überzeugen, dass ich mir wünschte, er würde die Sache einfach vergessen, vor allem, da mir überhaupt nichts passiert war. Doch er blieb hartnäckig:
„Ein weiterer Konkurrent.“, kicherte Emmett.
In den Pausen wich er nicht von meiner Seite und mittags saß er jetzt auch an unserem mittlerweile überfüllten Tisch. Mike und Eric verhielten sich ihm gegenüber noch feindseliger als untereinander, was mich befürchten ließ, einen unerwünschten Bewunderer mehr zu haben.
Niemand schien sich für Edward zu interessieren, obwohl ich nicht müde wurde zu erklären, dass er der Held war - dass er mich vor dem Van weggezogen hatte und dabei selber fast zerquetscht worden wäre. Ich bemühte mich, überzeugend zu klingen. Aber Jessica, Mike, Eric und alle anderen sagten nur immer wieder, dass sie ihn nicht einmal gesehen hatten, bevor der Van beiseitegeschoben wurde.
„Sie schützt mich, obwohl ich nichts für sie getan habe.“, sagte Edward überrascht.
„Du hast ihr Leben gerettet.“, sagte Esme.
„Ich habe sie mehr damit gefährdet, in ihrer Nähe zu sein.“, seufzte Edward.
Ich fragte mich, warum niemand sonst aufgefallen war, wie weit weg er von mir gestanden hatte, bevor er plötzlich und auf unerklärliche Weise mein Leben rettete.
„Weil Menschen uns dabei normalerweise nicht bemerken.“, sagte Jasper. „Oder es ihrem Verstand zuschreiben.“
Zu meinem Verdruss wurde mir klar, dass es nur daran liegen konnte, dass ihm niemand außer mir so viel Aufmerksamkeit schenkte. Keiner beachtete ihn auf dieselbe Weise wie ich. Wie armselig.
Edward war nie von neugierigen Leuten umringt, die aus erster Hand erfahren wollten, was geschehen war. Man ging ihm wie üblich aus dem Weg. Die Cullens und die Haies saßen am selben Tisch wie immer, aßen nichts und sprachen mit niemandem. Keiner von ihnen schaute mehr in meine Richtung, vor allem nicht Edward.
Wenn wir im Unterricht nebeneinandersaßen, rückte er so weit wie möglich von mir weg und schien meine Anwesenheit gar nicht zu bemerken.
„Keine Chance.“, sagte Edward.
„Ich wette du benutzt dein Talent um über andere jede Bewegung die sie macht zu erfahren.“ Alice kicherte.
„Keine Chance.“, wiederholte Edward, obwohl Alice ihm ansah, dass er nicht so sehr davon überzeugt war, wie er tat.
Nur hin und wieder, wenn seine Hände sich plötzlich zu Fäusten ballten und seine über den Knöcheln gespannte Haut sich noch weißer färbte, als sie ohnehin schon war, fragte ich mich, ob er wirklich so abwesend war, wie es den Anschein hatte.
Er bereute es, mich aus dem Weg gezogen zu haben, als Tylers Van auf mich zukam - eine andere Erklärung fiel mir nicht ein.
„Nein, mein Edward würde sowas nie denken.“, sagte Esme bestimmt.
„Er hätte sie niemals schützen dürfen.“, sagte Rosalie und funkelte Edward an.
„Selbst wenn er denken würde, dass es besser gewesen wäre sie nicht zu retten, hätte er es dennoch getan.“, sagte Esme.
„Selbst, wenn er nicht in sie verliebt wäre.“, sagte Alice.
„Halt die Klappe.“, knurrte Edward und Esme las lächelnd weiter.
Ich hätte sehr gern mit ihm geredet, und am Tag nach dem Unfall versuchte ich es auch. Als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, im Gang vor der Notaufnahme, waren wir beide so wütend gewesen. Außerdem war ich immer noch sauer, dass er mir nicht die Wahrheit sagte, obwohl ich meinen Teil der Vereinbarung zu hundert Prozent einhielt. Doch andererseits hatte er mein Leben gerettet, egal wie. Und über Nacht hatte sich mein Zorn in ehrfürchtige Dankbarkeit verwandelt.
Er saß bereits an seinem Platz, als ich den Bioraum betrat, den Blick starr nach vorne gerichtet. Ich setzte mich und wartete darauf, dass er sich mir zuwendete, doch er ließ nicht erkennen, ob er meine Ankunft überhaupt bemerkt hatte.
»Hallo, Edward«, sagte ich freundlich und betont unbeschwert, um ihm zu zeigen, dass ich mich benehmen würde.
Er drehte seinen Kopf kaum wahrnehmbar in meine Richtung, ohne dabei meinen Blick zu erwidern; dann nickte er einmal und wandte sich wieder ab.
„Ich verstehe dich ja.“, sagte Esme. „Aber ich wünschte, du würdest nicht so kalt zu ihr sein.“
Seitdem hatte ich es nicht noch einmal versucht, obwohl er jeden Tag neben mir saß, weniger als einen halben Meter entfernt. Manchmal, wenn ich mich nicht beherrschen konnte, beobachtete ich ihn, doch immer nur von fern, in der Cafeteria oder auf dem Parkplatz. Ich sah, wie seine goldenen Augen von Tag zu Tag merklich dunkler wurden.
„Argh, sie merkt zu viel.“, seufzte Jasper.
„Lass sie doch, Jazz.“, sagte Emmett.
„Es liegt nicht in meiner Natur, Em. Nicht, wenn es Jemanden von uns, jemanden der mir wichtig ist, gefährdet.“, sagte Jasper.
Doch während des Unterrichts beachtete ich ihn ebenso wenig wie er mich. Ich fühlte mich elend. Und die Träume hielten an.
Meinen schamlosen Lügen zum Trotz merkte Renee meinen E-Mails an, dass ich niedergeschlagen war,
„Natürlich. Mütter wissen so etwas immer.“, sagte Esme stolz und sah jedes ihrer Kinder an, bevor sie weiterlas.
und rief einige Male besorgt an. Ich versuchte sie davon zu überzeugen, dass es lediglich am Wetter lag.
Wenigstens einen gab es, der froh über die offensichtlich eisige Stimmung zwischen mir und meinem Banknachbarn war: Mike. Er hatte wohl zunächst befürchtet, dass Edwards mutige Rettungsaktion mich schwer beeindrucken würde, und war nun augenscheinlich erleichtert, dass sie den umgekehrten Effekt zu haben schien. Jeden Tag saß er wie selbstverständlich vor Beginn der Biostunde auf meiner Tischkante, um sich mit mir zu unterhalten, und ignorierte dabei Edward ebenso konsequent wie dieser uns.
„Ich denke du wirst ihn mögen..“ Alice stockte. „Ich denke du wirst Mike tolerieren.“
„Was interessiert es mich, wenn er das Mädchen mag?“, sagte Edward.
„Das werden wir sehen..“ Alice lächelte wissend.
Nach jenem gefährlich glatten Tag war der Schnee endgültigeschmolzen. Mike war enttäuscht, dass aus seiner großen Schneeballschlacht nichts geworden war, zugleich aber freute er sich, dass dafür der Strandausflug bald stattfinden konnte. Zunächst jedoch regnete es unvermindert stark weiter, und die Wochen vergingen.
Am ersten Dienstag im März rief mich Jessica an, um mir vom Frühjahrsball zu erzählen, der zwei Wochen später stattfinden sollte. Sie wollte Mike auffordern, mit ihr zu gehen - es war Damenwahl -, und fragte mich um Erlaubnis.
„Ein Ball.“, lachte Emmett und alle ausser Edward sahen ihn verwirrt an. Edward kicherte. „Stellt euch nur Bella beim tanzen vor.“, ergänzte Emmett.
»Und es macht dir nichts aus? ... Ganz sicher? ... Du wolltest ihn wirklich nicht fragen?«, hakte sie immer wieder nach, als ich ihr sagte, dass ich nicht das Geringste dagegen hatte.
»Nein, Jess, ich gehe überhaupt nicht hin«, versicherte ich ihr. Tanzen gehörte ganz klar nicht zu meinem Repertoire.
„Ich weiß.. zu schade, dass sie nicht hingeht.“ Emmett seufzte und lachte gleichzeitig.
»Aber das wird bestimmt super.« Jessicas Versuch, mich umzustimmen, war halbherzig. Ich hatte den Eindruck, dass ihr meine unerklärliche Beliebtheit weniger ausmachte, wenn ich nicht in der Nähe war.
„Das mag stimmen.“, sagte Edward kopfschüttelnd.
»Du und Mike, ihr habt bestimmt einen tollen Abend«, redete ich ihr zu.
Zu meiner Überraschung war sie am nächsten Tag in Mathe und Spanisch ungewohnt still.
„Mike hat ihr eine Absage erteilt, weil er hofft, dass Bella ihn fragt.“ Emmett schüttelte den Kopf. „Er wird wohl lange darauf warten müssen.. selbst wenn sie Tanzen mögen würde. Sie ist süchtig nach Edward.“
In den Pausen lief sie schweigend neben mir her, und ich hatte Angst, sie nach dem Grund zu fragen. Falls Mike ihr einen Korb gegeben hatte, dann war ich sicher die Letzte, mit der sie darüber reden wollte.
Meine Befürchtung verstärkte sich in der Mittagspause, als sie in größtmöglicher Entfernung von Mike saß und sich angeregt mit Eric unterhielt, während Mike seinerseits ungewohnt schweigsam war. Er schwieg auch, als wir gemeinsam zu Bio gingen; sein gequälter Gesichtsausdruck war ein weiteres schlechtes Zeichen. Erst als ich auf meinem Platz saß und er vor mir auf dem Tisch, kam er auf das Thema zu sprechen. Wie stets spürte ich mit jeder Nervenfaser Edwards Präsenz - er war nah genug, dass ich ihn hätte berühren können, und zugleich so weit entfernt, als existierte er allein in meiner Vorstellung.
»Was ich dir sagen wollte«, begann Mike mit gesenktem Blick - »Jessica hat mich gefragt, ob ich mit ihr zum Frühjahrsball gehe.«
»Echt? Toll!«, antwortete ich so heiter und enthusiastisch, wie ich konnte. »Ihr habt bestimmt einen super Abend zusammen.«
"Abgelehnt," Emmett lachte.
"Emmett, es ist nicht gerade leicht jemanden auszufragen,"kritisierte Esme. "Du solltest ihn nicht auslachen."
»Na ja, die Sache ist ...« Er wand sich, als er mein erfreutes Lächeln sah - es war offensichtlich, dass er auf eine andere Reaktion gehofft hatte.
»Ich hab ihr gesagt, ich weiß noch nicht.«
»Warum das denn?«, fragte ich mit unüberhörbarer Missbilligung, obwohl ich natürlich erleichtert war, dass er ihr noch nicht ganz abgesagt hatte.
"Dummkopf, wickelt das nächst beste Mädel ein im Falle seine erste Wahl will ihn nicht," sagte Edward und schüttelte seinen Kopf.
"Deine Toleranz schwindet," Alice grinste und Edward runzelte seine Stirn.
Er wurde knallrot und sah wieder zu Boden. Meine Entschlossenheit wurde von Mitleid aufgeweicht.
»Ich war mir nicht sicher ... also, ob du nicht vielleicht vorhattest, mich zu fragen.«
Einen Moment lang hielt ich inne - ich hasste es, mich schuldig zu fühlen! Dann sah ich aus den Augenwinkeln, wie sich Edwards Kopf reflexartig in meine Richtung neigte.
"Oow, das hat also dein Interesse gefesselt," stichelte Emmett und Alice kicherte.
»Mike, ich finde, du solltest ihr zusagen.«
»Hast du schon jemand anderen gefragt?« Ob Edward bemerkte, dass Mike ihm einen schnellen Blick zuwarf?
»Nein«, versicherte ich ihm. »Ich gehe überhaupt nicht zum Ball.«
»Warum denn nicht?«, wollte Mike wissen.
Ich hatte keine Lust, auf die Sicherheitsrisiken einzugehen, die Tanzen für mich mit sich brachte, also dachte ich mir schnell etwas anderes aus.
»Das ist der Samstag, an dem ich nach Seattle fahre«, erklärte ich.
"Das wird als Lüge anerkannt," sagte Alice.
"Ich denke nicht, dass es gelogen ist," sagte Edward lächelnd. "Ich denke, dass sie gerade dabei ist zu planen dort die Woche hinzugehen."
Ich musste hier sowieso mal raus - und plötzlich hatte ich den perfekten Zeitpunkt dafür gefunden.
»Kannst du das nicht auf ein anderes Wochenende verschieben?«
»Nein, tut mir leid«, sagte ich. »Und du solltest Jess auch nicht länger warten lassen - das ist unhöflich.«
»Ja, du hast Recht«, murmelte er, wandte sich ab und ging niedergeschlagen zu seinem Platz. Ich schloss die Augen, presste meine Finger gegen die Schläfen und versuchte die Schuldgefühle und das Mitleid zu vertreiben. Mr. Banner begann den Unterricht. Seufzend öffnete ich die Augen.
Und sah, dass Edward mich anschaute. Seine schwarzen Augen waren voller Neugier, und dieser nervöse Ausdruck von Frustration war ausgeprägter als je zuvor.
"Ich denke, dass du eifersüchtig bist," Emmett lachte.
"Und frustriert, dass du sie nicht hören kannst," fügte Jasper in einem provozierenden Ton hinzu.
"Auf Teufel komm raus die Gründe herausfinden, warum sie sich dich zurückgewiesen hat," fügte Alice hinzu.
"Haltet den Mund," knurrte Edward seinen Geschwistern entgegen.
Ich erwiderte seinen Blick und erwartete, dass er sofort wegschauen würde. Doch stattdessen sah er mir weiter forschend in die Augen, mit einer Intensität, die es mir unmöglich machte, den Blick abzuwenden.
Meine Hände begannen zu zittern.
»Mr. Cullen?«, rief ihn Mr. Banner auf; ich hatte nicht einmal die Frage mitbekommen.
»Der Krebs-Zyklus«, antwortete Edward. Widerwillig wandte er seinen Blick Mr. Banner zu.
Als seine Augen mich freigaben, schaute ich in mein Buch und versuchte mich wieder zu fangen.
Feige, wie ich war, ließ ich meine Haare über meine rechte Schulter fallen, um mein Gesicht zu verbergen. Es war nicht zu fassen, wie die Gefühle in mir tobten, und alles bloß, weil er mich nach Wochen zum ersten Mal wieder anschaute. Ich durfte nicht zulassen, dass er eine solche Macht über mich hatte. Es war erbärmlich. Schlimmer als erbärmlich - es war ungesund.
Ich tat mein Bestes, ihn für den Rest der Stunde zu vergessen oder - da das unmöglich war - zumindest so zu tun, als hätte ich ihn vergessen.
"Das ist wahrscheinlich noch unmöglich dazu," sagte Emmett.
Als es endlich klingelte, drehte ich ihm den Rücken zu, um meine Sachen einzupacken. Ich rechnete damit, dass er wie üblich sofort verschwinden würde.
»Bella?« Der Klang seiner Stimme war mir so vertraut, als würde ich ihn schon mein ganzes Leben lang kennen und nicht erst seit einigen Wochen.
"Sie hat es echt schlimm getroffen mit dir," lachte Emmett.
Langsam und widerstrebend drehte ich mich um. Ich wollte nicht fühlen, was ich zweifellos fühlen würde, wenn ich in sein allzu perfektes Gesicht schaute. Meine Miene war wachsam, seine undurchdringlich. Er sagte nichts.
Als ich schließlich das Schweigen brach, konnte ich nicht verhindern, dass es bockig klang: »Was ist? Sprichst du wieder mit mir?«
"Gut, lass ihn nicht wissen, wie sehr du dich seinetwegen sorgst," sagte Alice.
Er unterdrückte das Lächeln, das um seine Lippen zuckte. »Nein, eigentlich nicht«, gab er zu.
Ich schloss meine Augen und atmete langsam durch die Nase ein. Ich merkte, dass ich meine Zähne zusammenbiss. Er wartete.
»Was willst du dann, Edward?«, fragte ich mit geschlossenen Augen - das machte es einfacher, mich in seiner Gegenwart klar auszudrücken.
»Es tut mir leid.« Er klang aufrichtig. »Ich weiß, dass ich mich sehr unhöflich verhalte. Aber es ist besser so, wirklich.«
Ich öffnete meine Augen. Sein Gesicht war sehr ernst.
»Ich hab nicht die geringste Ahnung, wovon du sprichst«, sagte ich reserviert.
»Es ist besser, wenn wir nicht befreundet sind«, erklärte er. »Glaub mir.«
Meine Augen verengten sich. Das hatte ich schon mal gehört.
„Schlechte Wortwahl.“, sagte Alice. „So gewinnst du ihr Vertrauen nie.“
„Ich will ihr Vertrauen nicht gewinnen.“, knurrte Edward und starrte das Buch an, als ob er es dazu bringen wollte, es tun zu lassen, was er wollte.
»Nur blöd, dass dir das nicht früher aufgefallen ist«, zischte ich durch meine Zähne. »Dann müsstest du jetzt nicht alles so schrecklich bereuen.«
»Bereuen?« Das Wort und mein Tonfall trafen ihn offenbar aus heiterem Himmel. »Was denn bereuen?«
»Dass du nicht einfach zugesehen hast, wie der blöde Van mich zermatscht.«
Er war verdattert. Ungläubig starrte er mich an.
Als er schließlich antwortete, klang es beinahe wütend. »Du glaubst, ich bereue es, dir das Leben gerettet zu haben?«
»Ich weiß es«, fauchte ich.
»Gar nichts weißt du.« Er war definitiv wütend.
„Wie kann sie sowas überhaupt denken?“ Edward knurrte.
„Naja, du hast ihr Leben gerettet und sie dann einen Monat komplett ignoriert. Du hast sie nicht einmal angesehen.“, sagte Alice. „Ihr Schluss ist nur logisch.“
Abrupt drehte ich mich weg und presste die Lippen zusammen, um zu verhindern, dass ich ihm wilde Anschuldigungen an den Kopf warf. Ich griff mir meine Bücher, stand auf und ging zur Tür.
Doch anstatt wie beabsichtigt dramatisch aus dem Raum zu rauschen, blieb ich mit meiner Stiefelspitze an der Türschwelle hängen und ließ die Bücher fallen.
Typisch. Einen Moment lang stand ich nur da und spielte mit dem Gedanken, sie einfach liegen zu lassen. Dann seufzte ich und bückte mich, um sie aufzuheben, doch Edward war schon zur Stelle und hatte sie bereits aufeinander gestapelt.
Er reichte sie mir mit unbewegter Miene.
„Komm schon Eddy. Du hättest lachen sollen. Das war echt komisch.“, kicherte Emmett.
„Edward weiß es besser, als deshalb über ein Mädchen zu lachen.“, sagte Esme und sah Emmett streng an.
„Ich denke, ich bin immer noch sauer über das, was sie gesagt hat.“, sagte Edward seufzend.
»Danke«, sagte ich frostig.
Seine Augen verengten sich.
»Keine Ursache«, gab er zurück.
Ich richtete mich abrupt auf, wandte mich von ihm ab und stakste zur Turnhalle, ohne mich umzuschauen.
Sport war brutal. Wir waren mittlerweile zu Basketball übergegangen. Die Leute in meiner Mannschaft warfen mir nie den Ball zu, was schon mal gut war, aber ich fiel ständig hin, und manchmal riss ich dabei andere mit um.
Emmett, der beim Gedanken an Bella's Sportunterricht schon lachen musste, grölte los.
Und an dem Tag war es noch schlimmer, weil mir Edward nicht aus dem Kopf ging. Ich versuchte mich auf meine Füße zu konzentrieren, doch er schlich sich immer gerade dann in meine Gedanken, wenn ich am meisten auf meine Balance angewiesen war.
Das Ende der letzten Stunde war wie immer eine Erleichterung. Ich rannte fast zum Transporter, so viele Leute gab es, denen ich nicht begegnen wollte. Er hatte so gut wie nichts abbekommen beim Unfall.
Seine Rücklichter waren ausgewechselt worden, und wenn er vorher ordentlich lackiert gewesen wäre, hätte ich den Lackschaden ausbessern lassen. Tylers Eltern dagegen mussten ihren Van als Ersatzteilspender verkaufen.
Mich traf fast der Schlag, als ich um die Ecke bog und eine große, dunkle Gestalt am Transporter lehnen sah. Dann erkannte ich, dass es nur Eric war. Ich ging weiter.
„Yeah, ich seh es schon kommen. Bella und Eric.“ Emmett lachte. „Hey, sieht so aus, als würde jemand sie nun ausfragen.“
»Hi, Eric«, rief ich.
»Hi, Bella.«
»Was gibt's?«, fragte ich ihn und schloss die Tür auf. Ich hatte nicht auf seinen beklommenen Tonfall geachtet und war deshalb unvorbereitet auf das, was als Nächstes kam.
»Äh, ich wollt dich fragen ... ob du vielleicht Lust hättest, zum Frühjahrsball zu gehen ... mit mir.« Beim letzten Wort versagte seine Stimme.
»Ich dachte, es ist Damenwahl«, sagte ich,
Emmett lachte laut.
zu entgeistert, um diplomatisch zu sein.
»Ja, stimmt«, gab er betreten zu.
Ich riss mich zusammen und gab mir die größte Mühe, mein Lächeln aufrichtig wirken zu lassen. »Danke für deine Einladung, aber ich bin an dem Tag in Seattle.«
»Oh«, sagte er. »Na ja, vielleicht ein andermal.«
„Ich wette, er wusste das bereits.“, sagte Edward. „Er wird es schon von Mike gehört haben.“
»Klar«, erwiderte ich und biss mir sofort auf die Zunge. Ich konnte nur hoffen, dass er das nicht allzu wörtlich nahm.
Er zog ab, zurück in Richtung Schule. Ich hörte ein leises Glucksen.
Edward ging an meinem Transporter vorbei, den Blick nach vorne gerichtet, die Lippen zusammengepresst.
„Edward..“, begann Esme tadelnd, doch sie unterbrach sich als sie merkte, dass Edward dieses Mädchen eigentlich zu mögen schien.
Ich riss die Tür auf, stieg ein und schlug sie krachend zu. Dann ließ ich den Motor aufheulen und parkte rückwärts aus. Edward saß zwei Parklücken weiter bereits in seinem Auto und glitt elegant vor mir in die Spur. Dort blieb er stehen - und wartete auf seine Geschwister;
„Was tust du da?“, fragte Jasper verwirrt.
„Ich kann mir vorstellen, dass es da noch Jemanden gibt, der sie fragen möchte.“ Edward hielt sich den Kopf. „Das ist der einzige Grund, der mir einfällt.“
ich sah die vier in unsere Richtung laufen, doch sie waren erst bei der Cafeteria. Ich spielte mit dem Gedanken, ihm den Kofferraum einzudrücken,
„Tu es!“, feuerte Emmett an.
„Nein.“, sagte Edward, wollte sein Auto schützen.
aber es gab zu viele Zeugen. Ich schaute in den Rückspiegel und sah, dass sich eine Schlange bildete. Direkt hinter mir saß Tyler Crowley in seinem kürzlich angeschafften gebrauchten Nissan Sentra und winkte. Ich war zu aufgebracht, um auf ihn zu reagieren.
Als ich dort saß und wartete und meine Augen auf alles, nur nicht auf den Wagen vor mir richtete, klopfte es auf der Beifahrerseite am Fenster. Ich schaute hinüber; es war Tyler. Verwirrt warf ich einen Blick in den Rückspiegel - sein Motor war an, die Autotür stand offen. Ich lehnte mich hinüber, um das Fenster runterzukurbeln. Es klemmte. Ich schaffte es zur Hälfte, dann gab ich auf.
»Tut mir leid, Tyler, aber ich steck hinter Cullen fest.« Ich war genervt - es war ja wohl klar, dass ich nichts für den Stau konnte.
»Ja, ich weiß - ich wollte dich nur etwas fragen, solange wir hier festsitzen.« Er grinste.
Das war ja wohl alles nicht wahr.
„Ich hab kapiert, warum du dir das ansehen wolltest.“, kicherte Emmett. „Das ist wahre Unterhaltung.“
„Irgendetwas sagt mir, dass Edward sich das wegen etwas anderem ansieht.“, sagte Alice.
„Ich weiß.“, stimmte Emmett zu. „Das bedeutet aber nicht, dass er es nicht unterhaltsam findet.“
»Hast du vor, mich zum Frühjahrsball zu bitten?«, fragte er weiter.
»Ich bin nicht hier, Tyler.« Ich klang ein wenig zu gereizt. Es war schließlich nicht seine Schuld, dass Mike und Eric meine Geduld für den Tag schon aufgebraucht hatten.
»Ja, das hat Mike auch gesagt«, gab er zu.
Emmett lachte los.
„Ich denke nicht, dass sie das lustig findet.“, sagte Alice.
»Aber warum ...?«
Er zuckte mit den Schultern. »Ich hatte gehofft, du wolltest es ihm nur schonend beibringen.«
Okay - es war komplett seine Schuld.
»Tut mir leid, Tyler«, sagte ich und versuchte meinen Ärger zu verbergen. »Aber ich bin wirklich nicht hier an dem Tag.«
»Ist schon okay. Wir haben ja noch den Jahresabschlussball.«
Und bevor ich etwas erwidern konnte, lief er zu seinem Wagen zurück. Ich war vollkommen fassungslos. Als ich nach vorne schaute, glitten Alice, Rosalie, Emmett und Jasper gerade auf ihre Sitze. Im Rückspiegel des Volvos sah ich Edwards Augen er beobachtete mich. Und offensichtlich kriegte er sich kaum ein vor Lachen, so als hätte er jedes Wort von Tyler verstanden.
Emmett lachte lauter.
Es juckte mich im rechten Fuß - ein kleiner Schubser würde niemandem wehtun, nur der silberne Glanzlack würde etwas abbekommen. Ich ließ den Motor aufheulen.
„Tu es.“, sagte Emmett wieder.
Doch sie saßen jetzt alle, und Edward brauste davon. Ich fuhr langsam und vorsichtig nach Hause und schimpfte den ganzen Weg vor mich hin.
Zu Hause beschloss ich, für abends Geflügel-Enchiladas zu machen - das dauerte eine Weile und würde mich beschäftigen. Als ich gerade die Zwiebeln und Chilis anschmorte, klingelte das Telefon. Ich hatte ein bisschen Angst ranzugehen, aber es hätte ja Charlie oder Mom sein können.
Es war Jessica, und sie sprudelte über vor Glück; Mike hatte sie nach der Schule abgefangen, um ihr zu sagen, dass er die Einladung annahm. Ich freute mich kurz mit ihr, während ich weiter in der Pfanne rührte, dann musste sie Schluss machen, um Angela und Lauren die frohe Kunde zu übermitteln.
Ich schlug ganz unschuldig vor, dass die schüchterne Angela aus Bio vielleicht Eric fragen könnte. Und Lauren, die mir gegenüber reserviert war und mich am Mittagstisch immer ignorierte, Tyler; ich hätte gehört, er wäre noch nicht vergeben.
„Genau, stich diese ganzen Typen so schnell du kannst aus.“, sagte Emmett und Rosalie schüttelte den Kopf. Ihr war klar, dass sie sich niemals mit diesem Mädchen verstehen würde.
Jess fand die Idee prima. Und jetzt, da Mike ihr sicher war, klang sie sogar aufrichtig, als sie sagte, dass es schön wäre, wenn ich auch käme. Ich erzählte auch ihr, ich würde nach Seattle fahren.
Nach dem Telefonat konzentrierte ich mich aufs Kochen, besonders auf das Würzen des Hühnchens; ich hatte keine Lust, schon wieder in der Notaufnahme zu landen. Doch mir schwirrte der Kopf, weil ich versuchte jedes Wort zu analysieren, das Edward heute gesagt hatte. Was meinte er damit, dass es besser war, nicht befreundet zu sein?
„Mit einem Vampir befreundet zu sein ist sehr gefährlich.“, sagte Edward.
„Nein, es bedeutet, dass er sich wünscht, dass es mehr wird.“, stichelte Alice.
„Das wäre genauso schlecht für sie.“, knurrte Edward.
Als mir die einzig mögliche Antwort einfiel, wurde mir ganz flau im Magen: Ihm musste aufgefallen sein, wie sehr ich ihn anhimmelte, das war die einzige Erklärung. Und jetzt wollte er nicht mit meinen Gefühlen spielen ... und deshalb konnten wir nicht einmal Freunde sein ... weil er überhaupt nicht an mir interessiert war.
Selbstverständlich war er nicht an mir interessiert, überlegte ich wütend und mit brennenden Augen - eine verspätete Reaktion auf die Zwiebeln. Ich war eben nicht interessant. Er dagegen schon. Interessant... und brillant... und mysteriös ... und perfekt ... und schön ... und möglicherweise in der Lage, Autos mit einer Hand anzuheben.
„Sie kennt dich bereits sehr gut.“, sagte Esme lächelnd.
„Sie sieht sich selbst nicht richtig.“, seufzte Edward.
„Yeah, sie ist sehr interessant.“ Emmett lachte. „In der Lage, Autos mit einer Hand anzuheben..“
Okay, wie er wollte. Ich konnte ihn genauso gut in Ruhe lassen. Ich würde ihn in Ruhe lassen. Ich würde meine selbstauferlegte Strafe in der Vorhölle von Forks absitzen und dann würde mir hoffentlich irgendein College im Südwesten, oder vielleicht auf Hawaii, ein Stipendium anbieten. Ich dachte an sonnige Strände und Palmen, füllte die Enchiladas und schob sie in den Ofen.
Charlie schnupperte misstrauisch, als er nach Hause kam. Ich konnte es ihm nicht verdenken - das nächste genießbare mexikanische Essen gab es, von hier aus gesehen, wahrscheinlich in Südkalifornien. Aber als echter Cop, wenn auch nur KleinstadtCop, war er mutig genug, es zu probieren. Und es schien ihm zu schmecken. Es machte Spaß zu sehen, wie er langsam begann, meinen Kochkünsten zu trauen.
»Dad?«, fragte ich, als er fast fertig war.
»Ja, Bella?«
»Ahm, ich wollte nur sagen, dass ich mir überlegt hab, nächste Woche Samstag nach Seattle zu fahren ... wenn das okay ist.« Ich wollte nicht um Erlaubnis bitten - so etwas sollte gar nicht erst einreißen -, aber es kam mir auch grob vor, ihn einfach nur zu informieren, deshalb der Schlenker am Ende.
»Wozu?« Es klang, als wäre es unvorstellbar, dass man in Forks irgendetwas vermissen könnte.
»Ich wollte ein paar Bücher kaufen - die Bibliothek hier hat echt nicht viel Auswahl - und vielleicht nach ein paar Klamotten gucken.« Da ich, dank Charlie, kein Auto kaufen musste, hatte ich mehr Geld zur Verfügung, als ich es gewohnt war. Obwohl der Transporter einiges an Sprit verschlang. Charlie hatte denselben Gedanken.
»Der Transporter hat vermutlich keinen besonders sparsamen Verbrauch«, sagte er.
„Vielleicht kann er auch Gedanken lesen?“, kicherte Emmett.
„Nee, es ist offensichtlich, dass der Truck nicht besonders sparsam ist.“, sagte Edward.
»Ich weiß, wahrscheinlich muss ich in Montessano und Olympia Halt machen, vielleicht sogar in Tacoma.«
»Willst du ganz allein fahren?«, fragte er. Mir war nicht klar, worüber er besorgt war: einen heimlichen Freund oder bloß die Unfallgefahr.
„Wahrscheinlich wegen beidem.“, sagte Esme.
»Ja.«
»Seattle ist groß - du könntest dich verfahren«, gab er zu bedenken.
»Dad, Phoenix ist fünfmal so groß wie Seattle - und ich weiß, wie man Karten liest, keine Sorge.«
»Willst du, dass ich mitkomme?«
„Das ist nett von ihm.“, sagte Esme.
„Bist du bescheuert? Bella will ihn auf keinen Fall dabei haben.“, sagte Alice.
Ich versuchte mein Erschrecken zu verbergen.
»Ich weiß nicht, Dad, ich werde wahrscheinlich den ganzen Tag in Umkleidekabinen verbringen - ziemlich langweilig.«
»Oh, okay.« Der Gedanke, wie viel Zeit auch immer in Modegeschäften zubringen zu müssen, schreckte ihn sofort ab.
Emmett lachte und Jasper verzog das Gesicht.
»Danke.« Ich lächelte ihn an.
»Bist du denn dann rechtzeitig zum Ball wieder hier?«
Grrr. Nur in einer Kleinstadt wie dieser waren Väter über Schulbälle im Bilde.
„Jep, kein Entkommen.“, lachte Emmett.
»Nein. Tanzen ist nichts für mich, Dad.« Er müsste das eigentlich verstehen - meine Koordinationsprobleme hatte ich schließlich nicht von Mom.
Er verstand es tatsächlich. »Ach ja, stimmt«, sagte er.
Als ich am nächsten Morgen auf den Parkplatz fuhr, suchte ich mir ganz bewusst einen Platz in größtmöglicher Entfernung vom silbernen Volvo. Ich musste der Versuchung ja nicht unbedingt in die Arme laufen - am Ende schuldete ich ihm noch ein neues Auto.
„Keine sorge. Ich besorge ihm ein anderes Auto, dass du ebenfalls zerschmettern kannst.“, kicherte Emmett.
„Was hast du gegen meinen Volvo?“ Edward funkelte Emmett an.
„Eigentlich nichts, aber die Vorstellung, dass sie ihn zertrümmert, reizt mich.“, erklärte er schulterzuckend.
Beim Aussteigen rutschte mir mein Schlüssel aus der Hand und fiel in eine Pfütze. Ich bückte mich, doch bevor ich nach ihm greifen konnte, kam mir von irgendwoher eine weiße Hand zuvor.
„Ich denke, du hasst es satt, dich von ihr fernzuhalten.“, lächelte Alice.
Mit einem Satz schoss ich hoch. Edward Cullen stand direkt neben mir, lässig an meinen Transporter gelehnt.
»Wie machst du das?«, fragte ich erstaunt und verärgert zugleich.
»Wie mache ich was?« Während er sprach, hielt er mir meinen Schlüssel hin. Als ich danach griff, ließ er ihn in meine Hand fallen.
»Einfach so aus heiterem Himmel auftauchen.«
»Bella, was kann ich dafür, dass du ein außergewöhnlich unaufmerksamer Mensch bist?« Seine Stimme war so ruhig wie gewohnt - samtweich und gedämpft.
„Edward..“, sagte Esme leise.
„Ich glaube nicht, dass ich jemals jemanden kennengelernt habe, der derart observiert.“, sagte Jasper.
„Ich weiß.“, sagte Edward. „Ich auch nicht.“
Missmutig schaute ich in sein perfektes Gesicht. Seine Augen waren heute wieder heller; sie hatten einen satten Farbton wie aus Gold und Honig. Ich musste meinen Blick abwenden, dann erst konnte ich meine wirren Gedanken neu ordnen.
»Was sollte der Stau gestern?«, fragte ich vorwurfsvoll, ohne ihn anzusehen. »Ich dachte, du wolltest so tun, als würde ich nicht existieren, nicht mich bis aufs Blut reizen.«
»Das war nur Tyler zuliebe. Ich musste ihm seine Chance lassen. « Er kicherte.
„Du bist so ein Trottel.“, sagte Alice.
»Du ...« Ich suchte nach Worten, fand aber keines, das schlimm genug war. Doch je wütender ich wurde, desto mehr schien er sich zu amüsieren.
»Außerdem tue ich nicht so, als würdest du nicht existieren«, fuhr er fort.
»Das heißt, du willst mich tatsächlich bis aufs Blut reizen? Wenn ich schon Tylers Van überlebt hab?«
„Ach, das wird dich wieder wütend machen.“, seufzte Alice. „Auch wenn du erkennen wirst, dass du sie magst.“
Seine Gesichtszüge verdüsterten sich: Wütend blitzten seine gelbbraunen Augen und seine Lippen formten eine harte Linie.
»Bella, was du sagst, ist komplett absurd«, erwiderte er kühl und mit leiser Stimme.
Meine Handflächen kribbelten, so stark war das Bedürfnis, auf irgendetwas einzuschlagen. Ich war überrascht von mir normalerweise war ich nicht gewalttätig.
„Ja, Edward bringt das in Jedem zum Vorschein.“, sagte Rosalie.
„Ich würde sie nicht gewalttätig nennen.“, sagte Edward und ignorierte Rosalie.
Ich drehte mich um und ging davon.
»Warte«, rief er. Ich stapfte weiter wütend durch den Regen. Doch er war neben mir und hielt ohne Probleme Schritt.
»Es tut mir leid, das war nicht nett«, sagte er im Gehen. Ich ignorierte ihn. »Nicht, dass es nicht wahr wäre«, fuhr er fort, »aber es war trotzdem nicht nett, es zu sagen.«
»Warum lässt du mich nicht einfach in Frieden?«, giftete ich.
„Oh, das meint sie nicht so.“, sagte Emmett.
»Ich wollte dich was fragen, aber du hast mich vom Thema abgebracht«, feixte er. Offensichtlich hatte er seine gute Laune wiedergefunden.
»Sag mal, hast du vielleicht eine gespaltene Persönlichkeit?«, fragte ich bissig.
„Damit mag sie recht haben.“ Carlisle lächelte seinen Sohn an.
„Jep, da hat sie recht.“, sagte Emmett. „Und wir hass- tolerieren das.“
»Jetzt fängst du schon wieder an.«
Ich seufzte. »Na schön. Was willst du wissen?«
»Ich hab mich gefragt, ob du nächste Woche Samstag - du weißt schon, am Tag des Frühjahrsballs -«
„Du fragst sie wegen dem Tanz..?“, fragte Emmett zerstreut.
„Warum bist du so geschockt. Er mag sie doch anscheinend.“, sagte Jasper.
„Ich mag sie wirklich, oder?“ Edward seufzte.
„Aber ich zweifle, dass du sie fragen wirst.“, sagte Alice. „Dazu bist du zu.. eigen.“
Ich blieb abrupt stehen und drehte mich zu ihm um. »Soll das vielleicht witzig sein?«, fiel ich ihm ins Wort. Als ich zu ihm hochblickte und den Ausdruck in seinem Gesicht sah, schoss mir die Zornesröte ins Gesicht.
In seinen Augen funkelte unverschämte Heiterkeit. »Würdest du mich bitte ausreden lassen?«
Ich biss mir auf die Lippe und verschränkte meine Arme, damit ich nichts Unüberlegtes tun konnte.
»Ich hab mitbekommen, dass du den Tag in Seattle verbringst, und wollte dich fragen, ob du mitfahren willst?«
„Oh nein.. ich darf nicht mit ihr allein sein.“, stöhnte Edward.
„Ruhig Edward. Ich bin mir sicher, dass du ein Gentleman sein wirst.“, sagte Esme.
„Aber..“, protestierte Edward.
„Ich bin mir sicher, dass du sie nicht beißen wirst.“, versuchte Alice in aufzuziehen, doch das Thema war zu ernst. „Beruhige dich.“
Damit hatte ich nicht gerechnet.
»Was?« Mir war nicht klar, worauf er hinauswollte.
»Willst du mit nach Seattle fahren?«
»Mit wem denn?«, fragte ich verdutzt.
»Mit mir, wem sonst?« Er sprach so langsam und deutlich, als hätte er es mit einer geistig Behinderten zu tun.
„Nein, alle würden so wie sie reagieren.“, sagte Emmett.
Ich war immer noch verdattert. »Warum?«
»Ich hatte sowieso vor, in den nächsten Wochen nach Seattle zu fahren, und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob dein Transporter die Strecke schafft.«
„Nein, eher, 'Ich sterbe, wenn ich nicht bei dir bin. Also lass mich dich töten.'“, immitierte Alice Edward's Stimme perfekt.
»Mein Transporter läuft prima, danke der Nachfrage.« Ich lief weiter, doch ich war so überrascht, dass ein Teil meines Zorns verraucht war.
»Aber schafft er die Strecke auch mit einer Tankfüllung?« Er lief immer noch neben mir her.
»Ich weiß nicht, was dich das angeht.« Blöder, eingebildeter Volvo-Fahrer.
„Ich frage mich, was sie sagen würde, wenn sie wüsste, dass der Volvo nur dein Schul-Auto ist.“ Emmett kicherte.
»Die Verschwendung begrenzter Ressourcen geht jeden etwas an.«
»Ganz ehrlich, Edward« - ich genoss es, seinen Namen auszusprechen, und ich hasste mich dafür -, »ich kapier's nicht. Ich dachte, du willst nicht mit mir befreundet sein.«
»Ich hab gesagt, es wäre besser, wenn wir nicht befreundet wären, nicht, dass ich es nicht will.«
»Ach so, vielen Dank - gut, dass wir das geklärt haben«, motzte ich. Heftiger Sarkasmus.
„Du verwirrst sie. Kein wunder, dass sie dich nicht versteht.“, sagte Esme.
Mittlerweile standen wir unter dem Dach der Cafeteria, so dass es leichter war, ihn anzuschauen - nicht, dass es deswegen auch leichter war, meine Gedanken zu ordnen.
»Es wäre ... besonnener von dir, nicht mit mir befreundet zu sein«, erklärte er. »Aber ich bin es leid, mich von dir fernzuhalten, Bella.«
Während dieses letzten Satzes strahlten seine Augen mit einzigartiger Kraft, und der Klang seiner Stimme war ein einziger, knisternder Lockruf. Ich vergaß zu atmen.
»Fährst du mit mir nach Seattle?«, fragte er mit unverminderter Intensität.
Ich hatte meine Sprache noch nicht wiedergefunden, also nickte ich nur.
Er lächelte kurz, dann wurde sein Gesicht ernst.
»Du solltest dich wirklich von mir fernhalten«, warnte er. »Wir sehen uns in Bio.«
„Überhaupt nicht verwirrend.“ Alice schüttelte den Kopf.
Er machte kehrt und ging in die Richtung, aus der wir gekommen waren.
„Das ist das Ende des Kapitels.“, sagte Esme.
„Sieht so aus, als wäre ich ihr verfallen.“,sagte Edward.
„Ich kann es kaum erwarten, bis sie wirklich kommt.“, sagte Esme aufgeregt.
„Mom, ich denke..“ Edward sah befangen aus. „Das wäre nicht gut..“
„Ruhig, Edward.“, sagte Esme. „Sich zu verlieben ist immer gut. Und du verdienst es.“
„Oh.“, sagte Alice. „Ich habe eine Idee. Eine Sekunde – lest nichts ohne mich.“ Sie rannte aus dem Haus, Richtung Forks.
„Ich würde gerne das Nächste lesen.“, hörte sie Jasper sagen. Er wollte sichergehen, dass Niemand las, während sie weg war...
Friday, January 8, 2010
Tuesday, January 5, 2010
Viertes Kapitel - Frostiges Klima
„Frostiges Klima.“, las Emmett.
Etwas war anders, als ich am Morgen meine Augen öffnete.
Es war das Licht. Es war immer noch graugrün wie an einem wolkigen Tag im Wald, aber irgendwie klarer. Der Nebel, der sonst mein Fenster von außen verhängte, hatte sich aufgelöst.
Ich sprang auf, um hinauszuschauen,
„Sie wird enttäuscht sein. Es hat garantiert geschneit.“, kicherte Emmett.
und dann stöhnte ich vor Entsetzen.
Eine dünne Schneeschicht hatte den Vorgarten überzogen, das Dach meines Transporters bestäubt und die Straße weiß gefärbt.
Doch etwas anderes war noch schlimmer. Das Regenwasser vom Vortag war über Nacht gefroren und ummantelte die Nadeln der Bäume in fantastischen, wunderhübschen Mustern; außerdem hatte es die Auffahrt in eine tödliche Eisfläche verwandelt.
Es fiel mir schon bei trockenem Boden schwer genug, nicht hinzufallen; vielleicht war es sicherer für mich, einfach wieder ins Bett zu gehen.
„Ich frage mich, wie oft sie in diesem Kapitel hinfallen wird.“ Emmett lachte.
Charlie war schon zur Arbeit gefahren, als ich nach unten kam. Das Zusammenleben mit ihm war auf vielerlei Weise so, als hätte ich meine eigene Wohnung, und ich merkte, dass ich das Alleinsein genoss - ich fühlte mich nicht einsam.
Ich schaufelte in Windeseile eine Schüssel Cornflakes in mich hinein und trank ein paar Schlucke Orangensaft direkt aus der Packung. Ich konnte es trotz des Wetters kaum erwarten, in die Schule zu kommen, und das ängstigte mich.
„Durchaus beängstigend.“, kommentierte Emmett.
„Besonders wenn man bedenkt, dass sie mich sehen wird.“, sagte Edward.
Ich wusste, dass es nicht der spannende Unterricht oder meine neuen Freunde waren, auf die ich mich so freute. Wenn ich ehrlich war, dann musste ich mir eingestehen, dass ich es allein deshalb so eilig hatte, weil ich Edward Cullen wiedersehen würde. Und das war sehr, sehr dumm.
„Das ist es.“, seufzte Edward.
Nach meinem hirnlosen und peinlichen Gebrabbel gestern in Bio sollte ich ihm am besten ganz aus dem Weg gehen. Zudem war ich misstrauisch: Wieso hatte er meine Frage zu se ner Augenfarbe mit einer Lüge beantwortet?
Und während mir die Feindseligkeit, die er manchmal ausstrahlte, immer noch Angst machte, ließ mich sein makelloses Aussehen nach wie vor verstummen. Mir war klar, dass wir nicht in derselben Liga spielten - nicht im Entferntesten.
„Ich finde nicht, dass sie mit dem Letzten recht hat.“, sagte Edward.
„Dann spielt ihr also in der selben Liga?“ Emmett sah seinen Bruder mit hebenden Augenbrauen an.
„Ernsthaft, ich will damit nur sagen, dass ich nichts besseres bin, nur weil ich anders aussehe.“, sagte Edward.
„Aber du bist nun einmal eine wundervolle Person.“, sagte Esme sanft.
Es gab also genügend Gründe, warum ich alles andere als begierig darauf sein sollte, ihn zu sehen.
Es erforderte meine ganze Konzentration, heil über die vereiste Auffahrt zu meinem Transporter zu kommen. Als ich fast am Ziel war, verlor ich die Balance, konnte mich aber am Seitenspiegel festhalten. Dieser Tag würde ein Albtraum werden, so viel war klar.
„Wenn das Wetter so ist, sollte sie besser nicht zur Schule gehen.“, sagte Edward sorgenvoll.
„Und uns den Spaß vorenthalten.“, kicherte Emmett.
„Wohl eher deinen Spaß.“, seufzte Alice.
Emmett sagte nichts weiter, auch wenn er ihr zuzustimmen schien.
Auf dem Weg zur Schule lenkte ich mich von meiner Angst vor Unfällen und den ungewollten Spekulationen über Edward Cullen ab, indem ich mir Gedanken über Mike und Eric machte und darüber, wie Jungen meines Alters hier in Forks auf mich reagierten - im Gegensatz zu ihrem Desinteresse in Phoenix. Ich sah noch genauso aus wie dort, das stand fest.
Vielleicht lag es einfach daran, dass die Jungs zu Hause mich schon gekannt hatten, als ich die verschiedenen peinlichen Phasen der Pubertät durchmachte, und in mir noch dasselbe Mädchen sahen. Oder es hatte damit zu tun, dass ich neu in einem Ort war, wo sonst immer alles beim Alten blieb.
Möglicherweise fanden sie meine lästige Tollpatschigkeit nicht erbärmlich, sondern liebenswürdig und sahen in mir eine Jungfer in Nöten. Woran es auch lag, Mikes schwänzelnde Ergebenheit und Erics offensichtliche Rivalität ihm gegenüber behagten mir nicht. Hätte ich die Wahl gehabt, ich hätte die alte Ignoranz der neuen Aufmerksamkeit vorgezogen.
Rosalie schnaubte.
„Ich wette, es hat mit ihrer Tollpatschigkeit zutun. Wer liebt kleine Basel nicht?“, kicherte Emmett.
„Es hat wahrscheinlich etwas damit zutun, dass sie neu ist. Die Jungs hier sind sehr angetan von ihr.“, sagte Edward.
„Es genügt zu wissen, wer sie ist. Sie ist eine liebevolle Person.“, sagte Esme.
Mein Transporter schien keinerlei Probleme mit dem schmutzigen Eis zu haben, das die Straßen bedeckte. Ich fuhr trotzdem sehr langsam, schließlich wollte ich keine Spur der Verwüstung auf den Straßen von Forks hinterlassen.
Beim Aussteigen sah ich, warum die Fahrt zur Schule so problemlos verlaufen war. Etwas silbrig Glänzendes stach mir ins Auge, und ich ging - eine Hand immer an der Karosserie, um nicht auszurutschen - um den Transporter herum, um mir die Reifen anzuschauen.
„Charlie muss Ketten um die Reifen gelegt habe. Sehr lieb von ihm.“ Esme lächelte.
Sie waren von dünnen Ketten umspannt, die sich kreuzten und diamantenförmige Muster bildeten. Schneeketten. Charlie war wer weiß wie früh aufgestanden und hatte sie angebracht.
Etwas schnürte mir die Kehle zu - ich war es nicht gewohnt, dass jemand sich um mich kümmerte, und Charlies stillschweigende Fürsorge rührte mich.
Esme lächelte noch breiter.
Als ich dort stand, an der hinteren Ecke des Transporters, und mit den unerwarteten Gefühlen kämpfte, hörte ich ein merkwürdiges Geräusch. Es klang hoch und kreischend, und es wurde schnell schmerzhaft laut. Erschrocken blickte ich auf.
„Das Geräusch gefällt mir nicht..“, murmelte Edward.
Ich sah mehrere Dinge auf einmal, aber nichts davon geschah in Zeitlupe wie im Film. Stattdessen schien der Adrenalinstoß meine Denkgeschwindigkeit zu erhöhen, so dass mein Gehirn eine Reihe ungewöhnlich scharfer Momentaufnahmen gleichzeitig machen konnte.
Vier Autos weiter stand Edward Cullen und starrte mich entsetzt an. Sein Gesicht trat aus einem Meer von Gesichtern hervor, die alle zu einer einheitlichen Maske des Schocks versteinert waren. Was aber in dem Moment entscheidender war:
Ein dunkelblauer Van rutschte mit blockierten Bremsen wild schlingernd über den vereisten Parkplatz, direkt auf meinen Transporter zu. Vor dem ich stand. Mir blieb nicht einmal Zeit, die Augen zu schließen.
„NEIN.“, sagte Edward laut.
„Oh Gott.“, stieß Esme hervor.
Unmittelbar bevor ich hörte, wie sich der Van laut scheppernd um den hinteren Kotflügel des Transporters faltete, traf mich ein harter Schlag, aber nicht aus der erwarteten Richtung.
„Das bist hoffentlich nicht du.“, sagte Rosalie.
„Was-“ Edward stoppte sich und dachte nach. „Was hast du vor, wenn ich das wirklich sein sollte?“
„Du wirst uns alle verraten.“, knurrte sie.
Edward antwortete nicht. Er ging im Kopf alle Möglichkeiten durch, was passieren könnte und wusste, dass er das Mädchen schützen würde.
Mein Kopf knallte auf den eisigen Asphalt, und etwas Festes und Kaltes drückte mich zu Boden. Ich lag auf dem Pflaster, und zwar hinter dem hellbraunen Wagen, neben dem ich geparkt hatte.
Mehr nahm ich nicht wahr, denn der Van war immer noch in Bewegung - er hatte sich knirschend um das Heck des Transporters geknüllt und schlingerte nun seitlich weiter auf mich zu. Gleich würde er mich abermals erfassen.
„Noch weniger Glück wäre unmöglich..“, seufzte Edward.
Ein leiser Fluch signalisierte mir, dass ich nicht allein war. Die Stimme war unverkennbar.
Blitzartig schoben sich zwei lange, weiße Hände schützend vor meinen Körper, und der Van kam etwa dreißig Zentimeter neben meinem Kopf rüttelnd zum Stehen. Wie durch eine Fügung passten die großen Hände genau in die tiefe Delle in der Seite des Vans.
„EDWARD“, schrie Rosalie und fletschte die Zähne.
Dann bewegten sie sich so schnell, dass sie vor meinen Augen verschwammen. Eine Hand griff plötzlich unter die Karosserie des Vans, dann wurde ich weggezogen, und meine Beine flogen umher wie die einer Schlenkerpuppe, bis sie an die Reifen des hellbraunen Autos schlugen.
Das dumpfe, metallische Geräusch eines Aufpralls schmerzte in meinen Ohren, Glas zersplitterte, und dann kam der Van endgültig auf dem Asphalt zum Stillstand - genau dort, wo sich eine Sekunde zuvor meine Beine befunden hatten.
„Das ist nicht gut..“, flüsterte Edward, und wenn es möglich gewesen wäre, wäre er wohl erbleicht.
„Absolut nicht gut. Du hast alles wegen einem dummen Mädchen ruiniert.“, fauchte Rosalie.
„Sie ist nicht dumm.“, gab Edward zurück.
„Nein, aber wenn sie es wäre, hätte sie nicht bemerkt, dass du den Van bewegt hast.“, knurrte sie.
„Beruhige dich, Rosalie. Edward hat das richtige getan, auch wenn ich mir wünschte, sie hätte nicht so viel bemerkt.“, sagte Carlisle.
„Aber..“, Rosalie sah ihren Vater fassungslos an.
„Ich bin stolz auf dich.“, sagte Esme und schlang die Arme um Edward.
„Wie auch immer.“, grunzte Rosalie frustriert, sagte aber nichts weiter.
Eine endlose Sekunde lang herrschte absolute Stille, dann schrien alle durcheinander. Inmitten des plötzlichen Tumults hörte ich mehrere Menschen meinen Namen rufen. Doch viel deutlicher drang Edward Cullens leise, verzweifelte Stimme an mein Ohr.
»Bella? Ist alles in Ordnung?«
»Mir geht's gut.« Meine Stimme klang eigenartig. Ich versuchte mich aufzusetzen und merkte erst jetzt, dass er mich fest an seine Seite presste.
»Vorsicht«, warnte er, als ich mich mühsam bewegte. »Ich glaube, du bist ziemlich hart mit dem Kopf aufgeschlagen.«
„Deine Entschuldigung für das, was sie gesehen hat.“, sagte Rosalie. „Nicht, dass sie es glauben würde.“
Erst da spürte ich den pulsierenden Schmerz über meinem linken Ohr.
»Au«, sagte ich überrascht.
»Hab ich's mir doch gedacht.« Erstaunlicherweise klang seine Stimme, als müsste er ein Lachen unterdrücken.
»Wie zum ...« Ich hielt inne und versuchte mich zu orientieren und meine Gedanken zu ordnen. »Wie bist du so schnell hier gewesen?«
»Ich stand direkt neben dir, Bella«, sagte er. Sein Tonfall war wieder ganz ernst.
Ich drehte mich weg, um mich aufzusetzen, und dieses Mal ließ er es geschehen; er löste seinen Griff um meine Taille und rutschte so weit von mir weg, wie es der schmale Zwischenraum gestattete. Ich blickte in seine besorgte Unschuldsmiene, und erneut verhinderten seine goldfarbenen Augen, dass ich klar denken konnte.
Was fragte ich ihn da eigentlich?
„Vielleicht solltest du sie den Rest des Tages so ansehen, damit sie alles vergisst.“, schlug Alice vor.
Und dann fanden sie uns: Mit tränenüberströmten Gesichtern schrien sie uns, schrien sie sich gegenseitig an.
»Nicht bewegen«, kommandierte jemand.
»Holt Tyler aus dem Van«, brüllte ein anderer.
Hektische Betriebsamkeit umgab uns. Ich versuchte aufzustehen, doch Edwards kalte Hand drückte meine Schulter nach unten.
»Bleib erst mal sitzen.«
»Aber es ist kalt«, maulte ich.
„Jep, darum würde ich mir jetzt auch Sorgen machen.“, lachte Emmett und Edward seufzte.
Ich war überrascht, als er leise vor sich hin lachte. Es klang irgendwie nervös.
Plötzlich fiel es mir wieder ein: »Du warst dort drüben.« Sein Kichern erstarb. »Bei deinem Auto.«
In sein Gesicht trat ein harter Ausdruck. »Nein, war ich nicht.«
„Edward, du bist ein besserer Lügner.“, sagte Alice missbilligt. „Du musst den Schein waren.“
„Richtig, Edward. Du wirst ihr so niemals klarmachen, dass wir normale Menschen sind.“, sagte Emmett.
»Ich hab dich gesehen.« Um uns herum herrschte Chaos. Von fern näherten sich die schrofferen Stimmen von Erwachsenen. Doch ich ließ nicht locker - ich hatte Recht, und er würde es zugeben.
„Argh. Muss sie so stur sein?“, seufzte Edward.
»Bella, ich stand neben dir, und ich hab dich zur Seite gezogen.« Und als wollte er mir etwas Wichtiges mitteilen, entfesselte er die ganze, überwältigende Kraft seines Blickes.
„Ich glaube nicht, dass dein Charme bei ihr funktionieren wird.“ Alice lachte. „Jedenfalls nicht gut genug.“
»Nein.« Ich war entschlossen, nicht nachzugeben.
Das Gold in seinen Augen funkelte. »Bella, bitte.«
»Warum?«
»Vertrau mir«, bat er leise, mit unwiderstehlich sanfter Stimme.
Dann hörte ich die Sirenen. »Versprichst du, mir später alles zu erklären?«
»Schön, wie du willst«, sagte er mit plötzlicher Gereiztheit.
„Du wirst es ihr nicht erzählen.“, knurrte Rosalie.
„Nein, werde ich nicht.“, seufzte Edward.
„Du musst verzweifelt sein, da du den Versprechen brechen musst.“ Alice grinste.
»Schön«, erwiderte ich wütend.
Sechs Rettungshelfer und zwei Lehrer - Mr. Varner und Coach Clapp - waren notwendig, um den Van weit genug beiseitezuschieben, damit sie mit den Tragen zu uns herankamen. Edward lehnte es vehement ab, sich tragen zu lassen, und ich versuchte dasselbe, doch dieser Verräter sagte ihnen, dass ich mir den Kopf gestoßen und wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung hatte.
„Wie konntest du sie nur so verraten.“, sagte Emmett gespielt ernst.
Ich starb fast vor Scham, als sie mir die Halskrause anlegten. Es sah aus, als hätten sich sämtliche Schüler und Lehrer eingefunden, um mit ernsten Mienen zuzusehen, wie ich in den Krankenwagen geschoben wurde. Edward durfte vorne sitzen. Es war zum Verrücktwerden.
Und zu allem Unglück traf auch noch Charlie in voller Polizeimontur ein, bevor sie mich fertig einladen und abtransportieren konnten.
»Bella«, brüllte er panisch, als er mich auf der Trage erkannte.
»Mir geht's gut, Char- Dad«, sagte ich matt. »Nichts passiert.«
„Sie sollte damit warten, bis sie wieder aus dem Krankenhaus kommt.“, sagte Carlisle. „Kopfverletzungen merkt man nicht immer sofort.“
Er wandte sich an den erstbesten Rettungshelfer, um eine zweite Meinung einzuholen, und ich blendete ihn aus, um mich dem Wirrwarr der unerklärlichen Bilder zu widmen, die mir durch den Kopf schossen. Als sie mich auf die Trage gehoben hatten, war mir die tiefe Delle in der Stoßstange des hellbraunen Autos aufgefallen - eine sehr ausgeprägte Delle, die genau den Konturen von Edwards Schultern entsprach ... als hätte er sich mit genug Kraft gegen das Auto gestemmt, um dessen Metallrahmen zu beschädigen …
Und dann war da das Verhalten seiner Geschwister: Sie hatten etwas abseitsgestanden und das Geschehen, ihren Gesichtern nach zu urteilen, mit einer Mischung aus Ablehnung und Wut verfolgt, doch ohne sichtbare Sorge um das Leben ihres Bruders.
„Natürlich nicht.“, sagte Rosalie.
„Ich glaube wir wissen alle, wer hier so ablehnend ist.“, kicherte Emmett und erntete einen bösen Blick von Rosalie.
„Sie hat unsere Reaktionen bemerkt und das bestärkt ihre Überzeugung.“, sagte Jasper.
Ich suchte nach einer logischen Erklärung für das, was ich gerade erlebt hatte - einer, die nicht darauf hinauslief, dass ich geisteskrank war.
Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Krankenwagen von einem Streifenwagen zum Bezirkskrankenhaus eskortiert. Während der gesamten Ausladeprozedur fühlte ich mich der Lächerlichkeit preisgegeben, was noch dadurch verstärkt wurde, dass Edward gewohnt elegant und unbehelligt von fremder Hilfe durch die Krankenhaustüren schritt. Wütend biss ich die Zähne zusammen.
Sie brachten mich in die Notaufnahme, einen langen Raum mit nebeneinander aufgereihten Betten, zwischen denen PASTELL-FARBEN gemusterte Tapeten waren. Eine Krankenschwester legte mir die Manschette zum Blutdruckmessen um den Arm und pumpte sie auf, dann schob sie mir ein Thermometer unter die Zunge. Da sich niemand die Mühe machte, den Vorhang weit genug zu schließen, um mir ein wenig Privatsphäre zu verschaffen, kam ich zu dem Schluss, dass ich nicht länger verpflichtet war, die alberne Halskrause zu tragen.
„Das ist nicht richtig.“, seufzte Carlisle. „Auch wenn ich nicht denke, dass ihre Verletzung schwerwiegend ist. Dennoch ist es falsch die Halskrause abzunehmen.“
Sobald die Schwester gegangen war, öffnete ich den Klettverschluss und schmiss sie unter das Bett.
Dann wurde es erneut hektisch; eine weitere Traube Krankenhauspersonal, eine weitere Trage, die zum Bett neben mir gebracht wurde. Unter den blutbeschmierten Binden, die eng um seinen Kopf gewickelt waren, erkannte ich Tyler Crowley aus meinem Politikkurs. Er sah hundertmal schlimmer aus, als ich mich fühlte, trotzdem musterte er mich mit bangem Blick.
»Bella, es tut mir so leid!«
„Ich denke, er könnte Interesse entwickeln“ Emmett lachte. „Kannst du noch mehr Rivalen ertragen?“
„Halt den Mund.“, knurrte Edward.
»Mir geht's gut, Tyler - aber was ist mit dir, du siehst schrecklich aus!« Während wir sprachen, wickelte eine Schwester die schmutzigen Binden ab und legte unzählige oberflächliche Schnittwunden auf seiner Stirn und seiner linken Wange frei.
Er ignorierte die Frage. »Ich dachte, ich bringe dich um! Ich war zu schnell und kam falsch auf das Eis ...«Er zuckte zusammen, als eine Schwester ihm das Gesicht abzutupfen begann.
»Mach dir um mich keine Sorgen; wie du siehst, hast du mich verfehlt.«
»Wie bist du so schnell ausgewichen? Du warst direkt vor mir, und dann warst du auf einmal weg ... «
„Verdammt, das wird sie noch starrsinniger machen.“, seufzte Edward.
»Ahm ... Edward hat mich beiseitegezogen.«
Er war verdutzt. »Wer?«
„Haha, er weiß nicht mal wer du bist.“, lachte Emmett.
»Edward Cullen - er stand neben mir.« Ich war schon immer eine erbärmliche Lügnerin gewesen; es klang nicht mal annähernd überzeugend.
»Cullen? Den hab ich gar nicht gesehen ... Wow, ich nehm an, das ging einfach alles zu schnell. Geht's ihm gut?«
„Und da ist die Antwort, die ein Mensch jetzt geben sollte.“, sagte Edward.
„Redest du von dir oder von Bella?“ Alice kicherte.
»Ich glaub schon. Er muss hier irgendwo sein.«
Ich wusste, dass ich nicht verrückt war. Was war passiert? Es gab keine Erklärung für das, was ich gesehen hatte.
Dann rollten sie mich in meinem Bett davon, um meinen Kopf zu röntgen. Ich sagte ihnen, dass mir nichts fehlt, und ich behielt Recht. Nicht einmal eine Gehirnerschütterung.
„Das hilft ihr auch nicht.“, seufzte Edward.
Ich wollte wissen, ob ich gehen durfte, aber die Schwester meinte, ich müsste erst mit dem Doktor reden. Ich hing also in der Notaufhahme fest und wartete, während Tyler sich pausenlos entschuldigte und versprach, es wiedergutzumachen. Ich konnte noch so oft beteuern, dass es mir gutging, er hörte nicht auf, sich Vorwürfe zu machen. Irgendwann schloss ich die Augen und ignorierte ihn. Er murmelte weiter reumütig vor sich hin.
»Schläft sie?«, fragte eine musikalische Stimme. Schlagartig öffnete ich meine Augen.
Am Fußende meines Bettes stand Edward und grinste. Ich schaute ihn wütend an, was gar nicht so einfach war - ihn anzuschmachten, hätte eher meinem Gefühl entsprochen.
»Hey, Edward, tut mir wirklich leid -«, setzte Tyler an.
Edward hob eine Hand, um ihn zu unterbrechen.
»Nichts passiert«, sagte er und ließ seine strahlenden Zähne aufblitzen.
„Warte, hat sie nicht gesagt, dass Tyler geblutet hat?“, Emmett sah geschockt aus.
„Richtig.“, antwortete Edward.
„Und du beherrscht dich. Sehr gut, Edward.“ Carlisle nickte. „Obwohl, das beweisst, dass sie deine la tua cantante ist. Ihr Geruch muss stärker sein, als sein Blutgeruch.“
Dann setzte er sich, mir zugewandt, auf den Rand von Tylers Bett und grinste erneut.
»Also, wie lautet der Richterspruch?«, fragte er mich.
»Mir fehlt nicht das Geringste, aber sie lassen mich nicht gehen«, klagte ich. »Wieso bist du nicht an eine Bahre geschnallt wie alle anderen Beteiligten?«
»Alles eine Frage von Beziehungen«, antwortete er. »Aber keine Sorge, ich bin gekommen, um dich hier raus zuholen.«
Dann kam ein Arzt um die Ecke gebogen, und mir blieb der Mund offen stehen:
„Ich denke, jetzt ist mein erster Auftritt.“ Carlisle kicherte über die Reaktion des Mädchens.
Er war jung, er war blond ... und schöner als jeder Filmstar, den ich kannte. Er war allerdings auch blass, sah übernächtigt aus und hatte Augenringe. Charlies Beschreibung nach konnte es nur Edwards Vater sein.
»Also, Miss Swan«, sagte Dr. Cullen mit einer bemerkenswert angenehmen Stimme, »wie fühlen Sie sich?«
»Mir geht's gut«, sagte ich und hoffte, dass ich diese Frage nicht noch einmal beantworten musste.
„Das bezweifle ich.“, kicherte Emmett.
Er ging zum Röntgenschirm am Kopfende meines Bettes und schaltete ihn an.
»Die Aufnahmen sehen gut aus«, sagte er. »Tut Ihr Kopf weh? Edward sagt, Sie seien ziemlich hart aufgeschlagen.«
„Ja, sie hatte definitiv einen Schutzengel.“, sagte Carlisle.
„Ich wünschte sie hätte eine leichte Kopfverletzung gehabt..“, seufzte Edward.
»Meinem Kopf geht's auch gut«, wiederholte ich seufzend und warf Edward einen bösen Blick zu.
„Der böse Edward hat sie an den Onkel Doktor verpetzt.“ Emmett kicherte.
Dr. Cullens kühle Finger glitten prüfend über meinen Schädel. Er merkte, dass ich zusammenzuckte.
»Empfindlich?«, fragte er.
»Nicht sehr.« Da hatte ich schon Schlimmeres erlebt.
„Warum überrascht mich das nicht?“ Edward lachte mit Emmett.
Ich hörte ein unterdrücktes Lachen, schaute hinüber und sah Edwards gönnerhaftes Lächeln. Meine Augen verengten sich.
»Gut. Ihr Vater wartet draußen, Sie können jetzt mit ihm nach Hause fahren. Aber kommen Sie wieder her, wenn Ihnen schwindlig wird oder wenn Sie irgendwelche Probleme beim Sehen bekommen.« Ich stellte mir Charlie beim Versuch vor, mich zu umsorgen.
»Kann ich nicht wieder in die Schule?«, fragte ich.
„Zur Schule gehen ist besser?“, fragte Emmett ungläubig.
»Vielleicht sollten Sie es für heute ruhig angehen lassen.«
Ich warf einen Blick auf Edward. »Darf er in die Schule?«
»Irgendjemand muss schließlich die Nachricht überbringen, dass wir überlebt haben«, sagte Edward süffisant.
»Um ehrlich zu sein«, korrigierte Dr. Cullen, »sieht es so aus, als säße der größte Teil der Schule im Wartezimmer.«
„Genau das, was sie hören will.“, lachte Emmett.
„Sie nutzen die Chance, dem Unterricht zu entfliehen.“, sagte Edward.
»Auch das noch«, stöhnte ich und verbarg mein Gesicht in den Händen.
Dr. Cullen zog seine Augenbrauen nach oben. »Möchten Sie lieber noch bleiben?«
»Nein, nein!«, beteuerte ich, schwang meine Beine über die Bettkante und sprang schwungvoll zu Boden. Zu schwungvoll ich schwankte, und Dr. Cullen musste mich auffangen. Er sah besorgt aus.
»Mir geht's gut«, versicherte ich ihm ein weiteres Mal. Er musste ja nicht unbedingt wissen, dass meine Balanceprobleme nichts mit meinem Kopf zu tun hatten.
Darüber lachen alle.
»Nehmen Sie ein paar Tylenol gegen die Schmerzen«, empfahl er mir, während er mich stützte.
»So schlimm ist es nicht«, beharrte ich.
»Es scheint, als hätten Sie großes Glück gehabt«, sagte Dr. Cullen. Lächelnd setzte er eine schwungvolle Unterschrift auf meine Krankenakte.
„Gutes und Schlechtes zusammen.“, sagte Carlisle leise. „Interessante Verbindung.“
»Ich hatte Glück, dass er zufällig neben mir stand«, sagte ich und blickte Edward scharf an.
»Oh - ja, stimmt«, sagte Dr. Cullen, der auf einmal sehr beschäftigt mit seinen Unterlagen war.
Dann wandte er sich ab und ging zu Tylers Bett. Eine plötzliche Intuition sagte mir, dass er Bescheid wusste.
„Ich nehme an, das war unüberlegt von mir.“, sagte Carlisle.
»Sie dagegen werden noch ein wenig bei uns bleiben müssen, fürchte ich«, sagte er zu Tyler und begann mit der Untersuchung seiner Schnittwunden.
Als Dr. Cullen uns den Rücken zugewandt hatte, ging ich zu Edward.
»Kann ich kurz mit dir sprechen?«, zischte ich leise. Er trat einen Schritt zurück und presste seine Kiefer aufeinander.
„Sie war zu nah an mir.“, sagte Edward und schloss die Augen.
»Dein Vater wartet auf dich«, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen.
Ich warf einen Blick auf Dr. Cullen und Tyler.
»Ich möchte unter vier Augen mit dir sprechen, wenn du nichts dagegen hast«, sagte ich hartnäckig.
Er schaute mich wütend an, dann machte er kehrt und entfernte sich mit schnellen Schritten; ich musste fast rennen, um ihm zu folgen. Sobald wir in einen kurzen Gang eingebogen waren, drehte er sich zu mir herum.
»Was willst du?«, fragte er genervt. Sein Blick war kalt.
„Edward.“, sagte Esme. „Hör auf so unhöflich zu sein..“
„Ich denke, ich will sie einfach nur vor mir in Sicherheit bringen.“, sagte Edward. „Es ist besser für sie, wenn sie mich nicht leiden kann.“
Seine Unfreundlichkeit schüchterte mich so sehr ein, dass meine Worte weniger scharf klangen, als ich es beabsichtigt hatte. »Du bist mir eine Erklärung schuldig«, erinnerte ich ihn.
»Ich hab dir das Leben gerettet - ich bin dir gar nichts schuldig.«
Seine Gereiztheit ließ mich zurückzucken. »Du hast es versprochen.«
»Bella, du hast dir den Kopf gestoßen, du weißt nicht, was du redest«, sagte er mit schneidender Stimme.
Zorn packte mich und ich funkelte ihn trotzig an. »Mit meinem Kopf ist alles okay.«
Er hielt meinem Blick stand. »Was willst du von mir, Bella?«
»Ich will die Wahrheit wissen«, sagte ich. »Ich will wissen, warum ich für dich lüge.«
„Auf diese gute Frage, werde ich Niemals eine Antwort haben.“, seufzte Edward.
»Was ist denn deiner Meinung nach passiert?«, fauchte er.
Und dann sprudelte es aus mir heraus.
»Ich weiß nur, dass du nicht in meiner Nähe warst - und Tyler hat dich auch nicht gesehen, also erzähl mir gefälligst nicht, dass mein Kopf was abbekommen hat. Der Van hätte uns beide getötet - hat er aber nicht, und dann hatte er plötzlich Dellen, wo deine Hände waren - und das andere Auto auch, aber du bist überhaupt nicht verletzt - und der Van hätte eigentlich meine Beine zerquetschen müssen, aber du hast ihn hochgehalten ...« Als ich merkte, wie verrückt das klang, konnte ich nicht weiterreden. Ich war so wütend, dass mir Tränen in die Augen stiegen; ich biss die Zähne zusammen, um sie zurückzuhalten.
Er schaute mich ungläubig an, doch sein Gesicht war angespannt, eine Maske der Abwehr.
„Das ist.. Bist du geschockt?“, fragte Jasper.
„Das ist möglich..“, sagte Edward in einem Ton, der den anderen zeigt, dass er eine Idee hatte.
„Warum bist du überhaupt geschockt?“, sagte Emmett. „Bella denkt seid dem Unfall an nichts anderes.“
„Ich weiß..“, sagte Edward. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich ihre Gedanken nicht lesen kann.“
Eine Sekunde lang herrschte Stille. „Was?“, fragte Emmett ungläubig.
„Aber du hört jeden.“, sagte Jasper. „Wie kommst du darauf?“
„Es ist die Art und Weise, wie ich auf sie reagiere.“, sagte Edward. „Ich sollte viel mehr wissen, aber ich werde immer überrascht.“
„Und da war diese Stelle, wo sie sich ein offenes Buch nannte, du aber sagtest, sie wäre schwer zu lesen.“, sagte Carlisle. Es sah aus, als würde er Edward zustimmen.
„Ich denke an die Stelle, wo sie sagte, du wärst ein guter Leser.“, sagte Alice. „Du sagtest „meistens“, ein weiterer Punkt.“
„Stellt euch das nur vor, es gibt Jemanden, dessen Gedanken Edward nicht lesen kann.“, lachte Emmett.
„Das ist nicht witzig. Es zeigt, dass diese Situation nicht real sein muss.“, sagte Rosalie kritisch.
„Ich denke, dass es wahr ist, aber es wäre schon sehr ironisch, dass Edward sich in das Mädchen verliebt, dessen Gedanken er nicht lesen kann.“, sagte Emmett und versuchte nicht zu lachen. Er scheiterte.
„Niemand verliebt sich hier.“, knurrte Edward.
'Komm schon Edward. Selbst du musst bemerken, wie du dich diesem Mädchen gegenüber verhälst. Und auch während wir lesen, sagst du eindeutige Dinge.', dachte Alice.
»Du bist also der Meinung, ich hätte einen Van angehoben?« Seinem Tonfall nach zu urteilen zweifelte er an meiner geistigen Gesundheit, doch das steigerte nur meinen Argwohn. Es klang wie ein auswendig gelernter Drehbuchsatz aus dem Mund eines talentierten Schauspielers.
Ich nickte nur, die Zähne zusammengebissen.
»Das wird dir niemand glauben, das ist dir klar, oder?« In seiner Stimme schwang jetzt Spott mit.
„Sie darf es nicht erfahren.“, sagte Rosalie.
„Sie ist zu starrsinnig, um so einfach aufzugeben.“ Edward seufzte.
»Ich hab nicht vor, es irgend jemandem zu sagen.« Ich sprach langsam und deutlich, bemüht, meine Wut im Zaum zu halten.
Ein Ausdruck der Verwunderung glitt über sein Gesicht.
„So überraschend ist das nicht.“ Edward lächelte. „Es passt zu ihrem Charakter.“
'Das ist das, was ich eben gemeint habe.', dachte Alice und strahlte ihren Bruder an.
»Warum ist es dann so wichtig?«
»Es ist mir wichtig«, beharrte ich. »Ich lüge nicht gerne, und wenn ich es tue, will ich einen guten Grund dafür haben.«
»Kannst du mir nicht einfach danken und die Sache vergessen?«
„Hättest du etwas wie 'um meine Familie und mich zu schützen' gesagt, hättest du größere Chancen gehabt.“, sagte Alice.
„Das wäre nur noch auffälliger.“, sagte Edward.
»Danke.« Ich wartete, innerlich schäumend vor Wut.
»Du lässt nicht locker, oder?«
»Nein.«
»Dann hoffe ich, dass du mit Enttäuschungen umgehen kannst.«
„Das gefällt mir nicht.“, sagte Jasper. „Irgendwas sagt mir, dass sie nicht lange enttäuscht sein wird.“
„Du denkst, dass sie es herausfindet?“, fragte Edward besorgt.
„Ach komm schon, Edward.“, sagte Jasper. „Sie ist klug, nimmt viel wahr, hat dich dabei beobachtet, wie du seltsame Dinge vollbracht hast und ist zu stur um aufzugeben. Früher oder später wird sie es herausfinden.“
„Du bist ein Idiot.“, sagte Rosalie, nachdem alle ein paar Sekunden geschwiegen hatten.
Wir funkelten uns böse an. Und dann war ich es, die das Schweigen brach. Ich musste mich zusammenreißen - es war schwer, seinem zornigen, herrlichen Gesicht zu widerstehen. Ebenso gut hätte ich mich auf ein Blickduell mit einem Racheengel einlassen können.
»Warum hast du dir überhaupt die Mühe gemacht?«, fragte ich mit frostiger Stimme.
„Das frage ich mich auch.“, sagte Rosalie kalt.
„Sie ist es Wert.“, schnappte Edward.
Er zögerte, und einen kurzen Moment lang sah sein Gesicht überraschend verletzlich aus.
»Ich weiß es nicht«, flüsterte er.
„Typisch Mann.“, sagte Alice.
„Genau.“, sagte Emmett. „Du lieeeeeebst sie.“
„Oh, ich hoffe, dass ihr recht habt.“, sagte Esme liebevoll.
Dann drehte er sich um und ging davon.
Ich war so wütend, dass es ein paar Minuten dauerte, bevor ich in der Lage war, mich zu bewegen. Dann ging ich langsam auf die Tür am Ende des Ganges zu.
Was mich dahinter erwartete, war noch unerfreulicher als befürchtet. Scheinbar war jeder gekommen, den ich in Forks kannte, und alle starrten mich an. Charlie stürzte auf mich zu; abwehrend hob ich meine Hände.
»Alles okay mit mir«, versicherte ich ihm mürrisch. Ich war immer noch gereizt und alles andere als in Plauderstimmung.
»Was hat der Doktor gesagt?«
»Dr. Cullen hat mich untersucht und gesagt, dass mir nichts fehlt und dass ich nach Hause gehen kann,« Ich seufzte. Mike, Jessica, Eric - alle waren da und kamen langsam näher. »Lass uns fahren«, drängte ich.
Charlie hielt seine Hand schützend hinter meinen Rücken, ohne mich zu berühren, und führte mich durch die Glastüren nach draußen. Ich winkte meinen Freunden verlegen zu, in der Hoffnung, dass sie sich keine Sorgen mehr um mich machten. Es war eine enorme Erleichterung, in den Streifenwagen zu steigen - das war mir vorher auch noch nicht passiert.
Wir fuhren schweigend. Ich war so in meine Gedanken versunken, dass ich Charlie neben mir kaum wahrnahm. Edwards abwehrendes Verhalten im Gang hatte meine Gewissheit nur bestärkt, dass die bizarren Dinge, die ich gesehen hatte und an die ich selber kaum glauben konnte, wirklich passiert waren.
„Sie kommen wohl doch nicht so gut miteinander aus.“, sagte Edward.
Charlie bekam seinen Mund nicht auf, bis wir zu Hause waren.
»Ahm ... vielleicht solltest du Renee anrufen.« Schuldbewusst ließ er den Kopf hängen.
Ich war entsetzt. »Du hast es Mom gesagt?!«
»Tut mir leid.«
„Natürlich hat er ihrer Mutter bescheid gesagt. Sie hat das Recht es zu erfahren.“, sagte Esme.
Beim Aussteigen schlug ich die Tür des Streifenwagens etwas heftiger als notwendig zu.
Mom war, wie nicht anders zu erwarten, vollkommen aufgelöst. Ich musste ihr bestimmt dreißig Mal beteuern, dass es mir gutging, bevor sie sich halbwegs beruhigte. Dann flehte sie mich an, nach Hause zu kommen - als würde dort mehr auf mich warten als eine leere Wohnung. Ich war überrascht, wie leicht es mir fiel, ihren Bitten zu widerstehen. Edwards Geheimnis hatte mich in seinen Bann gezogen. Und er selber auch, mehr als nur ein bisschen. Dumm, dumm, dumm - genau das war es. Ich war bei weitem nicht mehr so erpicht darauf, Forks zu verlassen, wie ich es sein sollte - wie es jeder normale, vernünftige Mensch wäre.
„Sie hat es wirklich schlecht.“, sagte Emmett. „Du solltest mit ihr zusammenziehen.“ Er ließ sich von nichts die gute Laune verderben.
Genervt von Charlies sorgenvollen Blicken, entschloss ich mich, zeitig schlafen zu gehen. Ich holte mir drei Tylenol aus dem Badezimmer. Sie halfen tatsächlich, und als der Schmerz langsam nachließ, schlief ich ein.
In dieser Nacht träumte ich zum ersten Mal von Edward Cullen.
„Oh, ich frage mich, was sie träumt.“, sagte Alice gespannt.
„Das ist das Ende das Kapitels.“, sagte Emmett enttäuscht. Auch er wollte den Traum hören.
„Ich denke ich werde das nächste Kapitel lesen, wenn das okay für euch ist.“, sagte Esme.
„Sicher.“ Emmett reichte Esme das Buch..
Etwas war anders, als ich am Morgen meine Augen öffnete.
Es war das Licht. Es war immer noch graugrün wie an einem wolkigen Tag im Wald, aber irgendwie klarer. Der Nebel, der sonst mein Fenster von außen verhängte, hatte sich aufgelöst.
Ich sprang auf, um hinauszuschauen,
„Sie wird enttäuscht sein. Es hat garantiert geschneit.“, kicherte Emmett.
und dann stöhnte ich vor Entsetzen.
Eine dünne Schneeschicht hatte den Vorgarten überzogen, das Dach meines Transporters bestäubt und die Straße weiß gefärbt.
Doch etwas anderes war noch schlimmer. Das Regenwasser vom Vortag war über Nacht gefroren und ummantelte die Nadeln der Bäume in fantastischen, wunderhübschen Mustern; außerdem hatte es die Auffahrt in eine tödliche Eisfläche verwandelt.
Es fiel mir schon bei trockenem Boden schwer genug, nicht hinzufallen; vielleicht war es sicherer für mich, einfach wieder ins Bett zu gehen.
„Ich frage mich, wie oft sie in diesem Kapitel hinfallen wird.“ Emmett lachte.
Charlie war schon zur Arbeit gefahren, als ich nach unten kam. Das Zusammenleben mit ihm war auf vielerlei Weise so, als hätte ich meine eigene Wohnung, und ich merkte, dass ich das Alleinsein genoss - ich fühlte mich nicht einsam.
Ich schaufelte in Windeseile eine Schüssel Cornflakes in mich hinein und trank ein paar Schlucke Orangensaft direkt aus der Packung. Ich konnte es trotz des Wetters kaum erwarten, in die Schule zu kommen, und das ängstigte mich.
„Durchaus beängstigend.“, kommentierte Emmett.
„Besonders wenn man bedenkt, dass sie mich sehen wird.“, sagte Edward.
Ich wusste, dass es nicht der spannende Unterricht oder meine neuen Freunde waren, auf die ich mich so freute. Wenn ich ehrlich war, dann musste ich mir eingestehen, dass ich es allein deshalb so eilig hatte, weil ich Edward Cullen wiedersehen würde. Und das war sehr, sehr dumm.
„Das ist es.“, seufzte Edward.
Nach meinem hirnlosen und peinlichen Gebrabbel gestern in Bio sollte ich ihm am besten ganz aus dem Weg gehen. Zudem war ich misstrauisch: Wieso hatte er meine Frage zu se ner Augenfarbe mit einer Lüge beantwortet?
Und während mir die Feindseligkeit, die er manchmal ausstrahlte, immer noch Angst machte, ließ mich sein makelloses Aussehen nach wie vor verstummen. Mir war klar, dass wir nicht in derselben Liga spielten - nicht im Entferntesten.
„Ich finde nicht, dass sie mit dem Letzten recht hat.“, sagte Edward.
„Dann spielt ihr also in der selben Liga?“ Emmett sah seinen Bruder mit hebenden Augenbrauen an.
„Ernsthaft, ich will damit nur sagen, dass ich nichts besseres bin, nur weil ich anders aussehe.“, sagte Edward.
„Aber du bist nun einmal eine wundervolle Person.“, sagte Esme sanft.
Es gab also genügend Gründe, warum ich alles andere als begierig darauf sein sollte, ihn zu sehen.
Es erforderte meine ganze Konzentration, heil über die vereiste Auffahrt zu meinem Transporter zu kommen. Als ich fast am Ziel war, verlor ich die Balance, konnte mich aber am Seitenspiegel festhalten. Dieser Tag würde ein Albtraum werden, so viel war klar.
„Wenn das Wetter so ist, sollte sie besser nicht zur Schule gehen.“, sagte Edward sorgenvoll.
„Und uns den Spaß vorenthalten.“, kicherte Emmett.
„Wohl eher deinen Spaß.“, seufzte Alice.
Emmett sagte nichts weiter, auch wenn er ihr zuzustimmen schien.
Auf dem Weg zur Schule lenkte ich mich von meiner Angst vor Unfällen und den ungewollten Spekulationen über Edward Cullen ab, indem ich mir Gedanken über Mike und Eric machte und darüber, wie Jungen meines Alters hier in Forks auf mich reagierten - im Gegensatz zu ihrem Desinteresse in Phoenix. Ich sah noch genauso aus wie dort, das stand fest.
Vielleicht lag es einfach daran, dass die Jungs zu Hause mich schon gekannt hatten, als ich die verschiedenen peinlichen Phasen der Pubertät durchmachte, und in mir noch dasselbe Mädchen sahen. Oder es hatte damit zu tun, dass ich neu in einem Ort war, wo sonst immer alles beim Alten blieb.
Möglicherweise fanden sie meine lästige Tollpatschigkeit nicht erbärmlich, sondern liebenswürdig und sahen in mir eine Jungfer in Nöten. Woran es auch lag, Mikes schwänzelnde Ergebenheit und Erics offensichtliche Rivalität ihm gegenüber behagten mir nicht. Hätte ich die Wahl gehabt, ich hätte die alte Ignoranz der neuen Aufmerksamkeit vorgezogen.
Rosalie schnaubte.
„Ich wette, es hat mit ihrer Tollpatschigkeit zutun. Wer liebt kleine Basel nicht?“, kicherte Emmett.
„Es hat wahrscheinlich etwas damit zutun, dass sie neu ist. Die Jungs hier sind sehr angetan von ihr.“, sagte Edward.
„Es genügt zu wissen, wer sie ist. Sie ist eine liebevolle Person.“, sagte Esme.
Mein Transporter schien keinerlei Probleme mit dem schmutzigen Eis zu haben, das die Straßen bedeckte. Ich fuhr trotzdem sehr langsam, schließlich wollte ich keine Spur der Verwüstung auf den Straßen von Forks hinterlassen.
Beim Aussteigen sah ich, warum die Fahrt zur Schule so problemlos verlaufen war. Etwas silbrig Glänzendes stach mir ins Auge, und ich ging - eine Hand immer an der Karosserie, um nicht auszurutschen - um den Transporter herum, um mir die Reifen anzuschauen.
„Charlie muss Ketten um die Reifen gelegt habe. Sehr lieb von ihm.“ Esme lächelte.
Sie waren von dünnen Ketten umspannt, die sich kreuzten und diamantenförmige Muster bildeten. Schneeketten. Charlie war wer weiß wie früh aufgestanden und hatte sie angebracht.
Etwas schnürte mir die Kehle zu - ich war es nicht gewohnt, dass jemand sich um mich kümmerte, und Charlies stillschweigende Fürsorge rührte mich.
Esme lächelte noch breiter.
Als ich dort stand, an der hinteren Ecke des Transporters, und mit den unerwarteten Gefühlen kämpfte, hörte ich ein merkwürdiges Geräusch. Es klang hoch und kreischend, und es wurde schnell schmerzhaft laut. Erschrocken blickte ich auf.
„Das Geräusch gefällt mir nicht..“, murmelte Edward.
Ich sah mehrere Dinge auf einmal, aber nichts davon geschah in Zeitlupe wie im Film. Stattdessen schien der Adrenalinstoß meine Denkgeschwindigkeit zu erhöhen, so dass mein Gehirn eine Reihe ungewöhnlich scharfer Momentaufnahmen gleichzeitig machen konnte.
Vier Autos weiter stand Edward Cullen und starrte mich entsetzt an. Sein Gesicht trat aus einem Meer von Gesichtern hervor, die alle zu einer einheitlichen Maske des Schocks versteinert waren. Was aber in dem Moment entscheidender war:
Ein dunkelblauer Van rutschte mit blockierten Bremsen wild schlingernd über den vereisten Parkplatz, direkt auf meinen Transporter zu. Vor dem ich stand. Mir blieb nicht einmal Zeit, die Augen zu schließen.
„NEIN.“, sagte Edward laut.
„Oh Gott.“, stieß Esme hervor.
Unmittelbar bevor ich hörte, wie sich der Van laut scheppernd um den hinteren Kotflügel des Transporters faltete, traf mich ein harter Schlag, aber nicht aus der erwarteten Richtung.
„Das bist hoffentlich nicht du.“, sagte Rosalie.
„Was-“ Edward stoppte sich und dachte nach. „Was hast du vor, wenn ich das wirklich sein sollte?“
„Du wirst uns alle verraten.“, knurrte sie.
Edward antwortete nicht. Er ging im Kopf alle Möglichkeiten durch, was passieren könnte und wusste, dass er das Mädchen schützen würde.
Mein Kopf knallte auf den eisigen Asphalt, und etwas Festes und Kaltes drückte mich zu Boden. Ich lag auf dem Pflaster, und zwar hinter dem hellbraunen Wagen, neben dem ich geparkt hatte.
Mehr nahm ich nicht wahr, denn der Van war immer noch in Bewegung - er hatte sich knirschend um das Heck des Transporters geknüllt und schlingerte nun seitlich weiter auf mich zu. Gleich würde er mich abermals erfassen.
„Noch weniger Glück wäre unmöglich..“, seufzte Edward.
Ein leiser Fluch signalisierte mir, dass ich nicht allein war. Die Stimme war unverkennbar.
Blitzartig schoben sich zwei lange, weiße Hände schützend vor meinen Körper, und der Van kam etwa dreißig Zentimeter neben meinem Kopf rüttelnd zum Stehen. Wie durch eine Fügung passten die großen Hände genau in die tiefe Delle in der Seite des Vans.
„EDWARD“, schrie Rosalie und fletschte die Zähne.
Dann bewegten sie sich so schnell, dass sie vor meinen Augen verschwammen. Eine Hand griff plötzlich unter die Karosserie des Vans, dann wurde ich weggezogen, und meine Beine flogen umher wie die einer Schlenkerpuppe, bis sie an die Reifen des hellbraunen Autos schlugen.
Das dumpfe, metallische Geräusch eines Aufpralls schmerzte in meinen Ohren, Glas zersplitterte, und dann kam der Van endgültig auf dem Asphalt zum Stillstand - genau dort, wo sich eine Sekunde zuvor meine Beine befunden hatten.
„Das ist nicht gut..“, flüsterte Edward, und wenn es möglich gewesen wäre, wäre er wohl erbleicht.
„Absolut nicht gut. Du hast alles wegen einem dummen Mädchen ruiniert.“, fauchte Rosalie.
„Sie ist nicht dumm.“, gab Edward zurück.
„Nein, aber wenn sie es wäre, hätte sie nicht bemerkt, dass du den Van bewegt hast.“, knurrte sie.
„Beruhige dich, Rosalie. Edward hat das richtige getan, auch wenn ich mir wünschte, sie hätte nicht so viel bemerkt.“, sagte Carlisle.
„Aber..“, Rosalie sah ihren Vater fassungslos an.
„Ich bin stolz auf dich.“, sagte Esme und schlang die Arme um Edward.
„Wie auch immer.“, grunzte Rosalie frustriert, sagte aber nichts weiter.
Eine endlose Sekunde lang herrschte absolute Stille, dann schrien alle durcheinander. Inmitten des plötzlichen Tumults hörte ich mehrere Menschen meinen Namen rufen. Doch viel deutlicher drang Edward Cullens leise, verzweifelte Stimme an mein Ohr.
»Bella? Ist alles in Ordnung?«
»Mir geht's gut.« Meine Stimme klang eigenartig. Ich versuchte mich aufzusetzen und merkte erst jetzt, dass er mich fest an seine Seite presste.
»Vorsicht«, warnte er, als ich mich mühsam bewegte. »Ich glaube, du bist ziemlich hart mit dem Kopf aufgeschlagen.«
„Deine Entschuldigung für das, was sie gesehen hat.“, sagte Rosalie. „Nicht, dass sie es glauben würde.“
Erst da spürte ich den pulsierenden Schmerz über meinem linken Ohr.
»Au«, sagte ich überrascht.
»Hab ich's mir doch gedacht.« Erstaunlicherweise klang seine Stimme, als müsste er ein Lachen unterdrücken.
»Wie zum ...« Ich hielt inne und versuchte mich zu orientieren und meine Gedanken zu ordnen. »Wie bist du so schnell hier gewesen?«
»Ich stand direkt neben dir, Bella«, sagte er. Sein Tonfall war wieder ganz ernst.
Ich drehte mich weg, um mich aufzusetzen, und dieses Mal ließ er es geschehen; er löste seinen Griff um meine Taille und rutschte so weit von mir weg, wie es der schmale Zwischenraum gestattete. Ich blickte in seine besorgte Unschuldsmiene, und erneut verhinderten seine goldfarbenen Augen, dass ich klar denken konnte.
Was fragte ich ihn da eigentlich?
„Vielleicht solltest du sie den Rest des Tages so ansehen, damit sie alles vergisst.“, schlug Alice vor.
Und dann fanden sie uns: Mit tränenüberströmten Gesichtern schrien sie uns, schrien sie sich gegenseitig an.
»Nicht bewegen«, kommandierte jemand.
»Holt Tyler aus dem Van«, brüllte ein anderer.
Hektische Betriebsamkeit umgab uns. Ich versuchte aufzustehen, doch Edwards kalte Hand drückte meine Schulter nach unten.
»Bleib erst mal sitzen.«
»Aber es ist kalt«, maulte ich.
„Jep, darum würde ich mir jetzt auch Sorgen machen.“, lachte Emmett und Edward seufzte.
Ich war überrascht, als er leise vor sich hin lachte. Es klang irgendwie nervös.
Plötzlich fiel es mir wieder ein: »Du warst dort drüben.« Sein Kichern erstarb. »Bei deinem Auto.«
In sein Gesicht trat ein harter Ausdruck. »Nein, war ich nicht.«
„Edward, du bist ein besserer Lügner.“, sagte Alice missbilligt. „Du musst den Schein waren.“
„Richtig, Edward. Du wirst ihr so niemals klarmachen, dass wir normale Menschen sind.“, sagte Emmett.
»Ich hab dich gesehen.« Um uns herum herrschte Chaos. Von fern näherten sich die schrofferen Stimmen von Erwachsenen. Doch ich ließ nicht locker - ich hatte Recht, und er würde es zugeben.
„Argh. Muss sie so stur sein?“, seufzte Edward.
»Bella, ich stand neben dir, und ich hab dich zur Seite gezogen.« Und als wollte er mir etwas Wichtiges mitteilen, entfesselte er die ganze, überwältigende Kraft seines Blickes.
„Ich glaube nicht, dass dein Charme bei ihr funktionieren wird.“ Alice lachte. „Jedenfalls nicht gut genug.“
»Nein.« Ich war entschlossen, nicht nachzugeben.
Das Gold in seinen Augen funkelte. »Bella, bitte.«
»Warum?«
»Vertrau mir«, bat er leise, mit unwiderstehlich sanfter Stimme.
Dann hörte ich die Sirenen. »Versprichst du, mir später alles zu erklären?«
»Schön, wie du willst«, sagte er mit plötzlicher Gereiztheit.
„Du wirst es ihr nicht erzählen.“, knurrte Rosalie.
„Nein, werde ich nicht.“, seufzte Edward.
„Du musst verzweifelt sein, da du den Versprechen brechen musst.“ Alice grinste.
»Schön«, erwiderte ich wütend.
Sechs Rettungshelfer und zwei Lehrer - Mr. Varner und Coach Clapp - waren notwendig, um den Van weit genug beiseitezuschieben, damit sie mit den Tragen zu uns herankamen. Edward lehnte es vehement ab, sich tragen zu lassen, und ich versuchte dasselbe, doch dieser Verräter sagte ihnen, dass ich mir den Kopf gestoßen und wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung hatte.
„Wie konntest du sie nur so verraten.“, sagte Emmett gespielt ernst.
Ich starb fast vor Scham, als sie mir die Halskrause anlegten. Es sah aus, als hätten sich sämtliche Schüler und Lehrer eingefunden, um mit ernsten Mienen zuzusehen, wie ich in den Krankenwagen geschoben wurde. Edward durfte vorne sitzen. Es war zum Verrücktwerden.
Und zu allem Unglück traf auch noch Charlie in voller Polizeimontur ein, bevor sie mich fertig einladen und abtransportieren konnten.
»Bella«, brüllte er panisch, als er mich auf der Trage erkannte.
»Mir geht's gut, Char- Dad«, sagte ich matt. »Nichts passiert.«
„Sie sollte damit warten, bis sie wieder aus dem Krankenhaus kommt.“, sagte Carlisle. „Kopfverletzungen merkt man nicht immer sofort.“
Er wandte sich an den erstbesten Rettungshelfer, um eine zweite Meinung einzuholen, und ich blendete ihn aus, um mich dem Wirrwarr der unerklärlichen Bilder zu widmen, die mir durch den Kopf schossen. Als sie mich auf die Trage gehoben hatten, war mir die tiefe Delle in der Stoßstange des hellbraunen Autos aufgefallen - eine sehr ausgeprägte Delle, die genau den Konturen von Edwards Schultern entsprach ... als hätte er sich mit genug Kraft gegen das Auto gestemmt, um dessen Metallrahmen zu beschädigen …
Und dann war da das Verhalten seiner Geschwister: Sie hatten etwas abseitsgestanden und das Geschehen, ihren Gesichtern nach zu urteilen, mit einer Mischung aus Ablehnung und Wut verfolgt, doch ohne sichtbare Sorge um das Leben ihres Bruders.
„Natürlich nicht.“, sagte Rosalie.
„Ich glaube wir wissen alle, wer hier so ablehnend ist.“, kicherte Emmett und erntete einen bösen Blick von Rosalie.
„Sie hat unsere Reaktionen bemerkt und das bestärkt ihre Überzeugung.“, sagte Jasper.
Ich suchte nach einer logischen Erklärung für das, was ich gerade erlebt hatte - einer, die nicht darauf hinauslief, dass ich geisteskrank war.
Wie nicht anders zu erwarten, wurde der Krankenwagen von einem Streifenwagen zum Bezirkskrankenhaus eskortiert. Während der gesamten Ausladeprozedur fühlte ich mich der Lächerlichkeit preisgegeben, was noch dadurch verstärkt wurde, dass Edward gewohnt elegant und unbehelligt von fremder Hilfe durch die Krankenhaustüren schritt. Wütend biss ich die Zähne zusammen.
Sie brachten mich in die Notaufnahme, einen langen Raum mit nebeneinander aufgereihten Betten, zwischen denen PASTELL-FARBEN gemusterte Tapeten waren. Eine Krankenschwester legte mir die Manschette zum Blutdruckmessen um den Arm und pumpte sie auf, dann schob sie mir ein Thermometer unter die Zunge. Da sich niemand die Mühe machte, den Vorhang weit genug zu schließen, um mir ein wenig Privatsphäre zu verschaffen, kam ich zu dem Schluss, dass ich nicht länger verpflichtet war, die alberne Halskrause zu tragen.
„Das ist nicht richtig.“, seufzte Carlisle. „Auch wenn ich nicht denke, dass ihre Verletzung schwerwiegend ist. Dennoch ist es falsch die Halskrause abzunehmen.“
Sobald die Schwester gegangen war, öffnete ich den Klettverschluss und schmiss sie unter das Bett.
Dann wurde es erneut hektisch; eine weitere Traube Krankenhauspersonal, eine weitere Trage, die zum Bett neben mir gebracht wurde. Unter den blutbeschmierten Binden, die eng um seinen Kopf gewickelt waren, erkannte ich Tyler Crowley aus meinem Politikkurs. Er sah hundertmal schlimmer aus, als ich mich fühlte, trotzdem musterte er mich mit bangem Blick.
»Bella, es tut mir so leid!«
„Ich denke, er könnte Interesse entwickeln“ Emmett lachte. „Kannst du noch mehr Rivalen ertragen?“
„Halt den Mund.“, knurrte Edward.
»Mir geht's gut, Tyler - aber was ist mit dir, du siehst schrecklich aus!« Während wir sprachen, wickelte eine Schwester die schmutzigen Binden ab und legte unzählige oberflächliche Schnittwunden auf seiner Stirn und seiner linken Wange frei.
Er ignorierte die Frage. »Ich dachte, ich bringe dich um! Ich war zu schnell und kam falsch auf das Eis ...«Er zuckte zusammen, als eine Schwester ihm das Gesicht abzutupfen begann.
»Mach dir um mich keine Sorgen; wie du siehst, hast du mich verfehlt.«
»Wie bist du so schnell ausgewichen? Du warst direkt vor mir, und dann warst du auf einmal weg ... «
„Verdammt, das wird sie noch starrsinniger machen.“, seufzte Edward.
»Ahm ... Edward hat mich beiseitegezogen.«
Er war verdutzt. »Wer?«
„Haha, er weiß nicht mal wer du bist.“, lachte Emmett.
»Edward Cullen - er stand neben mir.« Ich war schon immer eine erbärmliche Lügnerin gewesen; es klang nicht mal annähernd überzeugend.
»Cullen? Den hab ich gar nicht gesehen ... Wow, ich nehm an, das ging einfach alles zu schnell. Geht's ihm gut?«
„Und da ist die Antwort, die ein Mensch jetzt geben sollte.“, sagte Edward.
„Redest du von dir oder von Bella?“ Alice kicherte.
»Ich glaub schon. Er muss hier irgendwo sein.«
Ich wusste, dass ich nicht verrückt war. Was war passiert? Es gab keine Erklärung für das, was ich gesehen hatte.
Dann rollten sie mich in meinem Bett davon, um meinen Kopf zu röntgen. Ich sagte ihnen, dass mir nichts fehlt, und ich behielt Recht. Nicht einmal eine Gehirnerschütterung.
„Das hilft ihr auch nicht.“, seufzte Edward.
Ich wollte wissen, ob ich gehen durfte, aber die Schwester meinte, ich müsste erst mit dem Doktor reden. Ich hing also in der Notaufhahme fest und wartete, während Tyler sich pausenlos entschuldigte und versprach, es wiedergutzumachen. Ich konnte noch so oft beteuern, dass es mir gutging, er hörte nicht auf, sich Vorwürfe zu machen. Irgendwann schloss ich die Augen und ignorierte ihn. Er murmelte weiter reumütig vor sich hin.
»Schläft sie?«, fragte eine musikalische Stimme. Schlagartig öffnete ich meine Augen.
Am Fußende meines Bettes stand Edward und grinste. Ich schaute ihn wütend an, was gar nicht so einfach war - ihn anzuschmachten, hätte eher meinem Gefühl entsprochen.
»Hey, Edward, tut mir wirklich leid -«, setzte Tyler an.
Edward hob eine Hand, um ihn zu unterbrechen.
»Nichts passiert«, sagte er und ließ seine strahlenden Zähne aufblitzen.
„Warte, hat sie nicht gesagt, dass Tyler geblutet hat?“, Emmett sah geschockt aus.
„Richtig.“, antwortete Edward.
„Und du beherrscht dich. Sehr gut, Edward.“ Carlisle nickte. „Obwohl, das beweisst, dass sie deine la tua cantante ist. Ihr Geruch muss stärker sein, als sein Blutgeruch.“
Dann setzte er sich, mir zugewandt, auf den Rand von Tylers Bett und grinste erneut.
»Also, wie lautet der Richterspruch?«, fragte er mich.
»Mir fehlt nicht das Geringste, aber sie lassen mich nicht gehen«, klagte ich. »Wieso bist du nicht an eine Bahre geschnallt wie alle anderen Beteiligten?«
»Alles eine Frage von Beziehungen«, antwortete er. »Aber keine Sorge, ich bin gekommen, um dich hier raus zuholen.«
Dann kam ein Arzt um die Ecke gebogen, und mir blieb der Mund offen stehen:
„Ich denke, jetzt ist mein erster Auftritt.“ Carlisle kicherte über die Reaktion des Mädchens.
Er war jung, er war blond ... und schöner als jeder Filmstar, den ich kannte. Er war allerdings auch blass, sah übernächtigt aus und hatte Augenringe. Charlies Beschreibung nach konnte es nur Edwards Vater sein.
»Also, Miss Swan«, sagte Dr. Cullen mit einer bemerkenswert angenehmen Stimme, »wie fühlen Sie sich?«
»Mir geht's gut«, sagte ich und hoffte, dass ich diese Frage nicht noch einmal beantworten musste.
„Das bezweifle ich.“, kicherte Emmett.
Er ging zum Röntgenschirm am Kopfende meines Bettes und schaltete ihn an.
»Die Aufnahmen sehen gut aus«, sagte er. »Tut Ihr Kopf weh? Edward sagt, Sie seien ziemlich hart aufgeschlagen.«
„Ja, sie hatte definitiv einen Schutzengel.“, sagte Carlisle.
„Ich wünschte sie hätte eine leichte Kopfverletzung gehabt..“, seufzte Edward.
»Meinem Kopf geht's auch gut«, wiederholte ich seufzend und warf Edward einen bösen Blick zu.
„Der böse Edward hat sie an den Onkel Doktor verpetzt.“ Emmett kicherte.
Dr. Cullens kühle Finger glitten prüfend über meinen Schädel. Er merkte, dass ich zusammenzuckte.
»Empfindlich?«, fragte er.
»Nicht sehr.« Da hatte ich schon Schlimmeres erlebt.
„Warum überrascht mich das nicht?“ Edward lachte mit Emmett.
Ich hörte ein unterdrücktes Lachen, schaute hinüber und sah Edwards gönnerhaftes Lächeln. Meine Augen verengten sich.
»Gut. Ihr Vater wartet draußen, Sie können jetzt mit ihm nach Hause fahren. Aber kommen Sie wieder her, wenn Ihnen schwindlig wird oder wenn Sie irgendwelche Probleme beim Sehen bekommen.« Ich stellte mir Charlie beim Versuch vor, mich zu umsorgen.
»Kann ich nicht wieder in die Schule?«, fragte ich.
„Zur Schule gehen ist besser?“, fragte Emmett ungläubig.
»Vielleicht sollten Sie es für heute ruhig angehen lassen.«
Ich warf einen Blick auf Edward. »Darf er in die Schule?«
»Irgendjemand muss schließlich die Nachricht überbringen, dass wir überlebt haben«, sagte Edward süffisant.
»Um ehrlich zu sein«, korrigierte Dr. Cullen, »sieht es so aus, als säße der größte Teil der Schule im Wartezimmer.«
„Genau das, was sie hören will.“, lachte Emmett.
„Sie nutzen die Chance, dem Unterricht zu entfliehen.“, sagte Edward.
»Auch das noch«, stöhnte ich und verbarg mein Gesicht in den Händen.
Dr. Cullen zog seine Augenbrauen nach oben. »Möchten Sie lieber noch bleiben?«
»Nein, nein!«, beteuerte ich, schwang meine Beine über die Bettkante und sprang schwungvoll zu Boden. Zu schwungvoll ich schwankte, und Dr. Cullen musste mich auffangen. Er sah besorgt aus.
»Mir geht's gut«, versicherte ich ihm ein weiteres Mal. Er musste ja nicht unbedingt wissen, dass meine Balanceprobleme nichts mit meinem Kopf zu tun hatten.
Darüber lachen alle.
»Nehmen Sie ein paar Tylenol gegen die Schmerzen«, empfahl er mir, während er mich stützte.
»So schlimm ist es nicht«, beharrte ich.
»Es scheint, als hätten Sie großes Glück gehabt«, sagte Dr. Cullen. Lächelnd setzte er eine schwungvolle Unterschrift auf meine Krankenakte.
„Gutes und Schlechtes zusammen.“, sagte Carlisle leise. „Interessante Verbindung.“
»Ich hatte Glück, dass er zufällig neben mir stand«, sagte ich und blickte Edward scharf an.
»Oh - ja, stimmt«, sagte Dr. Cullen, der auf einmal sehr beschäftigt mit seinen Unterlagen war.
Dann wandte er sich ab und ging zu Tylers Bett. Eine plötzliche Intuition sagte mir, dass er Bescheid wusste.
„Ich nehme an, das war unüberlegt von mir.“, sagte Carlisle.
»Sie dagegen werden noch ein wenig bei uns bleiben müssen, fürchte ich«, sagte er zu Tyler und begann mit der Untersuchung seiner Schnittwunden.
Als Dr. Cullen uns den Rücken zugewandt hatte, ging ich zu Edward.
»Kann ich kurz mit dir sprechen?«, zischte ich leise. Er trat einen Schritt zurück und presste seine Kiefer aufeinander.
„Sie war zu nah an mir.“, sagte Edward und schloss die Augen.
»Dein Vater wartet auf dich«, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen.
Ich warf einen Blick auf Dr. Cullen und Tyler.
»Ich möchte unter vier Augen mit dir sprechen, wenn du nichts dagegen hast«, sagte ich hartnäckig.
Er schaute mich wütend an, dann machte er kehrt und entfernte sich mit schnellen Schritten; ich musste fast rennen, um ihm zu folgen. Sobald wir in einen kurzen Gang eingebogen waren, drehte er sich zu mir herum.
»Was willst du?«, fragte er genervt. Sein Blick war kalt.
„Edward.“, sagte Esme. „Hör auf so unhöflich zu sein..“
„Ich denke, ich will sie einfach nur vor mir in Sicherheit bringen.“, sagte Edward. „Es ist besser für sie, wenn sie mich nicht leiden kann.“
Seine Unfreundlichkeit schüchterte mich so sehr ein, dass meine Worte weniger scharf klangen, als ich es beabsichtigt hatte. »Du bist mir eine Erklärung schuldig«, erinnerte ich ihn.
»Ich hab dir das Leben gerettet - ich bin dir gar nichts schuldig.«
Seine Gereiztheit ließ mich zurückzucken. »Du hast es versprochen.«
»Bella, du hast dir den Kopf gestoßen, du weißt nicht, was du redest«, sagte er mit schneidender Stimme.
Zorn packte mich und ich funkelte ihn trotzig an. »Mit meinem Kopf ist alles okay.«
Er hielt meinem Blick stand. »Was willst du von mir, Bella?«
»Ich will die Wahrheit wissen«, sagte ich. »Ich will wissen, warum ich für dich lüge.«
„Auf diese gute Frage, werde ich Niemals eine Antwort haben.“, seufzte Edward.
»Was ist denn deiner Meinung nach passiert?«, fauchte er.
Und dann sprudelte es aus mir heraus.
»Ich weiß nur, dass du nicht in meiner Nähe warst - und Tyler hat dich auch nicht gesehen, also erzähl mir gefälligst nicht, dass mein Kopf was abbekommen hat. Der Van hätte uns beide getötet - hat er aber nicht, und dann hatte er plötzlich Dellen, wo deine Hände waren - und das andere Auto auch, aber du bist überhaupt nicht verletzt - und der Van hätte eigentlich meine Beine zerquetschen müssen, aber du hast ihn hochgehalten ...« Als ich merkte, wie verrückt das klang, konnte ich nicht weiterreden. Ich war so wütend, dass mir Tränen in die Augen stiegen; ich biss die Zähne zusammen, um sie zurückzuhalten.
Er schaute mich ungläubig an, doch sein Gesicht war angespannt, eine Maske der Abwehr.
„Das ist.. Bist du geschockt?“, fragte Jasper.
„Das ist möglich..“, sagte Edward in einem Ton, der den anderen zeigt, dass er eine Idee hatte.
„Warum bist du überhaupt geschockt?“, sagte Emmett. „Bella denkt seid dem Unfall an nichts anderes.“
„Ich weiß..“, sagte Edward. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich ihre Gedanken nicht lesen kann.“
Eine Sekunde lang herrschte Stille. „Was?“, fragte Emmett ungläubig.
„Aber du hört jeden.“, sagte Jasper. „Wie kommst du darauf?“
„Es ist die Art und Weise, wie ich auf sie reagiere.“, sagte Edward. „Ich sollte viel mehr wissen, aber ich werde immer überrascht.“
„Und da war diese Stelle, wo sie sich ein offenes Buch nannte, du aber sagtest, sie wäre schwer zu lesen.“, sagte Carlisle. Es sah aus, als würde er Edward zustimmen.
„Ich denke an die Stelle, wo sie sagte, du wärst ein guter Leser.“, sagte Alice. „Du sagtest „meistens“, ein weiterer Punkt.“
„Stellt euch das nur vor, es gibt Jemanden, dessen Gedanken Edward nicht lesen kann.“, lachte Emmett.
„Das ist nicht witzig. Es zeigt, dass diese Situation nicht real sein muss.“, sagte Rosalie kritisch.
„Ich denke, dass es wahr ist, aber es wäre schon sehr ironisch, dass Edward sich in das Mädchen verliebt, dessen Gedanken er nicht lesen kann.“, sagte Emmett und versuchte nicht zu lachen. Er scheiterte.
„Niemand verliebt sich hier.“, knurrte Edward.
'Komm schon Edward. Selbst du musst bemerken, wie du dich diesem Mädchen gegenüber verhälst. Und auch während wir lesen, sagst du eindeutige Dinge.', dachte Alice.
»Du bist also der Meinung, ich hätte einen Van angehoben?« Seinem Tonfall nach zu urteilen zweifelte er an meiner geistigen Gesundheit, doch das steigerte nur meinen Argwohn. Es klang wie ein auswendig gelernter Drehbuchsatz aus dem Mund eines talentierten Schauspielers.
Ich nickte nur, die Zähne zusammengebissen.
»Das wird dir niemand glauben, das ist dir klar, oder?« In seiner Stimme schwang jetzt Spott mit.
„Sie darf es nicht erfahren.“, sagte Rosalie.
„Sie ist zu starrsinnig, um so einfach aufzugeben.“ Edward seufzte.
»Ich hab nicht vor, es irgend jemandem zu sagen.« Ich sprach langsam und deutlich, bemüht, meine Wut im Zaum zu halten.
Ein Ausdruck der Verwunderung glitt über sein Gesicht.
„So überraschend ist das nicht.“ Edward lächelte. „Es passt zu ihrem Charakter.“
'Das ist das, was ich eben gemeint habe.', dachte Alice und strahlte ihren Bruder an.
»Warum ist es dann so wichtig?«
»Es ist mir wichtig«, beharrte ich. »Ich lüge nicht gerne, und wenn ich es tue, will ich einen guten Grund dafür haben.«
»Kannst du mir nicht einfach danken und die Sache vergessen?«
„Hättest du etwas wie 'um meine Familie und mich zu schützen' gesagt, hättest du größere Chancen gehabt.“, sagte Alice.
„Das wäre nur noch auffälliger.“, sagte Edward.
»Danke.« Ich wartete, innerlich schäumend vor Wut.
»Du lässt nicht locker, oder?«
»Nein.«
»Dann hoffe ich, dass du mit Enttäuschungen umgehen kannst.«
„Das gefällt mir nicht.“, sagte Jasper. „Irgendwas sagt mir, dass sie nicht lange enttäuscht sein wird.“
„Du denkst, dass sie es herausfindet?“, fragte Edward besorgt.
„Ach komm schon, Edward.“, sagte Jasper. „Sie ist klug, nimmt viel wahr, hat dich dabei beobachtet, wie du seltsame Dinge vollbracht hast und ist zu stur um aufzugeben. Früher oder später wird sie es herausfinden.“
„Du bist ein Idiot.“, sagte Rosalie, nachdem alle ein paar Sekunden geschwiegen hatten.
Wir funkelten uns böse an. Und dann war ich es, die das Schweigen brach. Ich musste mich zusammenreißen - es war schwer, seinem zornigen, herrlichen Gesicht zu widerstehen. Ebenso gut hätte ich mich auf ein Blickduell mit einem Racheengel einlassen können.
»Warum hast du dir überhaupt die Mühe gemacht?«, fragte ich mit frostiger Stimme.
„Das frage ich mich auch.“, sagte Rosalie kalt.
„Sie ist es Wert.“, schnappte Edward.
Er zögerte, und einen kurzen Moment lang sah sein Gesicht überraschend verletzlich aus.
»Ich weiß es nicht«, flüsterte er.
„Typisch Mann.“, sagte Alice.
„Genau.“, sagte Emmett. „Du lieeeeeebst sie.“
„Oh, ich hoffe, dass ihr recht habt.“, sagte Esme liebevoll.
Dann drehte er sich um und ging davon.
Ich war so wütend, dass es ein paar Minuten dauerte, bevor ich in der Lage war, mich zu bewegen. Dann ging ich langsam auf die Tür am Ende des Ganges zu.
Was mich dahinter erwartete, war noch unerfreulicher als befürchtet. Scheinbar war jeder gekommen, den ich in Forks kannte, und alle starrten mich an. Charlie stürzte auf mich zu; abwehrend hob ich meine Hände.
»Alles okay mit mir«, versicherte ich ihm mürrisch. Ich war immer noch gereizt und alles andere als in Plauderstimmung.
»Was hat der Doktor gesagt?«
»Dr. Cullen hat mich untersucht und gesagt, dass mir nichts fehlt und dass ich nach Hause gehen kann,« Ich seufzte. Mike, Jessica, Eric - alle waren da und kamen langsam näher. »Lass uns fahren«, drängte ich.
Charlie hielt seine Hand schützend hinter meinen Rücken, ohne mich zu berühren, und führte mich durch die Glastüren nach draußen. Ich winkte meinen Freunden verlegen zu, in der Hoffnung, dass sie sich keine Sorgen mehr um mich machten. Es war eine enorme Erleichterung, in den Streifenwagen zu steigen - das war mir vorher auch noch nicht passiert.
Wir fuhren schweigend. Ich war so in meine Gedanken versunken, dass ich Charlie neben mir kaum wahrnahm. Edwards abwehrendes Verhalten im Gang hatte meine Gewissheit nur bestärkt, dass die bizarren Dinge, die ich gesehen hatte und an die ich selber kaum glauben konnte, wirklich passiert waren.
„Sie kommen wohl doch nicht so gut miteinander aus.“, sagte Edward.
Charlie bekam seinen Mund nicht auf, bis wir zu Hause waren.
»Ahm ... vielleicht solltest du Renee anrufen.« Schuldbewusst ließ er den Kopf hängen.
Ich war entsetzt. »Du hast es Mom gesagt?!«
»Tut mir leid.«
„Natürlich hat er ihrer Mutter bescheid gesagt. Sie hat das Recht es zu erfahren.“, sagte Esme.
Beim Aussteigen schlug ich die Tür des Streifenwagens etwas heftiger als notwendig zu.
Mom war, wie nicht anders zu erwarten, vollkommen aufgelöst. Ich musste ihr bestimmt dreißig Mal beteuern, dass es mir gutging, bevor sie sich halbwegs beruhigte. Dann flehte sie mich an, nach Hause zu kommen - als würde dort mehr auf mich warten als eine leere Wohnung. Ich war überrascht, wie leicht es mir fiel, ihren Bitten zu widerstehen. Edwards Geheimnis hatte mich in seinen Bann gezogen. Und er selber auch, mehr als nur ein bisschen. Dumm, dumm, dumm - genau das war es. Ich war bei weitem nicht mehr so erpicht darauf, Forks zu verlassen, wie ich es sein sollte - wie es jeder normale, vernünftige Mensch wäre.
„Sie hat es wirklich schlecht.“, sagte Emmett. „Du solltest mit ihr zusammenziehen.“ Er ließ sich von nichts die gute Laune verderben.
Genervt von Charlies sorgenvollen Blicken, entschloss ich mich, zeitig schlafen zu gehen. Ich holte mir drei Tylenol aus dem Badezimmer. Sie halfen tatsächlich, und als der Schmerz langsam nachließ, schlief ich ein.
In dieser Nacht träumte ich zum ersten Mal von Edward Cullen.
„Oh, ich frage mich, was sie träumt.“, sagte Alice gespannt.
„Das ist das Ende das Kapitels.“, sagte Emmett enttäuscht. Auch er wollte den Traum hören.
„Ich denke ich werde das nächste Kapitel lesen, wenn das okay für euch ist.“, sagte Esme.
„Sicher.“ Emmett reichte Esme das Buch..
Drittes Kapitel - Wie ein offenes Buch
„Wie ein offenes Buch.“, las Edward.
Der nächste Tag war besser ... und schlimmer.
„Wer will wetten, dass Edward etwas damit zu tun hat?“, kicherte Emmett.
„Nein, das ist zu einfach.“, sagte Jasper, der ebenfalls über Edward lachte. „Wir müssen wetten, ob er daran schuld ist, dass der Tag gut oder schlecht ist.“
„Du hast recht.“, sagte Emmett nachdenklich. „Ich wette..“
„Halt den Mund.“, grollte Edward und seine Brüder nahmen diesmal seine Warnung ernst.
Er war besser, weil es nicht regnete, zumindest nicht gleich morgens, obwohl die Wolken dicht und trüb am Himmel hingen. Und einfacher, weil ich wusste, was mich erwartete. Mike setzte sich in Englisch zu mir und begleitete mich unter den feindseligen Blicken von Schachklub-Eric zu meinem nächsten Kurs; das war doch immerhin schmeichelhaft.
„Sie scheint Aufmerksamkeit von Jungen nicht zu mögen.“, stellte Alice fest.
„Seltsam.“, murmelte Rosalie ungläubig.
Ich wurde nicht mehr ständig angestarrt wie am Vortag. Ich saß mit einer großen Gruppe von Leuten beim Mittagessen, darunter Mike, Eric, Jessica und einige andere, deren Gesichter und Namen ich mir mittlerweile merken konnte. Ich bekam das Gefühl, langsam schwimmen zu lernen, anstatt nur hilflos mit den Armen zu rudern.
Er war schlimmer, weil ich müde war; ich konnte noch immer nicht schlafen, weil der Wind um das Haus heulte. Er war schlimmer, weil mich Mr. Varner in Mathe aufrief, obwohl ich mich nicht gemeldet hatte, und meine Antwort falsch war. Er wurde richtig schlimm, als ich Volleyball spielen musste und den Ball beim einzigen Mal, als ich ihm nicht auswich, einer Mannschaftskameradin an den Kopf schoss.
Emmett lachte laut. „Ich wünschte ich hätte mit ihr Sport!“
Vor allem aber war der zweite Tag deshalb schlimmer als der erste, weil Edward Cullen nicht in der Schule war.
„Siehst du Eddy, du bist drin!“, lachte Emmett wieder über Edward.
„Du bist gegangen..“, seufzte Esme traurig.
„Vielleicht bin ich einfach nur nicht zur Schule gegangen.“, versuchte Edward es den anderen auszureden.
'Du weißt, dass du uns verlassen hast.', dachte Alice und warf Edward einen langen Blick zu.
Den ganzen Vormittag über graute mir bei dem Gedanken an die Mittagspause und seine unerklärlichen, hasserfüllten Blicke. Ein Teil von mir wollte zu ihm gehen und eine Erklärung verlangen. Nachts, als ich im Bett lag und nicht schlafen konnte, hatte ich mir sogar überlegt, was ich sagen würde. Doch ich kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich nicht den nötigen Mumm dafür hatte. Verglichen mit mir war der feige Löwe aus Der Zauberer von Oz ein Superheld.
„Ein Löwe ist aber kein Superheld.“, murmelte Edward.
„Und ich glaube nicht, dass das Mädchen feige ist.“, sagte Carlisle.
Als ich dann mit Jessica die Cafeteria betrat und vergeblich versuchte, nicht den ganzen Saal mit den Augen nach ihm abzusuchen, sah ich seine vier QuasiGeschwister gemeinsam am gleichen Tisch sitzen wie tags zuvor - er jedoch war nirgends zu sehen.
„Quasigeschwister ist eine gute Beschreibung für uns.“
Mike fing uns ab und brachte uns zu seinem Tisch. Jessica schien seine Aufmerksamkeit in Hochstimmung zu versetzen,
„Ja, das tut es.“, sagte Edward. „Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er ihre Leidenschaft von mir auf sich gelenkt hat.“
und ihre Freundinnen und Freunde gesellten sich schnell zu uns. Ich versuchte ihrem ungezwungenen Geplauder zu folgen, doch mir war überhaupt nicht wohl dabei - nervös wartete ich auf seine Ankunft und hoffte nur, dass er mich ignorieren und damit meine Befürchtungen widerlegen würde.
Er kam nicht, und ich wurde immer angespannter.
„Sie denkt definitiv viel über dich nach.“, stichelte Emmett weiter.
„Ich habe sie mit einem Mörderblick angesehen. Natürlich denkt sie darüber nach.“, gab Edward zurück.
„Ich bin mir nicht so sicher, WARUM sie an dich denkt.“, grinste Emmett.
Als er bis zum Ende der Pause nicht aufgetaucht war, ging ich etwas mutiger zu Biologie. Mike entwickelte immer mehr die Verhaltensweisen eines Golden Retriver und wich den ganzen Weg nicht von meiner Seite.
„Eine sehr treffende Beschreibung.“, gröhlte Emmett.
Als wir den Raum betraten, hielt ich die Luft an, doch auch hier war nichts von Edward Cullen zu sehen. Erleichtert atmete ich aus und ging zu meinem Platz.
Mike folgte mir und erzählte von einem geplanten Ausflug zum Strand. Er blieb bei meinem Tisch, bis es klingelte, dann lächelte er wehmütig und setzte sich neben ein Mädchen mit Zahnspange und missratener Dauerwelle. Ich musste mir etwas einfallen lassen, was Mike anging, doch es würde nicht einfach werden. In einer Stadt wie dieser, in der alle aufeinanderhockten, war Diplomatie gefragt. Ich hatte keinerlei Erfahrung im Umgang mit allzu freundlichen Jungs.
„Sie mag Mike nicht.“
„Genau, Eddy. Du brauchst dir wegen ihm keine Sorgen zu machen.“, fügte Emmett hinzuu.
Edward schwieg eisern, doch seine Augen leuchteten kurz auf.
Ich war froh, dass Edward nicht da war und ich den Tisch für mich allein hatte. Das redete ich mir zumindest ein, immer wieder, ohne jedoch den schleichenden Verdacht loszuwerden, dass ich der Grund für seine Abwesenheit war. Es war natürlich völlig albern und egozentrisch, mir einzubilden, dass ich jemanden so stark beeinflussen könnte. Es war unmöglich. Und doch konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, dass es stimmte.
„Oh, es ist war!“, rief Alice mit ihrer singenden Stimme...
Als der Schultag endlich geschafft und das Blut nach dem Zwischenfall beim Volleyball wieder aus meinen Wangen gewichen war, zog ich mir schnell meine Jeans und meinen marineblauen Pullover an. Ich hatte es eilig, den Umkleideraum zu verlassen, und war froh, als ich sah, dass ich meinem Freund, dem Golden Retriver, für den Moment entkommen war. Rasch lief ich zum Parkplatz, der von flüchtenden Schülern bevölkert war, stieg in meinen Transporter und kramte in meiner Tasche, um sicherzugehen, dass ich alles Nötige eingepackt hatte.
Am Abend zuvor hatte ich nämlich entdeckt, dass Charlies Kochkünste nicht über Spiegeleier mit Speck hinausgingen, und für die Dauer meines Aufenthaltes das Küchenkommando beansprucht.
„Ich denke wir werden in diesem Buch viel über Essen lesen.“ Jasper verzog das Gesicht.
„Zumindest müssen wir es nicht riechen.“, seufzte Edward.
Charlie war einverstanden gewesen. Außerdem hatte ich herausgefunden, dass nichts Essbares im Haus war, weshalb ich mich jetzt mit meiner Liste und ein paar Scheinen aus einer Dose mit der Aufschrift »Einkaufsgeld« auf den Weg zu Thriftway machte.
Ich ließ meinen lärmenden Motor aufheulen, ignorierte die Leute, die sich nach mir umdrehten, legte den Rückwärtsgang ein und reihte mich vorsichtig in die Schlange der Fahrzeuge ein, die den Parkplatz verlassen wollten. Während ich wartete und so tat, als käme das ohrenbetäubende Dröhnen von einem anderen Auto, sah ich die beiden Cullens und die Haie-Zwillinge in ihren Wagen steigen. Es war der blitzende neue Volvo natürlich. Bisher hatten mich ihre Gesichter zu sehr gefesselt, als dass ich auf ihre Kleidung geachtet hätte,
„Hm..“, machte Alice und sah unglücklich aus.
doch jetzt sah ich, dass sie allesamt außerordentlich gut gekleidet waren: Sie trugen schlichte Sachen, die subtil auf ihre Designer-Herkunft schließen ließen. Dabei hätten sie bei ihrem Aussehen und der Art und Weise ihres Auftretens genauso gut in Lumpen gehen können.
„Auf keinen Fall.“, sagten Rosalie und Alice gleichzeitig entsetzt.
War es nicht zu viel des Guten, nicht nur blendend auszusehen, sondern auch noch Geld zu haben?
„Das haben wir unserer kleinen Nervensäge zu verdanken.“ Emmett griff Alice in die stacheligen Haare, doch sie wich aus.
„Nur deshalb wollten wir sie bei uns haben.“, kicherte Edward und grinste seine Lieblingsschwester an.
Doch soweit ich das beurteilen konnte, war es meistens so im Leben. Auch wenn es ihnen hier in Forks anscheinend keine Anerkennung verschaffte.
Obwohl, so richtig glaubte ich das nicht. Ihre Isolation musste von ihnen gewollt sein - ich konnte mir nicht vorstellen, dass solcher Schönheit irgendwelche Türen verschlossen blieben.
„Das ist richtig und falsch.“, sagte Carlisle. „Menschliche Instinkte warnen Menschen vor uns, doch unser Aussehen ist ein Bonus.“
Als ich an ihnen vorbeifuhr, betrachteten sie meinen lärmenden Transporter, genau wie alle anderen.
„Ich denke nicht, dass wir den lärmenden Transporter ansehen.“, sagte Jasper. „Viel mehr das Mädchen, das in ihm sitzt.“
„Und wundern uns, weshalb Edward wegen ihr nicht da ist.“, ergänzte Alice.
Ich schaute stur geradeaus und war froh, als ich endlich vom Schulgelände runter war.
Thriftway befand sich ganz in der Nähe der Schule, nur ein paar Straßen weiter südlich. Es war angenehm, in einem Supermarkt zu sein, es gab mir ein Gefühl der Normalität. Zu Hause hatte ich auch die Einkäufe erledigt und war froh über die vertraute Aufgabe. Das Gebäude war groß genug, dass man in seinen Gängen das Tröpfeln des Regens auf dem Dach nicht hörte - ich konnte für eine Weile vergessen, wo ich mich befand.
Als ich zum Haus kam, packte ich die Einkäufe aus und verstaute sie überall, wo Platz war. Charlie hatte hoffentlich nichts dagegen. Dann wickelte ich Kartoffeln in Folie ein und legte sie zum Backen in den Ofen, marinierte ein Steak und platzierte es vorsichtig auf einer Packung Eier im Kühlschrank.
Als ich damit fertig war, nahm ich meine Tasche und ging nach oben. Bevor ich mit den Hausaufgaben anfing, zog ich mir eine trockene Jogginghose an, band meine feuchten Haare zu einem Zopf zusammen und schaute zum ersten Mal nach meinen E-Mails. Ich hatte drei Nachrichten.
„Die sind sicher alle von ihrer Mutter.“, sagte Edward.
„Bella“, schrieb meine Mom.
Schreib mir, sobald du ankommst. Wie war dein Flug? Regnet es? Ich vermisse dich jetzt schon. Ich hab fast alles gepackt für Florida, aber ich finde meine rosafarbene Bluse nicht. Weißt du, wo ich die hingetan hab? Grüße von Phil. Mom
Ich seufzte und öffnete die nächste Nachricht. Sie war acht Stunden nach der ersten abgeschickt worden.
„Bella“, schrieb sie.
Warum antwortest du mir nicht?
„Sie ist doch gerade erst angekommen.“ Alice verdrehte die Augen.
„Sie hätte antworten sollen.“, sagte Esme mütterlich. „Es ist nicht einfach, wenn eins deiner Kinder weit weg von dir ist.“
Worauf wartest du? Mom
Die letzte war an diesem Vormittag gekommen.
Isabella,
„Wetten, sie ist in schwierigkeiten?“, lachte Emmett.
wenn ich bis heute Abend halb sechs nichts von dir höre, ruf ich Charlie an.
Ich schaute auf die Uhr. Ich hatte noch eine Stunde, aber Mom war für ihre vorschnellen Aktionen bekannt.
Mom,
beruhige dich. Ich bin gerade dabei, dir zu schreiben.
„Sie schreibt gerade. Darauf wär jetzt keiner gekommen.“, sagte Emmett.
„Naja, genau gesagt schreibt sie nicht, sie tippt.“, sagte Edward.
„Das ist dasselbe.“, grummelte Emmett.
Kein Grund zur Panik.
Ich schickte die Nachricht ab und fing von vorne an.
Mom,
alles ist super. Natürlich regnet es. Ich wollte warten, bis was spannendes passiert.
„Schreib über den bösen Jungen, der dir Mörderblicke zugeworfen hat.“, sagte Emmett.
„Das ist nicht witzig.“, knurrte Edward.
Schule ist okay, nur ein bisschen langweilig. Ich hab ein paar nette Leute kennengelernt, mit denen ich jeden Tag zusammen Mittag esse. Deine Bluse ist in der Reinigung – Du solltest sie letzten Freitag abholen. Charlie hat mir einen Transporter gekauft, was sagst du dazu? Er ist toll -alt, aber echt robust, also genau das Richtige für mich.
„Hm..“, machte Carlisle.
„Was ist?“, wollte Esme wissen.
„Das ist das, was Charlie ihr über den Transporter erzählt hat. Es wird ein gutes Auto für sie sein.“, erklärte er.
„Er kennt sie gut.“ Esme lächelte.
Ich vermisse dich auch. Ich melde mich bald wieder, aber ich werde nicht alle fünf Minuten meine Mails checken. Entspann dich, atme tief durch. Ich liebe dich
Bella.
Als Charlie heimkam, war ich gerade in Sturmhöhe versunken. Den Roman nahmen sie hier gerade in Englisch durch; ich kannte ihn zwar schon, hatte aber Lust, ihn noch mal zu lesen.
„Juhu, etwas worauf wir uns freuen können!“, sagte Edward.
„Sieht nicht so aus, als würde sie dir zustimmen.“, sagte Emmett.
„Aber sie liest gerne solch altes Zeug. Viele Menschen finden es langweilig.“, stellte Alice fest.
Mir war nicht aufgefallen, dass es schon so spät war, also rannte ich jetzt die Treppe runter, um die Kartoffeln aus dem Ofen zu nehmen und das Steak zu braten.
»Bella?«, rief mein Vater, als er mich die Treppe herunterpoltern hörte.
Wer sonst?, dachte ich.
»Hey, Dad, willkommen zu Hause.«
»Danke.« Er hängte seinen Pistolengurt an den Haken und zog sich die Stiefel aus; ich wuselte in der Küche herum. Soviel ich wusste, hatte er im Dienst noch nie einen Schuss abgegeben. Aber seine Waffe war geladen.
Wenn ich ihn als Kind besucht hatte, nahm er immer als Erstes die Patronen heraus, wenn er nach Hause kam. Wahrscheinlich hielt er mich mittlerweile für alt genug, mich nicht versehentlich zu erschießen, und nicht für depressiv genug, um es absichtlich zu tun.
»Was gibt's zu essen?«, fragte er vorsichtig.
Meine Mutter war eine fantasievolle Köchin, aber ihre Experimente waren nicht immer essbar. Es überraschte mich, dass er sich an etwas erinnerte, das so weit zurücklag. Und es machte mich traurig. »Steak mit Kartoffeln«, antwortete ich. Er sah erleichtert aus.
Er schien sich nicht wohl dabei zu fühlen, untätig in der Küche herumzustehen, und stapfte schwerfällig ins Wohnzimmer, um fernzusehen, solange ich zu tun hatte. Das ersparte uns beiden die Verlegenheit, uns unterhalten zu müssen.
Ich machte einen Salat, während das Steak in der Pfanne briet, und deckte den Tisch.
Als ich fertig war, rief ich ihn, und er schnupperte anerkennend, als er hereinkam.
»Riecht gut, Bell.«
»Danke.«
Ein paar Minuten lang aßen wir schweigend, doch es war nicht unangenehm. Keinen von uns störte die Stille. Was das anging, waren wir fürs Zusammenleben wie geschaffen.
„Das ist schön.“, sagte Esme. Ihr Lächeln verschwand, als sie darüber nachdachte, ob das wirklich gut war, dann lächelte sie aber wieder. „Sie passen zusammen.“
»Und, wie findest du's in der Schule? Schon Freunde gefunden?«, fragte er, während er sich mehr auftat.
»Ich hab ein paar Fächer zusammen mit einer Jessica, mit ihr und ihren Freunden esse ich auch immer zusammen. Und dann gibt's noch einen Jungen, Mike, der ist sehr sympathisch. Alle scheinen ziemlich nett zu sein.« Mit einer Ausnahme.
„Eddy.“, lachte Emmett.
„Sie hat NIEMANDEN ihren Freund genannt.“, stellte dieser klar.
»Das muss Mike Newton sein. Netter Junge - nette Familie. Seinem Dad gehört das Sportgeschäft außerhalb der Stadt. Er verdient ganz gut an den Rucksacktouristen, die hier vorbeikommen.«
„Und dank uns.“, lachte Jasper. „Obwohl wir das nicht nötig haben.“
»Kennst du die Cullens?«, fragte ich zögerlich.
»Die Familie von Dr. Cullen? Klar. Dr. Cullen ist großartig.«
„Das ist er.“, sagte Esme stolz und legte einen Arm um ihren Mann.
»Sie ... also seine Kinder ... sie wirken irgendwie anders. Sie scheinen nicht so richtig rein zupassen in die Schule.«
Charlie überraschte mich mit einem verärgerten Blick.
»Diese Leute hier«, murmelte er. »Dr. Cullen ist ein brillanter Chirurg, der wahrscheinlich in jedem Krankenhaus der Welt arbeiten und zehnmal so viel verdienen könnte wie hier«, fuhr er fort und wurde immer lauter.
»Wir können froh sein, dass wir ihn haben - dass seine Frau in einer Stadt wie dieser wohnen wollte. Er ist ein Gewinn für die Gemeinde, und die Kinder sind wohlerzogen und höflich. Als sie herzogen, hatte ich so meine Bedenken.
Lauter adoptierte Teenager - ich dachte, das könnte problematisch werden. Aber sie sind alle sehr reif. Keiner von ihnen hat mir je irgendwelche Probleme bereitet, was ich von den Kindern der alteingesessenen Familien nicht so ohne weiteres behaupten kann.
Und sie halten zusammen, wie sich das gehört für eine Familie, unternehmen Sachen, alle paar Wochen einen Campingausflug ..; Nur weil sie neu hier sind, reden die Leute.«
„Wow, ich wusste gar nicht, dass Charlie uns so sehr mag.“, sagte Edward und alle sahen sich erstaunt an.
„Er ist ein netter Mann.“, sagte Esme.
„Obwohl er unrecht hat, denn wir bereiten sehr wohl Probleme.“ Emmett kicherte.
„Ich hätte einfach nicht gedacht, dass Charlie so von uns denkt.“, sagte Edward. „Ich habe nicht geahnt, dass er auf ihre Worte zu reagiert.“
Es war die längste Rede, die ich je aus Charlies Mund gehört hatte. Offensichtlich ärgerte er sich sehr über das Gerede der Leute.
„Das stimmt. Seine Reaktion war abnormal.“, sagte Jasper nachdenklich.
„Er ist mit den Quileute befreundet. Ich dachte, dass er von ihnen nur Schlechtes über uns hört.“, murmelte Carlisle.
„Stimmt.“ Jasper nickte zustimmend.
Ich ruderte zurück. »Ich hatte ja auch das Gefühl, dass sie ganz nett sind. Mir ist nur aufgefallen, dass sie unter sich bleiben. Und dass sie alle ziemlich gut aussehen«, fügte ich hinzu, um noch was Positives zu sagen.
»Da solltest du mal den Doktor sehen«, sagte Charlie und lachte. »Nur gut, dass er glücklich verheiratet ist. Etliche der Schwestern im Krankenhaus haben Schwierigkeiten, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, wenn er in der Nähe ist.«
„Ich sollte das im Auge behalten.“, sagte Carlisle und wirkte amüsiert.
Wir beendeten das Essen so schweigend, wie wir es begonnen hatten. Hinterher räumte er den Tisch ab und ich machte mich an den Abwasch - von Hand, Charlie hatte keinen Geschirrspüler. Dann zog er sich wieder vor den Fernseher zurück, während ich lustlos nach oben ging, um meine Mathehausaufgaben zu erledigen. Der Ablauf hatte das Zeug zum abendlichen Ritual.
In dieser Nacht war es endlich still. Ich schlief schnell ein, vollkommen erschöpft.
Der Rest der Woche verlief ereignislos. Mein Stundenplan wurde zur Routine, und spätestens am Freitag kannte ich fast alle Schüler vom Sehen, wenn auch noch nicht beim Namen. Meine Mannschaftskameraden beim Volleyball gewöhnten sich daran, mir nicht den Ball zuzuspielen und sich vor mich zu stellen, sobald jemand vom gegnerischen Team meine Schwäche ausnutzen wollte. Und ich hatte nicht das Geringste dagegen, aus der Schusslinie zu treten.
Edward Cullen kam die ganze Woche nicht wieder zur Schule.
Esme seufzte unglücklich, sagte jedoch nichts.
Jeden Tag wartete ich voller Anspannung, bis ich die vier Cullens ohne ihn die Cafeteria betreten sah. Dann erst konnte ich mich entspannen und mit den anderen unterhalten. Meistens drehte es sich um einen Ausflug zum La Push Ocean Park in zwei Wochen, den Mike organisierte. Ich war eingeladen und hatte zugesagt, wenn auch vor allem aus Höflichkeit.
Die Strände, nach denen ich mich sehnte, waren heiß und trocken.
„Ich frage mich ob es hier etwas gibt, das sie mag.“, sagte Jasper.
„Bis jetzt nicht.“, kicherte Alice.
„Vielleicht kommt Edward ja wieder.“, stichelte Emmett.
„Das wäre nicht gut für sie.“, knurrte Edward. „Das wird nicht passieren.“
„Sei dir da mal nicht so sicher.“, sagte Emmett munter. „Wir haben die Bücher nicht grundlos bekommen und ich denke, dass wir oft in ihnen vorkommen werden.“
Edward versuchte eine andere logische Erklärung zu finden, wusste jedoch, dass sein Bruder recht hatte.
Am Ende der Woche fiel es mir leicht, den Biologieraum zu betreten - ich machte mir keine Sorgen mehr, dass Edward auf tauchen könnte. Für mich sah es so aus, als hätte er die Schule verlassen. Ich versuchte nicht an ihn zu denken, konnte aber das quälende Gefühl, dass ich der Grund für seine anhaltende Abwesenheit war, nicht völlig unterdrücken, so lächerlich es mir auch erschien.
„Warum sorgt sie sich so deswegen?“, fragte Rosalie gelangweilt und wandte sich ab.
„Sie möchte nicht an irgendjemandes Schmerz schuld sein.“, erklärte Esme.
„Jap, sie denkt eher an andere, als an sich selbst.“, sagte Edward und funkelte seine Schwester an. „Nicht, wie andere von uns.“
Rosalie knurrte, sagte aber nichts dazu.
Mein erstes Wochenende in Forks verlief ohne Zwischenfall. Charlie, daran gewöhnt, wenig Zeit in einem Haus zu verbringen, das normalerweise leer war, arbeitete auch an den freien Tagen. Ich machte sauber, erledigte meine Hausaufgaben und schrieb noch ein paar betont fröhliche Mails an Mom. Am Samstag fuhr ich zur Bibliothek,
„Viel Glück, da findet sie nie etwas.“
„Vielleicht sollten wir ein Paar Bücher spenden.“, schlug Carlisle vor, der Mal wieder den Menschen helfen wollte.
aber sie war so schlecht bestückt, dass ich mir nicht einmal eine Mitgliedskarte geben ließ; ich nahm mir vor, für die nächste Zeit einen Besuch in Olympia oder Seattle einzuplanen und mir dort einen guten Buchladen zu suchen. Wie viel Sprit der Transporter wohl verbrauchte? Lieber nicht darüber nachdenken, dachte ich mit Schrecken.
Der Regen blieb das Wochenende über schwach und leise genug, dass ich gut schlafen konnte.
Als ich am Montagmorgen auf dem Schulparkplatz ankam, wurde ich von allen Seiten begrüßt; ich kannte noch nicht alle Namen, winkte aber zurück und lächelte. Es war kälter als an den Tagen davor, aber zum Glück regnete es nicht. In Englisch setzte sich Mike auf seinen gewohnten Platz neben mir. Wir schrieben einen unangekündigten Test über Sturmhöhe, aber der war zum Glück sehr einfach.
„Hm.. dieser Tag wird detaillierter beschrieben. Ich denke, Edward kommt zurück.“, sagte Emmett.
„Ich hoffe es.“, flüsterte Esme.
Alles in allem fühlte ich mich sehr viel wohler, als ich erwartet hatte. Wohler, als ich erwartet hatte, mich je hier zu fühlen.
„Ah, vielleicht mag sie es doch hier.“, sagte Jasper.
„Das würde ich nicht sagen.“, sagte Alice. „Es ist nur nicht so schrecklich, wie sie es sich vorgestellt hatte.“
Als wir nach Englisch vor die Tür traten, wirbelten lauter weiße Fusseln durch die Luft.
„Ah.. Schnee, ich liebe Schnee.“, sagte Emmett und dachte an seine letzte Schneeballschlacht gegen Jasper und Edward zurück.
Schüler schrien aufgeregt durcheinander. Der Wind schnitt mir in Nase und Wangen.
»Wow«, sagte Mike. »Es schneit.«
Ich betrachtete die kleinen wolligen Bausche, die sich am Boden aufschichteten und mir wild ums Gesicht wehten.
»Uh.« Schnee. Das war's dann wohl mit meinem guten Tag.
„Sie mag keinen Schnee?“, fragte Emmett entsetzt. „Sie ist seltsam.“
Er sah überrascht aus. »Magst du keinen Schnee?«
»Nein. Schnee bedeutet, es ist zu kalt für Regen.« Logisch. »Außerdem dachte ich, es schneit in Flocken - jede einzigartig und so. Die hier sehen aus wie die Enden von Wattestäbchen.«
»Sag bloß, du hast noch nie Schnee fallen sehen«, sagte er ungläubig.
»Doch, na klar« -
„Klingt nicht überzeugend.“, sagte Emmett stirnrunzelnd.
ich machte eine Pause. »Im Fernsehen.«
Emmett lachte los.
Mike lachte. Im nächsten Augenblick traf ihn ein großer, matschiger, tropfender Schneeball am Hinterkopf. Wir drehten uns beide herum, um zu sehen, woher der gekommen war. Mein Verdacht fiel auf Eric, der gerade in die andere Richtung davonging, obwohl er denselben Weg hatte wie wir. Mike hatte offensichtlich den gleichen Gedanken; er hockte sich hin und begann weißen Matsch zusammenzukratzen.
»Wir sehen uns beim Essen, okay?«, sagte ich, ohne stehen zu bleiben. »Wenn Leute anfangen, nasses Zeug durch die Gegend zu werfen, weiß ich, es ist Zeit zu verschwinden.«
Er nickte nur; seine ganze Aufmerksamkeit galt Eric, der sich unauffällig aus dem Staub zu machen versuchte.
Den ganzen Vormittag war der Schnee das einzige Thema; offensichtlich war es der erste in diesem Jahr. Ich sagte dazu nichts. Schnee war vielleicht trockener als Regen, aber nur, bis er einem in den Socken schmolz.
In erhöhter Alarmbereitschaft lief ich nach Spanisch mit Jessica zur Cafeteria. Von überall kamen die Bälle geflogen. Ich hielt einen Ordner in den Händen, um ihn im Fall der Fälle als Schutzschild zu benutzen.
„Ich glaube nicht, dass ihre Reflexe so gut sind, dass das funktionieren würde.“, kicherte Emmett.
Jessica fand das irre komisch, aber irgendwas in meinem Gesichtsausdruck hielt sie davon ab, selbst einen Schneeball nach mir zu werfen. An der Tür holte uns Mike ein, dessen stachlige Frisur vom Schnee ganz aufgeweicht war. Als wir uns an der Essensausgabe anstellten, unterhielten sich die beiden aufgekratzt über die Schneeballschlacht. Ich warf aus reiner Gewohnheit einen Blick zum Tisch in der Ecke. Und blieb wie vom Schlag getroffen stehen. Dort saßen fünf Personen.
„Da da da damm...“, machte Emmett.
Jessica zog mich am Arm.
»Hallo? Bella? Was nimmst du?«
Ich schaute zu Boden, meine Ohren glühten. Ich habe ihm nichts getan, sagte ich mir. Es gibt keinen Grund, sich schlecht zu fühlen.
»Was ist denn mit Bella?«, fragte Mike Jessica.
„Rede doch selbst mit ihr, Idiot..“, murmelte Edward.
»Gar nichts«, erwiderte ich. »Ich nehme nur was zu trinken.« Ich schloss die Lücke zum Ende der Schlange.
»Hast du keinen Hunger?«, fragte Jessica.
»Ehrlich gesagt, mir ist ein bisschen schlecht«, sagte ich, ohne aufzuschauen.
„Das nenne ich attraktiv. Du machst sie krank.“, lachte Emmett.
Ich wartete, bis sie ihr Essen geholt hatten, dann folgte ich ihnen mit gesenktem Blick zum Tisch.
Langsam nippte ich an meinem Wasser, in meinem Magen rumorte es. Mike war übermäßig besorgt und erkundigte sich mehrmals nach meinem Befinden.
Ich sagte zwar, dass alles okay sei, überlegte aber ernsthaft, ob ich die Vorlage annehmen und für eine Stunde im Zimmer der Krankenschwester verschwinden sollte.
„Sie denkt sogar darüber nach vor dir wegzulaufen.“, kicherte Emmett.
Lächerlich. Es gab keinen Grund davonzulaufen!
„Hm..“, machte Edward und sah amüsiert aus.
„Was ist so lustig?“, fragte Esme verwundert.
„Es ist nur.. ich bin wegen ihr abgehauen.“, erklärte er. „Und nun macht sie dasselbe auch wegen mir.“
„Du denkst darüber nach, weil du nicht als das Weichei dastehen willst, oder?“ Jasper wirkte ebenfalls amüsiert.
„Vielleicht ein bisschen.“, sagte Edward und tat gelangweilt.
Ich beschloss, einen Blick zum Familientisch der Cullens zu werfen. Sollte er mich mit demselben wütenden Blick wie letzte Woche ansehen, dann würde ich - feige, wie ich war - die Biostunde schwänzen.
Vorsichtig, mit gesenktem Kopf, blinzelte ich in ihre Richtung. Keiner der fünf schaute zu uns rüber. Ich hob meinen Kopf ein wenig.
Sie lachten. Die Haare von Edward, Jasper und Emmett waren ganz von schmelzendem Schnee durchnässt. Alice und Rosalie lehnten sich weit weg, als Emmett seine triefenden Locken in ihre Richtung schüttelte. Genau wie alle anderen genossen sie den Wintertag - nur dass sie im Gegensatz zu uns anderen dabei wie Figuren aus einem Film aussahen.
„Daran ist bestimmt unsere kleine Pixie schuld.“, stichelte Edward.
„Wir sehen wohl niemals annähernd normal aus.“, seufzte Alice.
Und noch etwas war anders als in der vorigen Woche, nicht nur ihr Lachen und ihre Ausgelassenheit; ich konnte aber nicht sagen, was es war. Edward musterte ich mit der größten Aufmerksamkeit,
und es kam mir vor, als wäre seine Haut weniger blass vielleicht nur wegen der Schneeballschlacht -
„Nein, wegen der Jagd.“, murmelte Edward.
und die Ringe unter seinen Augen nicht mehr so auffallig. Aber das war noch nicht alles. Doch sosehr ich ihn anstarrte - ich kam nicht drauf.
»Bella, was ist denn?« Jessica riss mich aus meinen Gedanken und folgte meinem Blick.
Im gleichen Augenblick schaute er herüber, und unsere Blicke trafen sich.
„Jessica hat meinen Namen wieder gedacht.“, seufzte Edward.
Ich senkte meinen Kopf und ließ meine Haare nach vorne fallen, um mein Gesicht zu verbergen. Ich war mir aber sicher, dass er nicht so wütend oder unfreundlich ausgesehen hatte wie bei unserem letzten Aufeinandertreffen. Sein Blick war einfach nur neugierig und irgendwie unbefriedigt gewesen.
»Edward Cullen starrt dich an«, flüsterte Jessica mir kichernd ins Ohr.
»Er sieht aber nicht sauer aus, oder?« Ich musste es einfach fragen.
»Nein.« Meine Frage verwirrte sie. »Wieso sollte er?«
„Ich bin ja nicht direkt sauer auf sie.“, seufzte Edward.
»Ich glaub, er kann mich nicht leiden«, verriet ich ihr. Mir war immer noch etwas übel. Ich ließ meinen Kopf auf meinen Arm sinken.
»Die Cullens können niemanden leiden. Na ja, eigentlich beachten sie niemanden genug, um ihn leiden zu können. Obwohl - er schaut dich immer noch an.«
»Hör auf, ihn anzugucken«, zischte ich.
Sie kicherte, schaute aber tatsächlich weg. Ich hob meinen Kopf, um mich davon zu überzeugen und notfalls eigenhändig dafür zu sorgen.
„Ich bin mir sicher, dass das.. Also Bella würde nie Gewalt anwenden.“, sagte Emmett. „Selbst wenn sie es wollte.“
„Du hast sie beim Namen genannt.“, platzte Emmett rein.
„Irgendwann muss das passieren. Sie ist die Hauptperson in diesem Buch.“, grummelte Edward.
Mike unterbrach uns; er plante eine Schneeballschlacht von epischen Ausmaßen nach der letzten Stunde auf dem Parkplatz, und er wollte, dass wir mitmachten. Jessica war Feuer und Flamme - so, wie sie Mike anschaute, würde sie sich für alles begeistern, was er vorschlug. Ich blieb stumm und stellte mich darauf ein, in der Turnhalle abzuwarten, bis auf dem Parkplatz die Luft wieder rein war.
Für den Rest der Mittagspause beschränkte ich mein Blickfeld geflissentlich auf meinen eigenen Tisch. Ich war entschlossen, die Abmachung einzuhalten, die ich mit mir getroffen hatte: Er schaute mich nicht wütend an, also würde ich zu Bio gehen. Obwohl mein Magen schon bei dem Gedanken, wieder neben ihm zu sitzen, rumorte.
Ich hatte wenig Lust, wie üblich mit Mike zur nächsten Stunde zu laufen - er schien ein beliebtes Ziel der Schneeballscharfschützen zu sein. Doch dann kamen wir zur Tür, und alle stöhnten einstimmig auf - alle außer mir:
„Och man. Kein Schnee mehr.“, schniefte Emmett.
„Bella wird sich freuen.“, sagte Alic lächelnd.
Es regnete, und die Schneereste liefen in klaren, eisigen Rinnsalen die Bordsteinkanten entlang. Mit klammheimlicher Freude zog ich mir die Kapuze über den Kopf: Mein Nachhauseweg war frei.
Mike hörte während des ganzen Weges zu Haus vier gar nicht auf, sich zu beklagen.
Ich war erleichtert, als wir im Bioraum ankamen und mein Tisch noch leer war. Mr. Banner lief durch die Reihen und platzierte auf jedem Tisch ein Mikroskop und eine Schachtel mit Präparaten. Es waren noch ein paar Minuten Zeit bis zum Beginn der Stunde, und der Raum war erfüllt von Stimmengewirr. Ich vermied es, zur Tür zu sehen, und kritzelte gedankenverloren auf dem Umschlag meines Heftes herum.
Als sich der Stuhl neben mir bewegte, bekam ich das natürlich mit,
„Du musst gewollt habe, dass sie weiß, dass du da bist.“, sagte Carlisle.
„Es wird sie beruhigen, dass ich mich nicht lautlos verhalte.“, murmelte Edward.
verharrte aber mit den Augen auf meiner Kritzelei.
»Hallo«, hörte ich eine ruhige, musikalische Stimme sagen.
Erstaunt, dass er mit mir redete, blickte ich auf.
„Ah, du versuchst sie denken zu lassen, dass sie überreagiert hat.“, sagte Jasper. „Ich bin mir nicht sicher, ob das bei ihr funktionieren wird.“
Er saß so weit entfernt von mir, wie es der Tisch erlaubte, doch er hatte seinen Stuhl in meine Richtung gedreht. Seine Haare waren pitschnass und zerzaust, aber er sah aus, als hätte er gerade in einer Werbung für Haargel mitgespielt. Sein makelloses Gesicht hatte einen offenen, freundlichen Ausdruck, und um seine perfekten Lippen spielte die Andeutung eines Lächelns. Sein Blick jedoch war wachsam.
»Ich heiße Edward Cullen«, sagte er. »Ich bin letzte Woche nicht dazu gekommen, mich vorzustellen. Du musst Bella Swan sein.«
„Na das ist schon besser.“ Esme lächelte. „Nach dem letzten Mal muss sie gedacht haben, dass du von Wölfen gebissen worden warst.“
„Nur, dass ich von Vampiren gebissen wurde.“, lachte Edward.
„Ich werde lieber von Vampiren gebissen, als von Wölfen.“ Emmett rümpfte die Nase.
Ich war völlig verdattert. Hatte ich mir alles nur eingebildet? Mit einem Mal war er ganz höflich. Irgendwas musste ich sagen, er wartete. Doch keine der üblichen Floskeln wollte mir einfallen.
»W-woher weißt du, dass ich Bella heiße?«, stammelte ich.
„Wir kennen ihren Namen bereits. Ähm.. also, auch ohne dieses Buch zu lesen.“, murmelte Emmett.
„Aber.. nennt sie nicht jeder Isabella?“, fragte Jasper.
„Jep.“, sagte Emmett. „Aber wir haben ihren Namen bisher bestimmt so oft gehört, dass wir sie nur Bella nennen.“
Er lachte - leise und hinreißend.
»Oh, ich würde sagen, alle hier wissen, wie du heißt. Die ganze Stadt hat auf deine Ankunft gewartet.«
Alice lachte. „Das wird sie nicht freuen.“
Ich verzog mein Gesicht. So was in der Art hatte ich mir schon gedacht.
»Nein«, beharrte ich - »ich meine, warum hast du mich Bella genannt, nicht Isabella?«
Er schien verwirrt. »Ist dir Isabella lieber?«
»Nein, ich mag Bella«, sagte ich. »Nur dass Charlie, also mein Dad, mich anscheinend hinter meinem Rücken Isabella nennt, jedenfalls scheint mich jeder hier unter diesem Namen zu kennen«, versuchte ich zu erklären und fühlte mich wie ein Volltrottel.
»Ah.« Er ließ das Thema fallen. Ich schaute verlegen weg.
„Das ist befremdend.“, stellte Carlisle fest. „Normalerweise gibst du nicht so schnell auf.“
„Ich weiß, aber Emmett hat wahrscheinlich recht. Ich habe ihren Namen wahrscheinlich wirklich irgendwo sagen hören.“, sagte Edward.
„Ja, aber warum hast du das Thema dann fallen lassen?“, fragte Carlisle.
„Ich weiß es nicht.“, murmelte Edward.
Zum Glück ging der Unterricht los. Ich versuchte mich auf das zu konzentrieren, was Mr. Banner zur anstehenden Übung erklärte. Die Präparate in der Schachtel vor uns stammten von der Wurzel einer Zwiebel und waren unsortiert. Wir sollten sie zu zweit den verschiedenen Phasen der Mitose zuordnen und entsprechend beschriften, ohne in unsere Bücher zu gucken. In zwanzig Minuten würde er herumkommen und nachsehen, wer alles richtig hatte.
„Das seltsamerweise schwierig.“, seufzte Edward. Er würde es dennoch sofort wissen, was Mr. Banner immer ärgerte, denn er gab sich mit der Schwierigkeit große Mühe. Dennoch schafften die Cullens alles mit Leichtigkeit.
»Die Zeit läuft«, gab er den Startschuss.
»Ladies first?«, fragte Edward. Ich hob den Blick und schaute in ein verschmitztes, schiefes Lächeln, das derartig schön war, dass ich ihn nur idiotisch anstarren konnte.
»Ich kann auch anfangen, wenn du willst.« Das Lächeln verschwand; er zweifelte offenbar an meiner Zurechnungsfähigkeit.
»Nein«, sagte ich und wurde rot. »Ich mach schon.«
Das dürfte ein Kinderspiel werden - ich hatte das Experiment an meiner alten Schule schon gemacht und wusste, worauf ich achten musste.
„Ich denke, dass sie sehr clever ist.“, sagte Carlisle.
„Das werden wir herausfinden.“, sagte Edward.
„Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass scharfsinnige Menschen Intelligent sind.“, erklärte Carlisle.
Eine gute Gelegenheit, um ein bisschen anzugeben. Ich schob den ersten Objektträger unter die Linse und stellte rasch das Objektiv scharf. Dann betrachtete ich kurz das Präparat.
Ich war mir sicher. »Prophase.«
»Lässt du mich auch einen Blick drauf werfen?«, fragte er, als ich das Präparat entfernen wollte, und hielt meine Hand in der Bewegung fest. Seine Finger waren so eisig kalt, als hätte er sie vor der Stunde in eine Schneewehe gehalten.
„Das war nicht schlau von mir.“, seufzte Edward.
„Es war ein verschneiter Tag, also wirst du dich damit retten können.“, sagte Jasper.
Doch der Grund, warum ich meine Hand so ruckartig zurückzog, war ein anderer: Bei seiner Berührung durchfuhr mich ein Schmerz, als hätte er mir einen Stromschlag versetzt.
„Das ist interessant.“, sagte Carlisle und hob eine Augenbraue. „Ich habe noch nie von etwas derartigem gehört. Ich frage mich, ob du es ebenfalls gespürt hast.“
„Ich weiß es nicht. Ich frage mich, was das bedeutet.“, murmelte Edward.
»Entschuldigung«, murmelte er und zog seine Hand sofort zurück. Trotzdem griff er nach dem Mikroskop. Immer noch benommen, sah ich ihm dabei zu, wie er das Präparat noch kürzer betrachtete als ich.
»Prophase«, bestätigte er und trug das Ergebnis sauber in unser Protokoll ein. Rasch wechselte er den ersten gegen den zweiten Objektträger und warf einen kurzen Blick darauf.
»Anaphase«, murmelte er und schrieb es sogleich auf.
Ich bemühte mich, unbeeindruckt zu klingen. »Darf ich?«
„Sie versucht immer noch sich gut darzustellen.“ Jasper hob eine Augenbraue. „Das ist seltsam. Menschen geben normalerweise schnell auf, da sie gegen unser Wissen nicht ankommen können. Es wird nicht lange dauern und sie wird genauso lernen müssen wie die anderen Menschen hier.“
„Vergiss das.“, sagte Emmett. „Sie hofft, dass Edward unrecht hat. Eddy hat NIEMALS unrecht.“
„Vielleicht möchte sie das Präparat einfach sehen?“, schlug Esme vor.
Er grinste und schob mir das Mikroskop rüber.
Ich schaute gespannt durch das Okular und wurde enttäuscht: Er hatte Recht.
„Nope, sie wollte nur, dass er unrecht hat.“ Emmett lachte.
»Nummer drei?« Ich hielt ihm meine Hand hin, ohne ihn anzuschauen.
Er reichte es mir und achtete dabei, so kam es mir jedenfalls vor, sorgsam darauf, nicht noch einmal meine Haut zu berühren.
„Ich habe es vielleicht auch gespürt.“, murmelte Edward.
„Oder du hast ihre Reaktion darauf bemerkt.“, sagte Carlisle.
Ich schaute so kurz, wie es ging.
»Interphase.« Dann schob ich ihm das Mikroskop rüber, bevor er danach fragen konnte. Er guckte flüchtig hinein und schrieb das Ergebnis auf. Das hätte ich machen wollen, während er schaute, doch seine klare, elegante Schrift schüchterte mich ein. Ich wollte das Blatt nicht mit meinem stümperhaften Gekrakel versauen.
Wir waren vor allen anderen fertig. Mike und das Mädchen neben ihm verglichen immer wieder zwei Präparate miteinander; eine andere Gruppe sah unter dem Tisch im Buch nach.
Mir blieb also nichts zu tun, als zu versuchen, ihn nicht anzuschauen ... erfolglos. Ich blickte auf und sah, dass er mich musterte, und zwar wieder mit diesem unerklärlichen Ausdruck der Frustration.
„Du starrst sie doch nicht wieder so an, oder?“, fragte Esme streng.
„Da stand Frustration.“, sagte Edward. „Da ist etwas an ihr, das ich nicht verstehe.. Ich verstehe nicht, weshalb ich mich damit beschäftige. Auf Grund ihrer Wirkung auf mich, hätte ich gedacht, dass ich extra viel Abstand nehmen würde.“
Plötzlich fiel mir auf, was anders war an seinem Gesicht.
»Hast du Kontaktlinsen bekommen?«, platzte es aus mir heraus.
„Oh, sie hat gemerkt, dass sich deine Augenfarbe verändert hat.“, flüsterte Esme.
„Warum sieht sie das überhaupt? Menschen sehen normalerweise nicht in unsere Augen.“ Jasper runzelte die Stirn.
„Bella ist kein typischer Mensch.“, sagte Alice. „Er hat ihr tödliche Blicke zugeworfen. An seine Augenfarbe erinnert sie sich also bestimmt.“
„Möglich..“, murmelte Jasper.
Er schien verdutzt über meine unerwartete Frage.
„Und wieder einmal verwirrt sie dich.“, murmelte Carlisle.
„Bestimmt wurde Bella geschickt um Edward zu schocken. Man, wie gerne würde ich das sehen.“ , kicherte Emmett.
»Nein«, sagte er, zuckte mit den Schultern und schaute weg.
„Das ist nicht die richtige Antwort.“, sagte Jasper.
„Sie hat nicht daran gedacht, was ich antworten würde.“, sagte Edward frustriert.
»Oh«, nuschelte ich. »Ich hatte das Gefühl, dass deine Augen irgendwie anders sind.«
Genauer gesagt, ich war mir sicher. Ich erinnerte mich lebhaft an das matte Schwarz seiner Augen, als er mich letzte Woche so angefunkelt hatte - an ihren auffälligen Kontrast zu seiner blassen Haut und den rotbraunen Haaren. Heute hatten sie eine völlig andere Farbe, ein eigenartiges Ocker, dunkler als Karamel, aber mit derselben goldenen Tönung. Ich konnte mir die Veränderung nicht erklären, es sei denn, er sagte aus irgendeinem Grund nicht die Wahrheit, was die Kontaktlinsen anging. Oder Forks brachte mich jetzt buchstäblich um den Verstand.
„Sie gibt zu schnell auf, auch wenn es gut für sie ist, die Lüge zu glauben.“, seufzte Carlisle.
„Ich glaube nicht, dass sie aufgibt. Sie lässt es nur für jetzt auf sich ruhen.“, sagte Edward.
Ich senkte den Blick. Seine Hände waren wieder zu Fäusten geballt.
Dann kam Mr. Banner zu unserem Tisch, um zu sehen, warum wir nicht arbeiteten. Er beugte sich über unsere Schultern, um einen Blick auf das Protokoll zu werfen.
»Edward, meinst du nicht, Isabella hätte auch ein wenig am Mikroskop üben sollen?«, fragte Mr. Banner.
„Er sollte nicht davon ausgehen, dass Isabelle das nicht können würde.“, seufzte Edward.
„Jetzt nimmst du sie aber sehr in Schutz.“, Emmett lachte.
„Aber sie IST clever.“, sagte Edward schnell.
»Bella«, verbesserte Edward automatisch. »Um ehrlich zu sein, drei der fünf hat sie identifiziert.«
Mr. Banner beäugte mich skeptisch.
»Hast du die Übung schon mal gemacht?«, fragte er.
Ich lächelte verlegen. »Nicht mit Zwiebelwurzeln.«
»Mit Fisch-Blastula?«
»Hm-mhh.«
»Warst du in Phoenix in einem College-Vorbereitungskurs?«
»Ja.«
»Na ja«, sagte er nach kurzem Zögern. »Vielleicht ist es ganz gut, dass ihr zusammensitzt.« Im Weggehen nuschelte er noch etwas anderes. Ich machte mich wieder daran, auf meinem Heft herum zukritzeln.
»Schade mit dem Schnee, nicht wahr?«, fragte Edward.
„Wetter.“, sagte Alice ungläubig. „Du redest mit ihr über das Wetter.“
Ich hatte den Eindruck, er fühlte sich verpflichtet, mit mir zu reden. Wieder überkam mich dieses Gefühl der Paranoia: Es war, als hätte er meine Unterhaltung mit Jessica beim Essen mitgehört und würde mir jetzt das Gegenteil beweisen wollen.
„Es ist unheimlich, wie recht sie hat.“, sagte Jasper.
»Ehrlich gesagt, nein«, antwortete ich, anstatt so zu tun, als wäre ich ein normaler Mensch wie alle anderen hier.
Ich war immer noch damit beschäftigt, diesen blöden Argwohn abzuschütteln, und konnte mich kaum konzentrieren.
»Du magst die Kälte nicht.« Er fragte nicht, er stellte fest.
»Genauso wenig wie die Nässe.«
»Dann ist Forks wohl nicht gerade ein angenehmer Ort für dich«, folgerte er.
»Wenn du wüsstest«, murmelte ich finster.
Es war mir zwar ein Rätsel, warum, aber es sah aus, als faszinierte ihn das, was ich sagte.
„Ähm.. das ist seltsam..“, murmelte Emmett.
„Ich muss wohl wissen wollen, weshalb sie dann hergekommen ist.“, sagte Edward.
Sobald ich ihn anschaute, war es mit meiner Konzentration vorbei, also versuchte ich, es gerade oft genug zu tun, um nicht unhöflich zu wirken.
»Warum bist du dann hierhergezogen?« ...
Edward schmunzelte. „Seht ihr?“
„Das ist nicht nett, Edward. Du solltest sie nicht bespitzeln.“, sagte Esme streng.
„Tut mir leid.“ Edward versuchte das Schmunzeln zu unterdrücken.
Das hatte mich noch keiner gefragt, nicht so direkt wie er - so fordernd.
»Komplizierte Geschichte.«
»Ich bin mir sicher, dass ich folgen kann«, bohrte er weiter.
Ich machte eine lange Pause, dann beging ich den Fehler, sei nen Blick zu erwidern. Die tiefgoldenen Augen verwirrten mich, und ich antwortete, ohne nachzudenken.
»Meine Mutter hat wieder geheiratet«, sagte ich.
»Das klingt doch gar nicht so kompliziert«, erwiderte er überraschend sanft. »Wie lange ist das her?«
»Letzten September.« Meine Stimme klang traurig, selbst mir fiel das auf.
»Und du kannst ihn nicht ausstehen«, mutmaßte er einfühlsam.
»Nein, Phil ist schon okay. Zu jung vielleicht, aber eigentlich nett.«
»Warum bist du nicht bei ihnen geblieben?«
Ich konnte mir sein Interesse zwar nicht erklären, aber er schaute mich immer noch so durchdringend an, als wäre meine langweilige Lebensgeschichte aus irgendeinem Grund irre wichtig.
»Phil ist viel unterwegs. Er ist Baseballprofi.« Ich musste ein wenig lächeln.
„Ich frage mich, ob wir ihn kennen.“ Emmett war genauso Baseball-besessen wie Jasper und Edward.
»Kenne ich ihn?«, fragte er und erwiderte mein Lächeln.
»Würde mich wundern. Er ist kein guter Baseballprofi. Nur Minor League. Er spielt, wo er kann.«
»Und deine Mutter hat dich hierhergeschickt, damit sie mit ihm mitreisen kann.« Wieder fragte er nicht, sondern stellte fest.
„Falsch. Ihre Mutter wollte, dass sie bleibt.“, sagte Emmett.
„Aber nur ein großer Teil von ihr.“, stellte Edward klar. „Der andere Teil ist lieber mit ihrem neuen Mann allein.“
Ich reckte mein Kinn ein wenig vor. »Sie hat mich nicht hierhergeschickt. Ich hab mich selbst geschickt.«
„Sie mag es nicht, wenn du einfach Sachen annimmst.“ Emmett kicherte. „Hör auf so ein Besserwisser zu sein.“
Seine Augenbrauen schoben sich zusammen. »Das verstehe ich nicht«, gab er zu - eine Tatsache, die ihn über alle Maßen zu frustrieren schien.
„Und wieder verblüfft.“ Emmett jubelte. „Drei mal an einem Tag.“
Ich seufzte. Wozu erklärte ich ihm das alles?
Er schaute mich unvermindert neugierig an. »Zuerst blieb sie bei mir in Phoenix, aber sie vermisste ihn. Sie war unglücklich . Also dachte ich mir, es wäre eine gute Idee, meine Beziehung zu Charlie ein wenig aufzufrischen.« Mittlerweile klang ich wirklich niedergeschlagen.
»Aber jetzt bist du unglücklich«, stellte er fest.
»Und?«
„Selbstlos.“, murmelte Edward, lächelte als er den Kopf schüttelte. „Anderer Leute Glück ist für sie wichtiger, als ihr eigenes.“
»Ist das gerecht?«, fragte er leichthin, doch die Intensität seines Blickes war ungebrochen.
Ich lachte kurz auf. »Seit wann ist das Leben denn gerecht?«
Edward lächelte leicht. „Wie recht sie doch hat.“
»Jetzt, wo du's sagst - stimmt, seit wann?«, antwortete er trocken.
„Hör auf dich zu wiederholen.“, seufzte Emmett.
»Das ist die ganze Geschichte«, beharrte ich und kapierte nicht, warum er mich immer noch so anstarrte.
»Du verstellst dich ausgezeichnet«, sagte er langsam. »Aber ich wette, dass es dir viel mehr ausmacht, als du irgendjemandem zeigst.«
„Edward, hör auf damit. Sie mag es nicht, dass du sie damit aufziehst, dass sie leidet.“ Esme funkelte ihren Sohn streng an.
„Tut mir Leid. Ich glaube nicht, dass ich das in dem Buch bereits weiß.“, seufzte Edward.
Ich verzog mein Gesicht, widerstand dem Impuls, ihm wie eine Fünfjährige die Zunge rauszustrecken, und schaute weg.
»Hab ich Unrecht?«
Ich versuchte ihn zu ignorieren.
»Dachte ich's mir doch«, murmelte er selbstgefällig.
»Was interessiert dich das denn?«, fragte ich verärgert.
„Edward kann ziemlich seltsam sein.“, lachte Emmett.
„Ihre Frage ist mehrdeutig, also was kümmert dich das?“, fragte Jasper.
Edward seufzte. „Ich weiß es nicht. In Small Talk war ich noch nie gut.“
Ich schaute ihn nicht an, sondern beobachtete Mr. Banner bei seiner Runde durch die Klasse.
»Das ist eine sehr gute Frage«, sagte er so leise, dass ich mich fragte, ob er mit sich selbst geredet hatte. Doch nach ein paar Sekunden des Schweigens wurde mir klar, dass ich keine andere Antwort bekommen würde.
Ich seufzte und starrte erbost zur Tafel.
»Nerve ich dich?«, fragte er. Es klang amüsiert.
Wieder schaute ich ihn an, ohne nachzudenken ... und wieder antwortete ich ganz wahrheitsgemäß. »Nicht du, ich selbst nerve mich. Ich bin so leicht zu durchschauen - man kann mir alles vom Gesicht ablesen. Meine Mutter nennt mich immer ihr offenes Buch.« Ich runzelte die Stirn.
»Im Gegenteil, ich finde es außerordentlich schwer, dich zu durchschauen.« Trotz allem, was ich gesagt und er vermutet hatte, schien er es ernst zu meinen.
„Was bedeutet das?“, fragte Carlisle zerstreut.
„Ich weiß es nicht.“, antwortete Edward alarmiert.
»Dann bist du wohl besonders gut darin«, erwiderte ich.
»Normalerweise schon.« Er grinste breit und offenbarte eine Reihe perfekter, blendend weißer Zähne.
„Du verwirrst mich, Edward.“, sagte Carlisle. „Mit dem was du sagst, und mit dem, was du tust.“
„Mir geht es genauso, Carlisle.“, murmelte Edward. „Aber ich würde sagen, dass ich lächle, damit ihre Instinkte sie endlich vor mir warnen.“
„Ja, aber das andere.. Es scheint so, als würde deine Gabe nicht funktionieren..“
In dem Augenblick rief Mr. Banner die Klasse zur Ruhe, und ich drehte mich erleichtert in seine Richtung, um zuzuhören. Ich konnte nicht glauben, dass ich diesem seltsamen, schönen Jungen, von dem ich nicht wusste, ob er mich verachtete oder nicht, gerade meine ganze öde Lebensgeschichte erzählt hatte. Unser Gespräch hatte ihn anscheinend gefesselt, doch jetzt sah ich aus den Augenwinkeln, dass er sich erneut von mir weglehnte und mit unverkennbarer Anspannung die Tischkante umklammerte.
Mr. Banner demonstrierte mit Hilfe von Folien auf dem Overheadprojektor, was ich ohne Schwierigkeiten unter dem Mikroskop gesehen hatte. Ich versuchte Konzentration vorzutäuschen, doch meine Gedanken ließen sich nicht im Zaum halten.
Als es endlich klingelte, schoss Edward ebenso blitzartig und anmutig aus dem Raum wie am vergangenen Montag. Und wieder starrte ich ihm voller Verwunderung hinterher.
„Du machst alles wieder kaputt, es lief doch gerade so gut.“ Rosalie fuhr sich gelangweilt durch ihr Haar.
Da kam auch schon Mike angesprungen und griff nach meinen Büchern. Ich stellte ihn mir mit wedelndem Schwanz vor.
Emmett brach in Lachen aus.
»War das schrecklich«, stöhnte er. »Die sahen alle genau gleich aus. Ein Glück für dich, dass du mit Cullen zusammensitzt.«
»Ich hatte keine Probleme«, sagte ich, pikiert von seiner selbstverständlichen Annahme, es sei mir ebenso schwergefallen wie ihm.
„Sie hasst falsche Annahmen ernsthaft.“, kicherte Emmett.
Doch sofort bereute ich es, ihn so abgefertigt zu haben. »Ich hab die Übung aber schon mal gemacht«, fügte ich hinzu, um ihn nicht zu verletzen.
„Und will andere sofort besänftigen.“, ergänzte Esme.
»Cullen schien ja heute ganz freundlich zu sein«, kommentierte er, während wir unsere Regenjacken anzogen. Er war offensichtlich nicht sehr erfreut darüber.
Ich gab mich gleichgültig. »Wer weiß, was er letzte Woche hatte.«
Auf dem Weg zur Turnhalle konnte ich mich kaum auf Mikes Geschwätz konzentrieren, und beim Sport gab es auch nicht viel, was meine Aufmerksamkeit fesselte. Mike war heute in meiner Mannschaft und deckte ritterlich meine Position zusätzlich zu seiner ab, weshalb meine Träumereien nur dann kurz unterbrochen wurden, wenn ich mit der Angabe an der Reihe war und alle in meiner Mannschaft vorsorglich in Deckung gingen.
Als ich zum Parkplatz lief, war von dem Regen nur noch feuchter Nebel übrig geblieben, doch mir war trotzdem wohler, als ich im trockenen Fahrerhaus saß. Ich stellte die Heizung an selbst das ohrenbetäubende Dröhnen des Motors war mir jetzt egal. Ich öffnete den Reißverschluss meiner Jacke, zog mir die Kapuze vom Kopf und schüttelte meine Haare, damit die warme Luft sie auf dem Weg nach Hause trocknen konnte.
Als ich mich umschaute, um zu sehen, ob hinter mir frei war, fiel mein Blick auf eine unbewegte Figur: Edward Cullen lehnte an der Vordertür des Volvos, drei Autos von mir entfernt, und starrte mich an.
„Du wartest immer IM Auto auf uns.“, sagte Jasper und schaute seinen Bruder verwirrt an.
„Und er würde Bella niemals so ansehen.“ Auch Emmett schien verwirrt.
Ich schaute blitzschnell weg, legte hastig den Rückwärtsgang ein und hätte beinahe einen halbverrosteten Toyota Corolla gerammt. Zum Glück für ihn konnte ich gerade noch rechtzeitig bremsen - das war genau die Sorte Auto, aus der mein Transporter ein zerknülltes Stück Metall gemacht hätte. Ich atmete tief durch, schaute zur anderen Seite hinaus und fuhr behutsam aus meiner Parklücke, dieses Mal mit mehr Erfolg. Als ich am Volvo vorbeikam, blickte ich stur geradeaus, doch ich hätte schwören können, dass ich ihn aus den Augenwinkeln lachen sah.
„Das habe ich wahrscheinlich auch.“, gab Edward zu.
„Ich würde es jedenfalls tun.“, gluckste Emmett.
„Das war das Ende des Kapitels.“, sagte Edward.
„Ich bin dran.“, sagte Emmett und nahm sich das Buch.
Der nächste Tag war besser ... und schlimmer.
„Wer will wetten, dass Edward etwas damit zu tun hat?“, kicherte Emmett.
„Nein, das ist zu einfach.“, sagte Jasper, der ebenfalls über Edward lachte. „Wir müssen wetten, ob er daran schuld ist, dass der Tag gut oder schlecht ist.“
„Du hast recht.“, sagte Emmett nachdenklich. „Ich wette..“
„Halt den Mund.“, grollte Edward und seine Brüder nahmen diesmal seine Warnung ernst.
Er war besser, weil es nicht regnete, zumindest nicht gleich morgens, obwohl die Wolken dicht und trüb am Himmel hingen. Und einfacher, weil ich wusste, was mich erwartete. Mike setzte sich in Englisch zu mir und begleitete mich unter den feindseligen Blicken von Schachklub-Eric zu meinem nächsten Kurs; das war doch immerhin schmeichelhaft.
„Sie scheint Aufmerksamkeit von Jungen nicht zu mögen.“, stellte Alice fest.
„Seltsam.“, murmelte Rosalie ungläubig.
Ich wurde nicht mehr ständig angestarrt wie am Vortag. Ich saß mit einer großen Gruppe von Leuten beim Mittagessen, darunter Mike, Eric, Jessica und einige andere, deren Gesichter und Namen ich mir mittlerweile merken konnte. Ich bekam das Gefühl, langsam schwimmen zu lernen, anstatt nur hilflos mit den Armen zu rudern.
Er war schlimmer, weil ich müde war; ich konnte noch immer nicht schlafen, weil der Wind um das Haus heulte. Er war schlimmer, weil mich Mr. Varner in Mathe aufrief, obwohl ich mich nicht gemeldet hatte, und meine Antwort falsch war. Er wurde richtig schlimm, als ich Volleyball spielen musste und den Ball beim einzigen Mal, als ich ihm nicht auswich, einer Mannschaftskameradin an den Kopf schoss.
Emmett lachte laut. „Ich wünschte ich hätte mit ihr Sport!“
Vor allem aber war der zweite Tag deshalb schlimmer als der erste, weil Edward Cullen nicht in der Schule war.
„Siehst du Eddy, du bist drin!“, lachte Emmett wieder über Edward.
„Du bist gegangen..“, seufzte Esme traurig.
„Vielleicht bin ich einfach nur nicht zur Schule gegangen.“, versuchte Edward es den anderen auszureden.
'Du weißt, dass du uns verlassen hast.', dachte Alice und warf Edward einen langen Blick zu.
Den ganzen Vormittag über graute mir bei dem Gedanken an die Mittagspause und seine unerklärlichen, hasserfüllten Blicke. Ein Teil von mir wollte zu ihm gehen und eine Erklärung verlangen. Nachts, als ich im Bett lag und nicht schlafen konnte, hatte ich mir sogar überlegt, was ich sagen würde. Doch ich kannte mich gut genug, um zu wissen, dass ich nicht den nötigen Mumm dafür hatte. Verglichen mit mir war der feige Löwe aus Der Zauberer von Oz ein Superheld.
„Ein Löwe ist aber kein Superheld.“, murmelte Edward.
„Und ich glaube nicht, dass das Mädchen feige ist.“, sagte Carlisle.
Als ich dann mit Jessica die Cafeteria betrat und vergeblich versuchte, nicht den ganzen Saal mit den Augen nach ihm abzusuchen, sah ich seine vier QuasiGeschwister gemeinsam am gleichen Tisch sitzen wie tags zuvor - er jedoch war nirgends zu sehen.
„Quasigeschwister ist eine gute Beschreibung für uns.“
Mike fing uns ab und brachte uns zu seinem Tisch. Jessica schien seine Aufmerksamkeit in Hochstimmung zu versetzen,
„Ja, das tut es.“, sagte Edward. „Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er ihre Leidenschaft von mir auf sich gelenkt hat.“
und ihre Freundinnen und Freunde gesellten sich schnell zu uns. Ich versuchte ihrem ungezwungenen Geplauder zu folgen, doch mir war überhaupt nicht wohl dabei - nervös wartete ich auf seine Ankunft und hoffte nur, dass er mich ignorieren und damit meine Befürchtungen widerlegen würde.
Er kam nicht, und ich wurde immer angespannter.
„Sie denkt definitiv viel über dich nach.“, stichelte Emmett weiter.
„Ich habe sie mit einem Mörderblick angesehen. Natürlich denkt sie darüber nach.“, gab Edward zurück.
„Ich bin mir nicht so sicher, WARUM sie an dich denkt.“, grinste Emmett.
Als er bis zum Ende der Pause nicht aufgetaucht war, ging ich etwas mutiger zu Biologie. Mike entwickelte immer mehr die Verhaltensweisen eines Golden Retriver und wich den ganzen Weg nicht von meiner Seite.
„Eine sehr treffende Beschreibung.“, gröhlte Emmett.
Als wir den Raum betraten, hielt ich die Luft an, doch auch hier war nichts von Edward Cullen zu sehen. Erleichtert atmete ich aus und ging zu meinem Platz.
Mike folgte mir und erzählte von einem geplanten Ausflug zum Strand. Er blieb bei meinem Tisch, bis es klingelte, dann lächelte er wehmütig und setzte sich neben ein Mädchen mit Zahnspange und missratener Dauerwelle. Ich musste mir etwas einfallen lassen, was Mike anging, doch es würde nicht einfach werden. In einer Stadt wie dieser, in der alle aufeinanderhockten, war Diplomatie gefragt. Ich hatte keinerlei Erfahrung im Umgang mit allzu freundlichen Jungs.
„Sie mag Mike nicht.“
„Genau, Eddy. Du brauchst dir wegen ihm keine Sorgen zu machen.“, fügte Emmett hinzuu.
Edward schwieg eisern, doch seine Augen leuchteten kurz auf.
Ich war froh, dass Edward nicht da war und ich den Tisch für mich allein hatte. Das redete ich mir zumindest ein, immer wieder, ohne jedoch den schleichenden Verdacht loszuwerden, dass ich der Grund für seine Abwesenheit war. Es war natürlich völlig albern und egozentrisch, mir einzubilden, dass ich jemanden so stark beeinflussen könnte. Es war unmöglich. Und doch konnte ich das Gefühl nicht abschütteln, dass es stimmte.
„Oh, es ist war!“, rief Alice mit ihrer singenden Stimme...
Als der Schultag endlich geschafft und das Blut nach dem Zwischenfall beim Volleyball wieder aus meinen Wangen gewichen war, zog ich mir schnell meine Jeans und meinen marineblauen Pullover an. Ich hatte es eilig, den Umkleideraum zu verlassen, und war froh, als ich sah, dass ich meinem Freund, dem Golden Retriver, für den Moment entkommen war. Rasch lief ich zum Parkplatz, der von flüchtenden Schülern bevölkert war, stieg in meinen Transporter und kramte in meiner Tasche, um sicherzugehen, dass ich alles Nötige eingepackt hatte.
Am Abend zuvor hatte ich nämlich entdeckt, dass Charlies Kochkünste nicht über Spiegeleier mit Speck hinausgingen, und für die Dauer meines Aufenthaltes das Küchenkommando beansprucht.
„Ich denke wir werden in diesem Buch viel über Essen lesen.“ Jasper verzog das Gesicht.
„Zumindest müssen wir es nicht riechen.“, seufzte Edward.
Charlie war einverstanden gewesen. Außerdem hatte ich herausgefunden, dass nichts Essbares im Haus war, weshalb ich mich jetzt mit meiner Liste und ein paar Scheinen aus einer Dose mit der Aufschrift »Einkaufsgeld« auf den Weg zu Thriftway machte.
Ich ließ meinen lärmenden Motor aufheulen, ignorierte die Leute, die sich nach mir umdrehten, legte den Rückwärtsgang ein und reihte mich vorsichtig in die Schlange der Fahrzeuge ein, die den Parkplatz verlassen wollten. Während ich wartete und so tat, als käme das ohrenbetäubende Dröhnen von einem anderen Auto, sah ich die beiden Cullens und die Haie-Zwillinge in ihren Wagen steigen. Es war der blitzende neue Volvo natürlich. Bisher hatten mich ihre Gesichter zu sehr gefesselt, als dass ich auf ihre Kleidung geachtet hätte,
„Hm..“, machte Alice und sah unglücklich aus.
doch jetzt sah ich, dass sie allesamt außerordentlich gut gekleidet waren: Sie trugen schlichte Sachen, die subtil auf ihre Designer-Herkunft schließen ließen. Dabei hätten sie bei ihrem Aussehen und der Art und Weise ihres Auftretens genauso gut in Lumpen gehen können.
„Auf keinen Fall.“, sagten Rosalie und Alice gleichzeitig entsetzt.
War es nicht zu viel des Guten, nicht nur blendend auszusehen, sondern auch noch Geld zu haben?
„Das haben wir unserer kleinen Nervensäge zu verdanken.“ Emmett griff Alice in die stacheligen Haare, doch sie wich aus.
„Nur deshalb wollten wir sie bei uns haben.“, kicherte Edward und grinste seine Lieblingsschwester an.
Doch soweit ich das beurteilen konnte, war es meistens so im Leben. Auch wenn es ihnen hier in Forks anscheinend keine Anerkennung verschaffte.
Obwohl, so richtig glaubte ich das nicht. Ihre Isolation musste von ihnen gewollt sein - ich konnte mir nicht vorstellen, dass solcher Schönheit irgendwelche Türen verschlossen blieben.
„Das ist richtig und falsch.“, sagte Carlisle. „Menschliche Instinkte warnen Menschen vor uns, doch unser Aussehen ist ein Bonus.“
Als ich an ihnen vorbeifuhr, betrachteten sie meinen lärmenden Transporter, genau wie alle anderen.
„Ich denke nicht, dass wir den lärmenden Transporter ansehen.“, sagte Jasper. „Viel mehr das Mädchen, das in ihm sitzt.“
„Und wundern uns, weshalb Edward wegen ihr nicht da ist.“, ergänzte Alice.
Ich schaute stur geradeaus und war froh, als ich endlich vom Schulgelände runter war.
Thriftway befand sich ganz in der Nähe der Schule, nur ein paar Straßen weiter südlich. Es war angenehm, in einem Supermarkt zu sein, es gab mir ein Gefühl der Normalität. Zu Hause hatte ich auch die Einkäufe erledigt und war froh über die vertraute Aufgabe. Das Gebäude war groß genug, dass man in seinen Gängen das Tröpfeln des Regens auf dem Dach nicht hörte - ich konnte für eine Weile vergessen, wo ich mich befand.
Als ich zum Haus kam, packte ich die Einkäufe aus und verstaute sie überall, wo Platz war. Charlie hatte hoffentlich nichts dagegen. Dann wickelte ich Kartoffeln in Folie ein und legte sie zum Backen in den Ofen, marinierte ein Steak und platzierte es vorsichtig auf einer Packung Eier im Kühlschrank.
Als ich damit fertig war, nahm ich meine Tasche und ging nach oben. Bevor ich mit den Hausaufgaben anfing, zog ich mir eine trockene Jogginghose an, band meine feuchten Haare zu einem Zopf zusammen und schaute zum ersten Mal nach meinen E-Mails. Ich hatte drei Nachrichten.
„Die sind sicher alle von ihrer Mutter.“, sagte Edward.
„Bella“, schrieb meine Mom.
Schreib mir, sobald du ankommst. Wie war dein Flug? Regnet es? Ich vermisse dich jetzt schon. Ich hab fast alles gepackt für Florida, aber ich finde meine rosafarbene Bluse nicht. Weißt du, wo ich die hingetan hab? Grüße von Phil. Mom
Ich seufzte und öffnete die nächste Nachricht. Sie war acht Stunden nach der ersten abgeschickt worden.
„Bella“, schrieb sie.
Warum antwortest du mir nicht?
„Sie ist doch gerade erst angekommen.“ Alice verdrehte die Augen.
„Sie hätte antworten sollen.“, sagte Esme mütterlich. „Es ist nicht einfach, wenn eins deiner Kinder weit weg von dir ist.“
Worauf wartest du? Mom
Die letzte war an diesem Vormittag gekommen.
Isabella,
„Wetten, sie ist in schwierigkeiten?“, lachte Emmett.
wenn ich bis heute Abend halb sechs nichts von dir höre, ruf ich Charlie an.
Ich schaute auf die Uhr. Ich hatte noch eine Stunde, aber Mom war für ihre vorschnellen Aktionen bekannt.
Mom,
beruhige dich. Ich bin gerade dabei, dir zu schreiben.
„Sie schreibt gerade. Darauf wär jetzt keiner gekommen.“, sagte Emmett.
„Naja, genau gesagt schreibt sie nicht, sie tippt.“, sagte Edward.
„Das ist dasselbe.“, grummelte Emmett.
Kein Grund zur Panik.
Ich schickte die Nachricht ab und fing von vorne an.
Mom,
alles ist super. Natürlich regnet es. Ich wollte warten, bis was spannendes passiert.
„Schreib über den bösen Jungen, der dir Mörderblicke zugeworfen hat.“, sagte Emmett.
„Das ist nicht witzig.“, knurrte Edward.
Schule ist okay, nur ein bisschen langweilig. Ich hab ein paar nette Leute kennengelernt, mit denen ich jeden Tag zusammen Mittag esse. Deine Bluse ist in der Reinigung – Du solltest sie letzten Freitag abholen. Charlie hat mir einen Transporter gekauft, was sagst du dazu? Er ist toll -alt, aber echt robust, also genau das Richtige für mich.
„Hm..“, machte Carlisle.
„Was ist?“, wollte Esme wissen.
„Das ist das, was Charlie ihr über den Transporter erzählt hat. Es wird ein gutes Auto für sie sein.“, erklärte er.
„Er kennt sie gut.“ Esme lächelte.
Ich vermisse dich auch. Ich melde mich bald wieder, aber ich werde nicht alle fünf Minuten meine Mails checken. Entspann dich, atme tief durch. Ich liebe dich
Bella.
Als Charlie heimkam, war ich gerade in Sturmhöhe versunken. Den Roman nahmen sie hier gerade in Englisch durch; ich kannte ihn zwar schon, hatte aber Lust, ihn noch mal zu lesen.
„Juhu, etwas worauf wir uns freuen können!“, sagte Edward.
„Sieht nicht so aus, als würde sie dir zustimmen.“, sagte Emmett.
„Aber sie liest gerne solch altes Zeug. Viele Menschen finden es langweilig.“, stellte Alice fest.
Mir war nicht aufgefallen, dass es schon so spät war, also rannte ich jetzt die Treppe runter, um die Kartoffeln aus dem Ofen zu nehmen und das Steak zu braten.
»Bella?«, rief mein Vater, als er mich die Treppe herunterpoltern hörte.
Wer sonst?, dachte ich.
»Hey, Dad, willkommen zu Hause.«
»Danke.« Er hängte seinen Pistolengurt an den Haken und zog sich die Stiefel aus; ich wuselte in der Küche herum. Soviel ich wusste, hatte er im Dienst noch nie einen Schuss abgegeben. Aber seine Waffe war geladen.
Wenn ich ihn als Kind besucht hatte, nahm er immer als Erstes die Patronen heraus, wenn er nach Hause kam. Wahrscheinlich hielt er mich mittlerweile für alt genug, mich nicht versehentlich zu erschießen, und nicht für depressiv genug, um es absichtlich zu tun.
»Was gibt's zu essen?«, fragte er vorsichtig.
Meine Mutter war eine fantasievolle Köchin, aber ihre Experimente waren nicht immer essbar. Es überraschte mich, dass er sich an etwas erinnerte, das so weit zurücklag. Und es machte mich traurig. »Steak mit Kartoffeln«, antwortete ich. Er sah erleichtert aus.
Er schien sich nicht wohl dabei zu fühlen, untätig in der Küche herumzustehen, und stapfte schwerfällig ins Wohnzimmer, um fernzusehen, solange ich zu tun hatte. Das ersparte uns beiden die Verlegenheit, uns unterhalten zu müssen.
Ich machte einen Salat, während das Steak in der Pfanne briet, und deckte den Tisch.
Als ich fertig war, rief ich ihn, und er schnupperte anerkennend, als er hereinkam.
»Riecht gut, Bell.«
»Danke.«
Ein paar Minuten lang aßen wir schweigend, doch es war nicht unangenehm. Keinen von uns störte die Stille. Was das anging, waren wir fürs Zusammenleben wie geschaffen.
„Das ist schön.“, sagte Esme. Ihr Lächeln verschwand, als sie darüber nachdachte, ob das wirklich gut war, dann lächelte sie aber wieder. „Sie passen zusammen.“
»Und, wie findest du's in der Schule? Schon Freunde gefunden?«, fragte er, während er sich mehr auftat.
»Ich hab ein paar Fächer zusammen mit einer Jessica, mit ihr und ihren Freunden esse ich auch immer zusammen. Und dann gibt's noch einen Jungen, Mike, der ist sehr sympathisch. Alle scheinen ziemlich nett zu sein.« Mit einer Ausnahme.
„Eddy.“, lachte Emmett.
„Sie hat NIEMANDEN ihren Freund genannt.“, stellte dieser klar.
»Das muss Mike Newton sein. Netter Junge - nette Familie. Seinem Dad gehört das Sportgeschäft außerhalb der Stadt. Er verdient ganz gut an den Rucksacktouristen, die hier vorbeikommen.«
„Und dank uns.“, lachte Jasper. „Obwohl wir das nicht nötig haben.“
»Kennst du die Cullens?«, fragte ich zögerlich.
»Die Familie von Dr. Cullen? Klar. Dr. Cullen ist großartig.«
„Das ist er.“, sagte Esme stolz und legte einen Arm um ihren Mann.
»Sie ... also seine Kinder ... sie wirken irgendwie anders. Sie scheinen nicht so richtig rein zupassen in die Schule.«
Charlie überraschte mich mit einem verärgerten Blick.
»Diese Leute hier«, murmelte er. »Dr. Cullen ist ein brillanter Chirurg, der wahrscheinlich in jedem Krankenhaus der Welt arbeiten und zehnmal so viel verdienen könnte wie hier«, fuhr er fort und wurde immer lauter.
»Wir können froh sein, dass wir ihn haben - dass seine Frau in einer Stadt wie dieser wohnen wollte. Er ist ein Gewinn für die Gemeinde, und die Kinder sind wohlerzogen und höflich. Als sie herzogen, hatte ich so meine Bedenken.
Lauter adoptierte Teenager - ich dachte, das könnte problematisch werden. Aber sie sind alle sehr reif. Keiner von ihnen hat mir je irgendwelche Probleme bereitet, was ich von den Kindern der alteingesessenen Familien nicht so ohne weiteres behaupten kann.
Und sie halten zusammen, wie sich das gehört für eine Familie, unternehmen Sachen, alle paar Wochen einen Campingausflug ..; Nur weil sie neu hier sind, reden die Leute.«
„Wow, ich wusste gar nicht, dass Charlie uns so sehr mag.“, sagte Edward und alle sahen sich erstaunt an.
„Er ist ein netter Mann.“, sagte Esme.
„Obwohl er unrecht hat, denn wir bereiten sehr wohl Probleme.“ Emmett kicherte.
„Ich hätte einfach nicht gedacht, dass Charlie so von uns denkt.“, sagte Edward. „Ich habe nicht geahnt, dass er auf ihre Worte zu reagiert.“
Es war die längste Rede, die ich je aus Charlies Mund gehört hatte. Offensichtlich ärgerte er sich sehr über das Gerede der Leute.
„Das stimmt. Seine Reaktion war abnormal.“, sagte Jasper nachdenklich.
„Er ist mit den Quileute befreundet. Ich dachte, dass er von ihnen nur Schlechtes über uns hört.“, murmelte Carlisle.
„Stimmt.“ Jasper nickte zustimmend.
Ich ruderte zurück. »Ich hatte ja auch das Gefühl, dass sie ganz nett sind. Mir ist nur aufgefallen, dass sie unter sich bleiben. Und dass sie alle ziemlich gut aussehen«, fügte ich hinzu, um noch was Positives zu sagen.
»Da solltest du mal den Doktor sehen«, sagte Charlie und lachte. »Nur gut, dass er glücklich verheiratet ist. Etliche der Schwestern im Krankenhaus haben Schwierigkeiten, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, wenn er in der Nähe ist.«
„Ich sollte das im Auge behalten.“, sagte Carlisle und wirkte amüsiert.
Wir beendeten das Essen so schweigend, wie wir es begonnen hatten. Hinterher räumte er den Tisch ab und ich machte mich an den Abwasch - von Hand, Charlie hatte keinen Geschirrspüler. Dann zog er sich wieder vor den Fernseher zurück, während ich lustlos nach oben ging, um meine Mathehausaufgaben zu erledigen. Der Ablauf hatte das Zeug zum abendlichen Ritual.
In dieser Nacht war es endlich still. Ich schlief schnell ein, vollkommen erschöpft.
Der Rest der Woche verlief ereignislos. Mein Stundenplan wurde zur Routine, und spätestens am Freitag kannte ich fast alle Schüler vom Sehen, wenn auch noch nicht beim Namen. Meine Mannschaftskameraden beim Volleyball gewöhnten sich daran, mir nicht den Ball zuzuspielen und sich vor mich zu stellen, sobald jemand vom gegnerischen Team meine Schwäche ausnutzen wollte. Und ich hatte nicht das Geringste dagegen, aus der Schusslinie zu treten.
Edward Cullen kam die ganze Woche nicht wieder zur Schule.
Esme seufzte unglücklich, sagte jedoch nichts.
Jeden Tag wartete ich voller Anspannung, bis ich die vier Cullens ohne ihn die Cafeteria betreten sah. Dann erst konnte ich mich entspannen und mit den anderen unterhalten. Meistens drehte es sich um einen Ausflug zum La Push Ocean Park in zwei Wochen, den Mike organisierte. Ich war eingeladen und hatte zugesagt, wenn auch vor allem aus Höflichkeit.
Die Strände, nach denen ich mich sehnte, waren heiß und trocken.
„Ich frage mich ob es hier etwas gibt, das sie mag.“, sagte Jasper.
„Bis jetzt nicht.“, kicherte Alice.
„Vielleicht kommt Edward ja wieder.“, stichelte Emmett.
„Das wäre nicht gut für sie.“, knurrte Edward. „Das wird nicht passieren.“
„Sei dir da mal nicht so sicher.“, sagte Emmett munter. „Wir haben die Bücher nicht grundlos bekommen und ich denke, dass wir oft in ihnen vorkommen werden.“
Edward versuchte eine andere logische Erklärung zu finden, wusste jedoch, dass sein Bruder recht hatte.
Am Ende der Woche fiel es mir leicht, den Biologieraum zu betreten - ich machte mir keine Sorgen mehr, dass Edward auf tauchen könnte. Für mich sah es so aus, als hätte er die Schule verlassen. Ich versuchte nicht an ihn zu denken, konnte aber das quälende Gefühl, dass ich der Grund für seine anhaltende Abwesenheit war, nicht völlig unterdrücken, so lächerlich es mir auch erschien.
„Warum sorgt sie sich so deswegen?“, fragte Rosalie gelangweilt und wandte sich ab.
„Sie möchte nicht an irgendjemandes Schmerz schuld sein.“, erklärte Esme.
„Jap, sie denkt eher an andere, als an sich selbst.“, sagte Edward und funkelte seine Schwester an. „Nicht, wie andere von uns.“
Rosalie knurrte, sagte aber nichts dazu.
Mein erstes Wochenende in Forks verlief ohne Zwischenfall. Charlie, daran gewöhnt, wenig Zeit in einem Haus zu verbringen, das normalerweise leer war, arbeitete auch an den freien Tagen. Ich machte sauber, erledigte meine Hausaufgaben und schrieb noch ein paar betont fröhliche Mails an Mom. Am Samstag fuhr ich zur Bibliothek,
„Viel Glück, da findet sie nie etwas.“
„Vielleicht sollten wir ein Paar Bücher spenden.“, schlug Carlisle vor, der Mal wieder den Menschen helfen wollte.
aber sie war so schlecht bestückt, dass ich mir nicht einmal eine Mitgliedskarte geben ließ; ich nahm mir vor, für die nächste Zeit einen Besuch in Olympia oder Seattle einzuplanen und mir dort einen guten Buchladen zu suchen. Wie viel Sprit der Transporter wohl verbrauchte? Lieber nicht darüber nachdenken, dachte ich mit Schrecken.
Der Regen blieb das Wochenende über schwach und leise genug, dass ich gut schlafen konnte.
Als ich am Montagmorgen auf dem Schulparkplatz ankam, wurde ich von allen Seiten begrüßt; ich kannte noch nicht alle Namen, winkte aber zurück und lächelte. Es war kälter als an den Tagen davor, aber zum Glück regnete es nicht. In Englisch setzte sich Mike auf seinen gewohnten Platz neben mir. Wir schrieben einen unangekündigten Test über Sturmhöhe, aber der war zum Glück sehr einfach.
„Hm.. dieser Tag wird detaillierter beschrieben. Ich denke, Edward kommt zurück.“, sagte Emmett.
„Ich hoffe es.“, flüsterte Esme.
Alles in allem fühlte ich mich sehr viel wohler, als ich erwartet hatte. Wohler, als ich erwartet hatte, mich je hier zu fühlen.
„Ah, vielleicht mag sie es doch hier.“, sagte Jasper.
„Das würde ich nicht sagen.“, sagte Alice. „Es ist nur nicht so schrecklich, wie sie es sich vorgestellt hatte.“
Als wir nach Englisch vor die Tür traten, wirbelten lauter weiße Fusseln durch die Luft.
„Ah.. Schnee, ich liebe Schnee.“, sagte Emmett und dachte an seine letzte Schneeballschlacht gegen Jasper und Edward zurück.
Schüler schrien aufgeregt durcheinander. Der Wind schnitt mir in Nase und Wangen.
»Wow«, sagte Mike. »Es schneit.«
Ich betrachtete die kleinen wolligen Bausche, die sich am Boden aufschichteten und mir wild ums Gesicht wehten.
»Uh.« Schnee. Das war's dann wohl mit meinem guten Tag.
„Sie mag keinen Schnee?“, fragte Emmett entsetzt. „Sie ist seltsam.“
Er sah überrascht aus. »Magst du keinen Schnee?«
»Nein. Schnee bedeutet, es ist zu kalt für Regen.« Logisch. »Außerdem dachte ich, es schneit in Flocken - jede einzigartig und so. Die hier sehen aus wie die Enden von Wattestäbchen.«
»Sag bloß, du hast noch nie Schnee fallen sehen«, sagte er ungläubig.
»Doch, na klar« -
„Klingt nicht überzeugend.“, sagte Emmett stirnrunzelnd.
ich machte eine Pause. »Im Fernsehen.«
Emmett lachte los.
Mike lachte. Im nächsten Augenblick traf ihn ein großer, matschiger, tropfender Schneeball am Hinterkopf. Wir drehten uns beide herum, um zu sehen, woher der gekommen war. Mein Verdacht fiel auf Eric, der gerade in die andere Richtung davonging, obwohl er denselben Weg hatte wie wir. Mike hatte offensichtlich den gleichen Gedanken; er hockte sich hin und begann weißen Matsch zusammenzukratzen.
»Wir sehen uns beim Essen, okay?«, sagte ich, ohne stehen zu bleiben. »Wenn Leute anfangen, nasses Zeug durch die Gegend zu werfen, weiß ich, es ist Zeit zu verschwinden.«
Er nickte nur; seine ganze Aufmerksamkeit galt Eric, der sich unauffällig aus dem Staub zu machen versuchte.
Den ganzen Vormittag war der Schnee das einzige Thema; offensichtlich war es der erste in diesem Jahr. Ich sagte dazu nichts. Schnee war vielleicht trockener als Regen, aber nur, bis er einem in den Socken schmolz.
In erhöhter Alarmbereitschaft lief ich nach Spanisch mit Jessica zur Cafeteria. Von überall kamen die Bälle geflogen. Ich hielt einen Ordner in den Händen, um ihn im Fall der Fälle als Schutzschild zu benutzen.
„Ich glaube nicht, dass ihre Reflexe so gut sind, dass das funktionieren würde.“, kicherte Emmett.
Jessica fand das irre komisch, aber irgendwas in meinem Gesichtsausdruck hielt sie davon ab, selbst einen Schneeball nach mir zu werfen. An der Tür holte uns Mike ein, dessen stachlige Frisur vom Schnee ganz aufgeweicht war. Als wir uns an der Essensausgabe anstellten, unterhielten sich die beiden aufgekratzt über die Schneeballschlacht. Ich warf aus reiner Gewohnheit einen Blick zum Tisch in der Ecke. Und blieb wie vom Schlag getroffen stehen. Dort saßen fünf Personen.
„Da da da damm...“, machte Emmett.
Jessica zog mich am Arm.
»Hallo? Bella? Was nimmst du?«
Ich schaute zu Boden, meine Ohren glühten. Ich habe ihm nichts getan, sagte ich mir. Es gibt keinen Grund, sich schlecht zu fühlen.
»Was ist denn mit Bella?«, fragte Mike Jessica.
„Rede doch selbst mit ihr, Idiot..“, murmelte Edward.
»Gar nichts«, erwiderte ich. »Ich nehme nur was zu trinken.« Ich schloss die Lücke zum Ende der Schlange.
»Hast du keinen Hunger?«, fragte Jessica.
»Ehrlich gesagt, mir ist ein bisschen schlecht«, sagte ich, ohne aufzuschauen.
„Das nenne ich attraktiv. Du machst sie krank.“, lachte Emmett.
Ich wartete, bis sie ihr Essen geholt hatten, dann folgte ich ihnen mit gesenktem Blick zum Tisch.
Langsam nippte ich an meinem Wasser, in meinem Magen rumorte es. Mike war übermäßig besorgt und erkundigte sich mehrmals nach meinem Befinden.
Ich sagte zwar, dass alles okay sei, überlegte aber ernsthaft, ob ich die Vorlage annehmen und für eine Stunde im Zimmer der Krankenschwester verschwinden sollte.
„Sie denkt sogar darüber nach vor dir wegzulaufen.“, kicherte Emmett.
Lächerlich. Es gab keinen Grund davonzulaufen!
„Hm..“, machte Edward und sah amüsiert aus.
„Was ist so lustig?“, fragte Esme verwundert.
„Es ist nur.. ich bin wegen ihr abgehauen.“, erklärte er. „Und nun macht sie dasselbe auch wegen mir.“
„Du denkst darüber nach, weil du nicht als das Weichei dastehen willst, oder?“ Jasper wirkte ebenfalls amüsiert.
„Vielleicht ein bisschen.“, sagte Edward und tat gelangweilt.
Ich beschloss, einen Blick zum Familientisch der Cullens zu werfen. Sollte er mich mit demselben wütenden Blick wie letzte Woche ansehen, dann würde ich - feige, wie ich war - die Biostunde schwänzen.
Vorsichtig, mit gesenktem Kopf, blinzelte ich in ihre Richtung. Keiner der fünf schaute zu uns rüber. Ich hob meinen Kopf ein wenig.
Sie lachten. Die Haare von Edward, Jasper und Emmett waren ganz von schmelzendem Schnee durchnässt. Alice und Rosalie lehnten sich weit weg, als Emmett seine triefenden Locken in ihre Richtung schüttelte. Genau wie alle anderen genossen sie den Wintertag - nur dass sie im Gegensatz zu uns anderen dabei wie Figuren aus einem Film aussahen.
„Daran ist bestimmt unsere kleine Pixie schuld.“, stichelte Edward.
„Wir sehen wohl niemals annähernd normal aus.“, seufzte Alice.
Und noch etwas war anders als in der vorigen Woche, nicht nur ihr Lachen und ihre Ausgelassenheit; ich konnte aber nicht sagen, was es war. Edward musterte ich mit der größten Aufmerksamkeit,
und es kam mir vor, als wäre seine Haut weniger blass vielleicht nur wegen der Schneeballschlacht -
„Nein, wegen der Jagd.“, murmelte Edward.
und die Ringe unter seinen Augen nicht mehr so auffallig. Aber das war noch nicht alles. Doch sosehr ich ihn anstarrte - ich kam nicht drauf.
»Bella, was ist denn?« Jessica riss mich aus meinen Gedanken und folgte meinem Blick.
Im gleichen Augenblick schaute er herüber, und unsere Blicke trafen sich.
„Jessica hat meinen Namen wieder gedacht.“, seufzte Edward.
Ich senkte meinen Kopf und ließ meine Haare nach vorne fallen, um mein Gesicht zu verbergen. Ich war mir aber sicher, dass er nicht so wütend oder unfreundlich ausgesehen hatte wie bei unserem letzten Aufeinandertreffen. Sein Blick war einfach nur neugierig und irgendwie unbefriedigt gewesen.
»Edward Cullen starrt dich an«, flüsterte Jessica mir kichernd ins Ohr.
»Er sieht aber nicht sauer aus, oder?« Ich musste es einfach fragen.
»Nein.« Meine Frage verwirrte sie. »Wieso sollte er?«
„Ich bin ja nicht direkt sauer auf sie.“, seufzte Edward.
»Ich glaub, er kann mich nicht leiden«, verriet ich ihr. Mir war immer noch etwas übel. Ich ließ meinen Kopf auf meinen Arm sinken.
»Die Cullens können niemanden leiden. Na ja, eigentlich beachten sie niemanden genug, um ihn leiden zu können. Obwohl - er schaut dich immer noch an.«
»Hör auf, ihn anzugucken«, zischte ich.
Sie kicherte, schaute aber tatsächlich weg. Ich hob meinen Kopf, um mich davon zu überzeugen und notfalls eigenhändig dafür zu sorgen.
„Ich bin mir sicher, dass das.. Also Bella würde nie Gewalt anwenden.“, sagte Emmett. „Selbst wenn sie es wollte.“
„Du hast sie beim Namen genannt.“, platzte Emmett rein.
„Irgendwann muss das passieren. Sie ist die Hauptperson in diesem Buch.“, grummelte Edward.
Mike unterbrach uns; er plante eine Schneeballschlacht von epischen Ausmaßen nach der letzten Stunde auf dem Parkplatz, und er wollte, dass wir mitmachten. Jessica war Feuer und Flamme - so, wie sie Mike anschaute, würde sie sich für alles begeistern, was er vorschlug. Ich blieb stumm und stellte mich darauf ein, in der Turnhalle abzuwarten, bis auf dem Parkplatz die Luft wieder rein war.
Für den Rest der Mittagspause beschränkte ich mein Blickfeld geflissentlich auf meinen eigenen Tisch. Ich war entschlossen, die Abmachung einzuhalten, die ich mit mir getroffen hatte: Er schaute mich nicht wütend an, also würde ich zu Bio gehen. Obwohl mein Magen schon bei dem Gedanken, wieder neben ihm zu sitzen, rumorte.
Ich hatte wenig Lust, wie üblich mit Mike zur nächsten Stunde zu laufen - er schien ein beliebtes Ziel der Schneeballscharfschützen zu sein. Doch dann kamen wir zur Tür, und alle stöhnten einstimmig auf - alle außer mir:
„Och man. Kein Schnee mehr.“, schniefte Emmett.
„Bella wird sich freuen.“, sagte Alic lächelnd.
Es regnete, und die Schneereste liefen in klaren, eisigen Rinnsalen die Bordsteinkanten entlang. Mit klammheimlicher Freude zog ich mir die Kapuze über den Kopf: Mein Nachhauseweg war frei.
Mike hörte während des ganzen Weges zu Haus vier gar nicht auf, sich zu beklagen.
Ich war erleichtert, als wir im Bioraum ankamen und mein Tisch noch leer war. Mr. Banner lief durch die Reihen und platzierte auf jedem Tisch ein Mikroskop und eine Schachtel mit Präparaten. Es waren noch ein paar Minuten Zeit bis zum Beginn der Stunde, und der Raum war erfüllt von Stimmengewirr. Ich vermied es, zur Tür zu sehen, und kritzelte gedankenverloren auf dem Umschlag meines Heftes herum.
Als sich der Stuhl neben mir bewegte, bekam ich das natürlich mit,
„Du musst gewollt habe, dass sie weiß, dass du da bist.“, sagte Carlisle.
„Es wird sie beruhigen, dass ich mich nicht lautlos verhalte.“, murmelte Edward.
verharrte aber mit den Augen auf meiner Kritzelei.
»Hallo«, hörte ich eine ruhige, musikalische Stimme sagen.
Erstaunt, dass er mit mir redete, blickte ich auf.
„Ah, du versuchst sie denken zu lassen, dass sie überreagiert hat.“, sagte Jasper. „Ich bin mir nicht sicher, ob das bei ihr funktionieren wird.“
Er saß so weit entfernt von mir, wie es der Tisch erlaubte, doch er hatte seinen Stuhl in meine Richtung gedreht. Seine Haare waren pitschnass und zerzaust, aber er sah aus, als hätte er gerade in einer Werbung für Haargel mitgespielt. Sein makelloses Gesicht hatte einen offenen, freundlichen Ausdruck, und um seine perfekten Lippen spielte die Andeutung eines Lächelns. Sein Blick jedoch war wachsam.
»Ich heiße Edward Cullen«, sagte er. »Ich bin letzte Woche nicht dazu gekommen, mich vorzustellen. Du musst Bella Swan sein.«
„Na das ist schon besser.“ Esme lächelte. „Nach dem letzten Mal muss sie gedacht haben, dass du von Wölfen gebissen worden warst.“
„Nur, dass ich von Vampiren gebissen wurde.“, lachte Edward.
„Ich werde lieber von Vampiren gebissen, als von Wölfen.“ Emmett rümpfte die Nase.
Ich war völlig verdattert. Hatte ich mir alles nur eingebildet? Mit einem Mal war er ganz höflich. Irgendwas musste ich sagen, er wartete. Doch keine der üblichen Floskeln wollte mir einfallen.
»W-woher weißt du, dass ich Bella heiße?«, stammelte ich.
„Wir kennen ihren Namen bereits. Ähm.. also, auch ohne dieses Buch zu lesen.“, murmelte Emmett.
„Aber.. nennt sie nicht jeder Isabella?“, fragte Jasper.
„Jep.“, sagte Emmett. „Aber wir haben ihren Namen bisher bestimmt so oft gehört, dass wir sie nur Bella nennen.“
Er lachte - leise und hinreißend.
»Oh, ich würde sagen, alle hier wissen, wie du heißt. Die ganze Stadt hat auf deine Ankunft gewartet.«
Alice lachte. „Das wird sie nicht freuen.“
Ich verzog mein Gesicht. So was in der Art hatte ich mir schon gedacht.
»Nein«, beharrte ich - »ich meine, warum hast du mich Bella genannt, nicht Isabella?«
Er schien verwirrt. »Ist dir Isabella lieber?«
»Nein, ich mag Bella«, sagte ich. »Nur dass Charlie, also mein Dad, mich anscheinend hinter meinem Rücken Isabella nennt, jedenfalls scheint mich jeder hier unter diesem Namen zu kennen«, versuchte ich zu erklären und fühlte mich wie ein Volltrottel.
»Ah.« Er ließ das Thema fallen. Ich schaute verlegen weg.
„Das ist befremdend.“, stellte Carlisle fest. „Normalerweise gibst du nicht so schnell auf.“
„Ich weiß, aber Emmett hat wahrscheinlich recht. Ich habe ihren Namen wahrscheinlich wirklich irgendwo sagen hören.“, sagte Edward.
„Ja, aber warum hast du das Thema dann fallen lassen?“, fragte Carlisle.
„Ich weiß es nicht.“, murmelte Edward.
Zum Glück ging der Unterricht los. Ich versuchte mich auf das zu konzentrieren, was Mr. Banner zur anstehenden Übung erklärte. Die Präparate in der Schachtel vor uns stammten von der Wurzel einer Zwiebel und waren unsortiert. Wir sollten sie zu zweit den verschiedenen Phasen der Mitose zuordnen und entsprechend beschriften, ohne in unsere Bücher zu gucken. In zwanzig Minuten würde er herumkommen und nachsehen, wer alles richtig hatte.
„Das seltsamerweise schwierig.“, seufzte Edward. Er würde es dennoch sofort wissen, was Mr. Banner immer ärgerte, denn er gab sich mit der Schwierigkeit große Mühe. Dennoch schafften die Cullens alles mit Leichtigkeit.
»Die Zeit läuft«, gab er den Startschuss.
»Ladies first?«, fragte Edward. Ich hob den Blick und schaute in ein verschmitztes, schiefes Lächeln, das derartig schön war, dass ich ihn nur idiotisch anstarren konnte.
»Ich kann auch anfangen, wenn du willst.« Das Lächeln verschwand; er zweifelte offenbar an meiner Zurechnungsfähigkeit.
»Nein«, sagte ich und wurde rot. »Ich mach schon.«
Das dürfte ein Kinderspiel werden - ich hatte das Experiment an meiner alten Schule schon gemacht und wusste, worauf ich achten musste.
„Ich denke, dass sie sehr clever ist.“, sagte Carlisle.
„Das werden wir herausfinden.“, sagte Edward.
„Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass scharfsinnige Menschen Intelligent sind.“, erklärte Carlisle.
Eine gute Gelegenheit, um ein bisschen anzugeben. Ich schob den ersten Objektträger unter die Linse und stellte rasch das Objektiv scharf. Dann betrachtete ich kurz das Präparat.
Ich war mir sicher. »Prophase.«
»Lässt du mich auch einen Blick drauf werfen?«, fragte er, als ich das Präparat entfernen wollte, und hielt meine Hand in der Bewegung fest. Seine Finger waren so eisig kalt, als hätte er sie vor der Stunde in eine Schneewehe gehalten.
„Das war nicht schlau von mir.“, seufzte Edward.
„Es war ein verschneiter Tag, also wirst du dich damit retten können.“, sagte Jasper.
Doch der Grund, warum ich meine Hand so ruckartig zurückzog, war ein anderer: Bei seiner Berührung durchfuhr mich ein Schmerz, als hätte er mir einen Stromschlag versetzt.
„Das ist interessant.“, sagte Carlisle und hob eine Augenbraue. „Ich habe noch nie von etwas derartigem gehört. Ich frage mich, ob du es ebenfalls gespürt hast.“
„Ich weiß es nicht. Ich frage mich, was das bedeutet.“, murmelte Edward.
»Entschuldigung«, murmelte er und zog seine Hand sofort zurück. Trotzdem griff er nach dem Mikroskop. Immer noch benommen, sah ich ihm dabei zu, wie er das Präparat noch kürzer betrachtete als ich.
»Prophase«, bestätigte er und trug das Ergebnis sauber in unser Protokoll ein. Rasch wechselte er den ersten gegen den zweiten Objektträger und warf einen kurzen Blick darauf.
»Anaphase«, murmelte er und schrieb es sogleich auf.
Ich bemühte mich, unbeeindruckt zu klingen. »Darf ich?«
„Sie versucht immer noch sich gut darzustellen.“ Jasper hob eine Augenbraue. „Das ist seltsam. Menschen geben normalerweise schnell auf, da sie gegen unser Wissen nicht ankommen können. Es wird nicht lange dauern und sie wird genauso lernen müssen wie die anderen Menschen hier.“
„Vergiss das.“, sagte Emmett. „Sie hofft, dass Edward unrecht hat. Eddy hat NIEMALS unrecht.“
„Vielleicht möchte sie das Präparat einfach sehen?“, schlug Esme vor.
Er grinste und schob mir das Mikroskop rüber.
Ich schaute gespannt durch das Okular und wurde enttäuscht: Er hatte Recht.
„Nope, sie wollte nur, dass er unrecht hat.“ Emmett lachte.
»Nummer drei?« Ich hielt ihm meine Hand hin, ohne ihn anzuschauen.
Er reichte es mir und achtete dabei, so kam es mir jedenfalls vor, sorgsam darauf, nicht noch einmal meine Haut zu berühren.
„Ich habe es vielleicht auch gespürt.“, murmelte Edward.
„Oder du hast ihre Reaktion darauf bemerkt.“, sagte Carlisle.
Ich schaute so kurz, wie es ging.
»Interphase.« Dann schob ich ihm das Mikroskop rüber, bevor er danach fragen konnte. Er guckte flüchtig hinein und schrieb das Ergebnis auf. Das hätte ich machen wollen, während er schaute, doch seine klare, elegante Schrift schüchterte mich ein. Ich wollte das Blatt nicht mit meinem stümperhaften Gekrakel versauen.
Wir waren vor allen anderen fertig. Mike und das Mädchen neben ihm verglichen immer wieder zwei Präparate miteinander; eine andere Gruppe sah unter dem Tisch im Buch nach.
Mir blieb also nichts zu tun, als zu versuchen, ihn nicht anzuschauen ... erfolglos. Ich blickte auf und sah, dass er mich musterte, und zwar wieder mit diesem unerklärlichen Ausdruck der Frustration.
„Du starrst sie doch nicht wieder so an, oder?“, fragte Esme streng.
„Da stand Frustration.“, sagte Edward. „Da ist etwas an ihr, das ich nicht verstehe.. Ich verstehe nicht, weshalb ich mich damit beschäftige. Auf Grund ihrer Wirkung auf mich, hätte ich gedacht, dass ich extra viel Abstand nehmen würde.“
Plötzlich fiel mir auf, was anders war an seinem Gesicht.
»Hast du Kontaktlinsen bekommen?«, platzte es aus mir heraus.
„Oh, sie hat gemerkt, dass sich deine Augenfarbe verändert hat.“, flüsterte Esme.
„Warum sieht sie das überhaupt? Menschen sehen normalerweise nicht in unsere Augen.“ Jasper runzelte die Stirn.
„Bella ist kein typischer Mensch.“, sagte Alice. „Er hat ihr tödliche Blicke zugeworfen. An seine Augenfarbe erinnert sie sich also bestimmt.“
„Möglich..“, murmelte Jasper.
Er schien verdutzt über meine unerwartete Frage.
„Und wieder einmal verwirrt sie dich.“, murmelte Carlisle.
„Bestimmt wurde Bella geschickt um Edward zu schocken. Man, wie gerne würde ich das sehen.“ , kicherte Emmett.
»Nein«, sagte er, zuckte mit den Schultern und schaute weg.
„Das ist nicht die richtige Antwort.“, sagte Jasper.
„Sie hat nicht daran gedacht, was ich antworten würde.“, sagte Edward frustriert.
»Oh«, nuschelte ich. »Ich hatte das Gefühl, dass deine Augen irgendwie anders sind.«
Genauer gesagt, ich war mir sicher. Ich erinnerte mich lebhaft an das matte Schwarz seiner Augen, als er mich letzte Woche so angefunkelt hatte - an ihren auffälligen Kontrast zu seiner blassen Haut und den rotbraunen Haaren. Heute hatten sie eine völlig andere Farbe, ein eigenartiges Ocker, dunkler als Karamel, aber mit derselben goldenen Tönung. Ich konnte mir die Veränderung nicht erklären, es sei denn, er sagte aus irgendeinem Grund nicht die Wahrheit, was die Kontaktlinsen anging. Oder Forks brachte mich jetzt buchstäblich um den Verstand.
„Sie gibt zu schnell auf, auch wenn es gut für sie ist, die Lüge zu glauben.“, seufzte Carlisle.
„Ich glaube nicht, dass sie aufgibt. Sie lässt es nur für jetzt auf sich ruhen.“, sagte Edward.
Ich senkte den Blick. Seine Hände waren wieder zu Fäusten geballt.
Dann kam Mr. Banner zu unserem Tisch, um zu sehen, warum wir nicht arbeiteten. Er beugte sich über unsere Schultern, um einen Blick auf das Protokoll zu werfen.
»Edward, meinst du nicht, Isabella hätte auch ein wenig am Mikroskop üben sollen?«, fragte Mr. Banner.
„Er sollte nicht davon ausgehen, dass Isabelle das nicht können würde.“, seufzte Edward.
„Jetzt nimmst du sie aber sehr in Schutz.“, Emmett lachte.
„Aber sie IST clever.“, sagte Edward schnell.
»Bella«, verbesserte Edward automatisch. »Um ehrlich zu sein, drei der fünf hat sie identifiziert.«
Mr. Banner beäugte mich skeptisch.
»Hast du die Übung schon mal gemacht?«, fragte er.
Ich lächelte verlegen. »Nicht mit Zwiebelwurzeln.«
»Mit Fisch-Blastula?«
»Hm-mhh.«
»Warst du in Phoenix in einem College-Vorbereitungskurs?«
»Ja.«
»Na ja«, sagte er nach kurzem Zögern. »Vielleicht ist es ganz gut, dass ihr zusammensitzt.« Im Weggehen nuschelte er noch etwas anderes. Ich machte mich wieder daran, auf meinem Heft herum zukritzeln.
»Schade mit dem Schnee, nicht wahr?«, fragte Edward.
„Wetter.“, sagte Alice ungläubig. „Du redest mit ihr über das Wetter.“
Ich hatte den Eindruck, er fühlte sich verpflichtet, mit mir zu reden. Wieder überkam mich dieses Gefühl der Paranoia: Es war, als hätte er meine Unterhaltung mit Jessica beim Essen mitgehört und würde mir jetzt das Gegenteil beweisen wollen.
„Es ist unheimlich, wie recht sie hat.“, sagte Jasper.
»Ehrlich gesagt, nein«, antwortete ich, anstatt so zu tun, als wäre ich ein normaler Mensch wie alle anderen hier.
Ich war immer noch damit beschäftigt, diesen blöden Argwohn abzuschütteln, und konnte mich kaum konzentrieren.
»Du magst die Kälte nicht.« Er fragte nicht, er stellte fest.
»Genauso wenig wie die Nässe.«
»Dann ist Forks wohl nicht gerade ein angenehmer Ort für dich«, folgerte er.
»Wenn du wüsstest«, murmelte ich finster.
Es war mir zwar ein Rätsel, warum, aber es sah aus, als faszinierte ihn das, was ich sagte.
„Ähm.. das ist seltsam..“, murmelte Emmett.
„Ich muss wohl wissen wollen, weshalb sie dann hergekommen ist.“, sagte Edward.
Sobald ich ihn anschaute, war es mit meiner Konzentration vorbei, also versuchte ich, es gerade oft genug zu tun, um nicht unhöflich zu wirken.
»Warum bist du dann hierhergezogen?« ...
Edward schmunzelte. „Seht ihr?“
„Das ist nicht nett, Edward. Du solltest sie nicht bespitzeln.“, sagte Esme streng.
„Tut mir leid.“ Edward versuchte das Schmunzeln zu unterdrücken.
Das hatte mich noch keiner gefragt, nicht so direkt wie er - so fordernd.
»Komplizierte Geschichte.«
»Ich bin mir sicher, dass ich folgen kann«, bohrte er weiter.
Ich machte eine lange Pause, dann beging ich den Fehler, sei nen Blick zu erwidern. Die tiefgoldenen Augen verwirrten mich, und ich antwortete, ohne nachzudenken.
»Meine Mutter hat wieder geheiratet«, sagte ich.
»Das klingt doch gar nicht so kompliziert«, erwiderte er überraschend sanft. »Wie lange ist das her?«
»Letzten September.« Meine Stimme klang traurig, selbst mir fiel das auf.
»Und du kannst ihn nicht ausstehen«, mutmaßte er einfühlsam.
»Nein, Phil ist schon okay. Zu jung vielleicht, aber eigentlich nett.«
»Warum bist du nicht bei ihnen geblieben?«
Ich konnte mir sein Interesse zwar nicht erklären, aber er schaute mich immer noch so durchdringend an, als wäre meine langweilige Lebensgeschichte aus irgendeinem Grund irre wichtig.
»Phil ist viel unterwegs. Er ist Baseballprofi.« Ich musste ein wenig lächeln.
„Ich frage mich, ob wir ihn kennen.“ Emmett war genauso Baseball-besessen wie Jasper und Edward.
»Kenne ich ihn?«, fragte er und erwiderte mein Lächeln.
»Würde mich wundern. Er ist kein guter Baseballprofi. Nur Minor League. Er spielt, wo er kann.«
»Und deine Mutter hat dich hierhergeschickt, damit sie mit ihm mitreisen kann.« Wieder fragte er nicht, sondern stellte fest.
„Falsch. Ihre Mutter wollte, dass sie bleibt.“, sagte Emmett.
„Aber nur ein großer Teil von ihr.“, stellte Edward klar. „Der andere Teil ist lieber mit ihrem neuen Mann allein.“
Ich reckte mein Kinn ein wenig vor. »Sie hat mich nicht hierhergeschickt. Ich hab mich selbst geschickt.«
„Sie mag es nicht, wenn du einfach Sachen annimmst.“ Emmett kicherte. „Hör auf so ein Besserwisser zu sein.“
Seine Augenbrauen schoben sich zusammen. »Das verstehe ich nicht«, gab er zu - eine Tatsache, die ihn über alle Maßen zu frustrieren schien.
„Und wieder verblüfft.“ Emmett jubelte. „Drei mal an einem Tag.“
Ich seufzte. Wozu erklärte ich ihm das alles?
Er schaute mich unvermindert neugierig an. »Zuerst blieb sie bei mir in Phoenix, aber sie vermisste ihn. Sie war unglücklich . Also dachte ich mir, es wäre eine gute Idee, meine Beziehung zu Charlie ein wenig aufzufrischen.« Mittlerweile klang ich wirklich niedergeschlagen.
»Aber jetzt bist du unglücklich«, stellte er fest.
»Und?«
„Selbstlos.“, murmelte Edward, lächelte als er den Kopf schüttelte. „Anderer Leute Glück ist für sie wichtiger, als ihr eigenes.“
»Ist das gerecht?«, fragte er leichthin, doch die Intensität seines Blickes war ungebrochen.
Ich lachte kurz auf. »Seit wann ist das Leben denn gerecht?«
Edward lächelte leicht. „Wie recht sie doch hat.“
»Jetzt, wo du's sagst - stimmt, seit wann?«, antwortete er trocken.
„Hör auf dich zu wiederholen.“, seufzte Emmett.
»Das ist die ganze Geschichte«, beharrte ich und kapierte nicht, warum er mich immer noch so anstarrte.
»Du verstellst dich ausgezeichnet«, sagte er langsam. »Aber ich wette, dass es dir viel mehr ausmacht, als du irgendjemandem zeigst.«
„Edward, hör auf damit. Sie mag es nicht, dass du sie damit aufziehst, dass sie leidet.“ Esme funkelte ihren Sohn streng an.
„Tut mir Leid. Ich glaube nicht, dass ich das in dem Buch bereits weiß.“, seufzte Edward.
Ich verzog mein Gesicht, widerstand dem Impuls, ihm wie eine Fünfjährige die Zunge rauszustrecken, und schaute weg.
»Hab ich Unrecht?«
Ich versuchte ihn zu ignorieren.
»Dachte ich's mir doch«, murmelte er selbstgefällig.
»Was interessiert dich das denn?«, fragte ich verärgert.
„Edward kann ziemlich seltsam sein.“, lachte Emmett.
„Ihre Frage ist mehrdeutig, also was kümmert dich das?“, fragte Jasper.
Edward seufzte. „Ich weiß es nicht. In Small Talk war ich noch nie gut.“
Ich schaute ihn nicht an, sondern beobachtete Mr. Banner bei seiner Runde durch die Klasse.
»Das ist eine sehr gute Frage«, sagte er so leise, dass ich mich fragte, ob er mit sich selbst geredet hatte. Doch nach ein paar Sekunden des Schweigens wurde mir klar, dass ich keine andere Antwort bekommen würde.
Ich seufzte und starrte erbost zur Tafel.
»Nerve ich dich?«, fragte er. Es klang amüsiert.
Wieder schaute ich ihn an, ohne nachzudenken ... und wieder antwortete ich ganz wahrheitsgemäß. »Nicht du, ich selbst nerve mich. Ich bin so leicht zu durchschauen - man kann mir alles vom Gesicht ablesen. Meine Mutter nennt mich immer ihr offenes Buch.« Ich runzelte die Stirn.
»Im Gegenteil, ich finde es außerordentlich schwer, dich zu durchschauen.« Trotz allem, was ich gesagt und er vermutet hatte, schien er es ernst zu meinen.
„Was bedeutet das?“, fragte Carlisle zerstreut.
„Ich weiß es nicht.“, antwortete Edward alarmiert.
»Dann bist du wohl besonders gut darin«, erwiderte ich.
»Normalerweise schon.« Er grinste breit und offenbarte eine Reihe perfekter, blendend weißer Zähne.
„Du verwirrst mich, Edward.“, sagte Carlisle. „Mit dem was du sagst, und mit dem, was du tust.“
„Mir geht es genauso, Carlisle.“, murmelte Edward. „Aber ich würde sagen, dass ich lächle, damit ihre Instinkte sie endlich vor mir warnen.“
„Ja, aber das andere.. Es scheint so, als würde deine Gabe nicht funktionieren..“
In dem Augenblick rief Mr. Banner die Klasse zur Ruhe, und ich drehte mich erleichtert in seine Richtung, um zuzuhören. Ich konnte nicht glauben, dass ich diesem seltsamen, schönen Jungen, von dem ich nicht wusste, ob er mich verachtete oder nicht, gerade meine ganze öde Lebensgeschichte erzählt hatte. Unser Gespräch hatte ihn anscheinend gefesselt, doch jetzt sah ich aus den Augenwinkeln, dass er sich erneut von mir weglehnte und mit unverkennbarer Anspannung die Tischkante umklammerte.
Mr. Banner demonstrierte mit Hilfe von Folien auf dem Overheadprojektor, was ich ohne Schwierigkeiten unter dem Mikroskop gesehen hatte. Ich versuchte Konzentration vorzutäuschen, doch meine Gedanken ließen sich nicht im Zaum halten.
Als es endlich klingelte, schoss Edward ebenso blitzartig und anmutig aus dem Raum wie am vergangenen Montag. Und wieder starrte ich ihm voller Verwunderung hinterher.
„Du machst alles wieder kaputt, es lief doch gerade so gut.“ Rosalie fuhr sich gelangweilt durch ihr Haar.
Da kam auch schon Mike angesprungen und griff nach meinen Büchern. Ich stellte ihn mir mit wedelndem Schwanz vor.
Emmett brach in Lachen aus.
»War das schrecklich«, stöhnte er. »Die sahen alle genau gleich aus. Ein Glück für dich, dass du mit Cullen zusammensitzt.«
»Ich hatte keine Probleme«, sagte ich, pikiert von seiner selbstverständlichen Annahme, es sei mir ebenso schwergefallen wie ihm.
„Sie hasst falsche Annahmen ernsthaft.“, kicherte Emmett.
Doch sofort bereute ich es, ihn so abgefertigt zu haben. »Ich hab die Übung aber schon mal gemacht«, fügte ich hinzu, um ihn nicht zu verletzen.
„Und will andere sofort besänftigen.“, ergänzte Esme.
»Cullen schien ja heute ganz freundlich zu sein«, kommentierte er, während wir unsere Regenjacken anzogen. Er war offensichtlich nicht sehr erfreut darüber.
Ich gab mich gleichgültig. »Wer weiß, was er letzte Woche hatte.«
Auf dem Weg zur Turnhalle konnte ich mich kaum auf Mikes Geschwätz konzentrieren, und beim Sport gab es auch nicht viel, was meine Aufmerksamkeit fesselte. Mike war heute in meiner Mannschaft und deckte ritterlich meine Position zusätzlich zu seiner ab, weshalb meine Träumereien nur dann kurz unterbrochen wurden, wenn ich mit der Angabe an der Reihe war und alle in meiner Mannschaft vorsorglich in Deckung gingen.
Als ich zum Parkplatz lief, war von dem Regen nur noch feuchter Nebel übrig geblieben, doch mir war trotzdem wohler, als ich im trockenen Fahrerhaus saß. Ich stellte die Heizung an selbst das ohrenbetäubende Dröhnen des Motors war mir jetzt egal. Ich öffnete den Reißverschluss meiner Jacke, zog mir die Kapuze vom Kopf und schüttelte meine Haare, damit die warme Luft sie auf dem Weg nach Hause trocknen konnte.
Als ich mich umschaute, um zu sehen, ob hinter mir frei war, fiel mein Blick auf eine unbewegte Figur: Edward Cullen lehnte an der Vordertür des Volvos, drei Autos von mir entfernt, und starrte mich an.
„Du wartest immer IM Auto auf uns.“, sagte Jasper und schaute seinen Bruder verwirrt an.
„Und er würde Bella niemals so ansehen.“ Auch Emmett schien verwirrt.
Ich schaute blitzschnell weg, legte hastig den Rückwärtsgang ein und hätte beinahe einen halbverrosteten Toyota Corolla gerammt. Zum Glück für ihn konnte ich gerade noch rechtzeitig bremsen - das war genau die Sorte Auto, aus der mein Transporter ein zerknülltes Stück Metall gemacht hätte. Ich atmete tief durch, schaute zur anderen Seite hinaus und fuhr behutsam aus meiner Parklücke, dieses Mal mit mehr Erfolg. Als ich am Volvo vorbeikam, blickte ich stur geradeaus, doch ich hätte schwören können, dass ich ihn aus den Augenwinkeln lachen sah.
„Das habe ich wahrscheinlich auch.“, gab Edward zu.
„Ich würde es jedenfalls tun.“, gluckste Emmett.
„Das war das Ende des Kapitels.“, sagte Edward.
„Ich bin dran.“, sagte Emmett und nahm sich das Buch.
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